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TKMS liefert solide Zahlen, volle Auftragsbücher und einen Rekordbestand von über 20 Milliarden Euro. Trotzdem ist die Aktie in den letzten sieben Tagen um über 15 Prozent eingebrochen. Wie passt das zusammen? Eine mögliche Erklärung derzeit ist, dass der Markt nicht mehr nur auf Umsatz oder Gewinn schaut, sondern auch auf den Cashflow, und der ist negativ. Gleichzeitig zieht ein Sog durch den gesamten Rüstungssektor, der auch die ganz großen Titel wie eine Rheinmetall mitreißt. TKMS steckt mittendrin. Jetzt nähert sich die Aktie einer kritischen Marke um die 70 Euro. Dort könnte sich entscheiden, ob eine Bodenbildung gelingt, oder ob der nächste Kursrutsch beginnt. Die Lage ist spannend und auch etwas riskant, denn wer zu früh zugreift, kann sich dabei die Finger verbrennen.
Starke Zahlen reichen nicht, TKMS unter Abgabedruck
Umsatz plus zehn Prozent, bereinigtes Betriebsergebnis plus 14 Prozent, Auftragsbestand auf Rekordniveau. Auf dem Papier klingt das überzeugend. Doch die Börse hat TKMS zuletzt trotzdem abgestraft. Der Grund liegt vor allem im freien Cashflow. Der lag im ersten Halbjahr 2025/26 bei minus 72 Millionen Euro, ein harter Kontrast zu den fast 756 Millionen Euro, die im Vorjahreszeitraum noch positiv zu Buche standen. Hinzu kam eine Einmalzahlung von 285 Millionen Euro an Thyssenkrupp im Zuge der Verselbstständigung. Das zog an der Nettofinanzposition. Trotzdem hält der Vorstand an seiner Jahresprognose fest. Erwartet wird ein Umsatzwachstum von zwei bis fünf Prozent, die bereinigte operative Marge soll die Sechs-Prozent-Marke überspringen. Im ersten Halbjahr lag sie bei 5,1 Prozent. Das zweite Halbjahr muss also zulegen. Besonders stark lief die Tochter Atlas Elektronik, die ihr bereinigtes Ergebnis um 73 Prozent steigerte und eine Marge von knapp elf Prozent erzielte, deutlich über dem Konzernschnitt. Das Orderbuch bleibt das stärkste Argument. Zum Ende März 2026 lagen die Aufträge bei 20,6 Milliarden Euro. Allein im Berichtszeitraum kamen rund 3,4 Milliarden Euro neu herein, getrieben durch Zusatzbestellungen aus Norwegen und den größten Torpedo-Auftrag der Unternehmensgeschichte. Für die operative Auslastung der Werftstandorte ist das ein solides Fundament auf Jahre hinaus.

Charttechnik
Die charttechnischen Signale sind aktuell eher auf Rot, denn auf Grün. Dennoch: Der RSI notiert bei rund 25 Punkten, damit überverkauft, aber noch fallend - bislang keine große Gegenwehr. Im Gegenteil, denn die Dynamik der Abwärtsbewegung hat sich zuletzt sogar noch eher beschleunigt. Eine wichtige Unterstützungszone wurde glatt nach unten durchbrochen. Jetzt rückt der Bereich zwischen 70 und 71,50 Euro in den Fokus. Dort könnte sich eine neue Bodenbildungs-Basis finden, muss aber nicht. Das bisherige Allzeittief liegt nur "unwesentlich" darunter. Wird es unterschritten, öffnet sich technisch Raum bis in Richtung 60 Euro. Das wäre ein Szenario, das niemand ausschließen sollte. Erschwerend kommt hinzu: TKMS leidet nicht allein unter eigenen Problemen. Der gesamte Rüstungssektor hat nach einem starken Lauf zuletzt Luft abgelassen. Rheinmetall, RENK, HENSOLDT, viele dieser Titel stecken im gleichen Abwärtssog. Wenn der Sektor dreht, profitiert TKMS wahrscheinlich mit. Bis dahin aber bleibt die Aktie in einem technisch anfälligen Umfeld.
Was tun?
Wer TKMS im Depot hält, steht vor keiner einfachen Aufgabe. Fundamental ist das Unternehmen gut aufgestellt. Der Auftragsbestand sichert die Auslastung. Die Margen verbessern sich langsam. Und mit einer möglichen Entscheidung über den kanadischen U-Boot-Auftrag, ein Programm im Volumen von bis zu 37 Milliarden Euro, könnte ein Kurstreiber erster Güte in den nächsten Wochen auftauchen. Dazu kommt das deutsche Fregattenprogramm F127, bei dem TKMS als einziger Bieter verblieben ist. Doch kurzfristig ist Vorsicht angebracht. Der Cashflow ist negativ, die Charttechnik noch negativ gemischt, der Markt skeptisch. Die Zone um 70 Euro bietet zwar eine potenzielle Chance für einen Rebound. Ohne klare Bodenbildung sollte man aber nicht vorschnell handeln. Wer einsteigen möchte, sollte zuvor auf eine Stabilisierung warten, also echte Kaufsignale, nicht nur einen günstigen Kurs. Das Risiko liegt auf der Unterseite: Gibt die Unterstützung nach, droht der nächste Rutsch.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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