DJ MARKT-AUSBLICK/Zinsen und Nvidia im Fokus der Börsen
DOW JONES--Eine spannende Woche liegt vor DAX & Co. Mit dem Ende der Quartalsberichtssaison dürften übergeordnete Themen wieder stärker gespielt werden. Zum einen könnte der US-chinesische Gipfel nachhallen, der nach aktuellem Kenntnisstand wenig bis nichts Konkretes hervorgebracht hat, sondern lediglich diplomatische Lippenbekenntnisse zu einem geordneten Miteinander. Das gilt auch mit Blick auf die Öffnung der Straße von Hormus, die damit auf Sicht weiter kaum passierbar bleiben dürfte mit der Folge weiter hoher Ölpreise. UBS-Chefvolkswirt Paul Donovan kommentiert den Gipfel sarkastisch: "Viel vom immer rarer werdenden Kerosin ist verbrannt worden, um nichts mit realer Substanz zu erreichen".
Für die Börsen wird die Lage auch angesichts immer neuer Rekordhochs an der Wall Street bei gleichzeitig steigenden Inflationsraten und Marktzinsen kritischer. In den USA wird der Anstieg der Energiepreise vielfach als lediglich "transitorisch" eingeschätzt. Tatsächlich fressen sich die Energiekosten aber durch die Lieferketten, und umso mehr, je länger die Ölpreise oben bleiben. Die Angst vor der Ausbreitung der Inflation in alle Arbeits- und Lebensbereiche ist somit real. Das belegten auch gerade erst wieder höher als gedacht ausgefallene US-Verbraucher- und Erzeugerpreise für April. Die Preise der Produzenten stiegen zum Vorjahr um 6,0 Prozent, nachdem es im Monat zuvor noch 4,0 Prozent waren.
Dessen ungeachtet werden für die US-Notenbank-Sitzung im Juni mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit unveränderte Zinsen erwartet. Und selbst bis zur September-Sitzung liegt diese Erwartung bei 81 Prozent. Möglicherweise spielt dabei aber auch eine Rolle, dass der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh als Verfechter niedrigerer Zinsen gilt. Allerdings bedürfen Zinsbeschlüsse einer Mehrheit von 7 der 12 Ratsmitglieder.
Die 10-jährige US-Rendite liegt inzwischen über 4,5 Prozent, die 30-jährige und mittlerweile auch die 20-jährige über der magischen 5-Prozent-Marke. Das sind teils die höchsten Niveaus seit 2007. Und in Deutschland sieht es kaum besser aus. Hier liegt die Rendite der 10-jährigen bei 3,10 Prozent, auf dem höchsten Niveau seit 2011. Die Entwicklung von Aktienkursen und Zinsen passt daher für viele Marktteilnehmer eigentlich nicht zusammen.
Stattdessen reiten die US-Börsen und andere weiter auf der KI-Welle. Dabei durften sie sich zuletzt mit einer Reihe starker Unternehmenszahlen aus dem Sektor und erhöhten Ausblicken auch bestätigt sehen. Umso spannender dürfte der Mittwoch werden, wenn das KI-Dickschiff Nvidia seine Zahlen präsentiert, dessen Aktienkurs gerade wieder auf Rekordjagd ist. Dass Nvidia gigantische Gewinne vorlegen dürfte, steht fast außer Zweifel. Vergessen wird aber oft, dass die KI-Unternehmen durch ihre enormen Investitionen auch immer mehr Fremdkapital aufnehmen - und damit immer zinsempfindlicher werden.
Die Hoffnung der Märkte aktuell sei, dass die Gewinne der KI-Industrie die Belastungen aus Zinsanstieg, Energieschock und schwacher Konsumnachfrage auffangen werden, meint Bob Savage, Leiter der Makro-Strategie bei der Bank of New York Mellon. Das Risiko eines Drucks auf die Aktienbewertung und schlechtere Finanzierungsmöglichkeiten steige aber.
Ebenfalls am Mittwoch dürften die Akteure die Hauptversammlung der Commerzbank genauer verfolgen. Der größte Aktionär, die übernahmewillige Unicredit, dürfte dort wohl nicht in Erscheinung treten und doch das Hauptthema sein. Die Commerzbank-Spitze wird versuchen, die Aktionäre unter anderem mit hohen Ausschüttungen bei der Stange zu halten. Sie sollen über eine kräftige Dividendenerhöhung abstimmen.
Am Freitag steht der Ifo-Geschäftsklimaindex für Mai auf dem Kalender. Er dürfte zunehmende Unsicherheit der deutschen Unternehmen widerspiegeln. Nachdem sich die Geschäftserwartungen zu Jahresbeginn noch leicht stabilisiert hatten, sorgt der Iran-Krieg für einen deutlichen Stimmungsdämpfer, der vor allem die energieintensive Industrie hart trifft.
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