2. bis 8. Mai 2026
Internationale Aktien notierten diese Woche nur knapp unter ihren Allzeithochs. Friedenshoffnungen für den Nahen Osten, die ungebrochene KI-Euphorie und weiter gute US-Konjunkturdaten trieben die Kurse. Die US-Zehnjahresrendite fiel leicht von 4,39% auf 4,35%. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verbilligte sich um 8,25 US-Dollar auf 94,50 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) fiel die Volatilität diese Woche leicht von 19,3 auf 18,8.
Irankrieg
Diese Woche wuchs die Hoffnung, dass sich die USA und der Iran auf 30-tägige Verhandlungen zur Beendigung des Krieges verständigen könnten. Die USA warten noch auf die Antwort aus Teheran. Bei einem Nein würden sie laut Trump die Bombardements wieder aufnehmen und sogar intensivieren. Am Freitag ließ der Iran wissen, dass man den US-Vorschlag derzeit prüfe.
China, Irans wichtigster Verbündeter, drängt die Führung in Teheran mittlerweile auf eine Einigung mit den USA. Das könnte das Patt durchbrechen. Außerdem soll die chinesische Bankenaufsicht die größten Banken des Landes angewiesen haben, fünf von den USA gerade erst mit Sanktionen belegten Raffinerien keine Kredite mehr zu geben. Trump dürfte das gefallen, zumal er in einer Woche nach Peking fliegt.
Am Montag kündigte Trump dann "Project Freedom" an - amerikanischen Begleitschutz für im Persischen Golf gestrandete Schiffe -, widerrief es aber nur 36 Stunden später. Kurz nach Trumps Ankündigung hatte der Iran mehrere Schiffe beschossen, auch US-Kriegsschiffe, gefolgt von einer Reihe von Raketen- und Drohnenangriffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate. Die USA reagierten darauf nicht, um die geplanten Friedensverhandlungen nicht zu gefährden. Damit verärgerte Trump aber seine arabischen Verbündeten. Project Freedom wurde abgebrochen, weil Saudi-Arabien und Kuwait den USA die Nutzung ihrer Militärbasen und ihres Luftraums verweigerten. Am Donnerstagnachmittag berichtete das Wall Street Journal aber, dass die beiden Länder ihre Haltung geändert hätten, vielleicht nach amerikanischen Zusicherungen eines besseren Schutzes der US-Verbündeten am Golf. Jetzt heißt es, dass das Project Freedom Anfang der Woche wieder aufgenommen werden solle.
Am späten Donnerstagnachmittag berichteten die iranischen Staatsmedien dann über Gefechte mit den USA nahe dem iranischen Hafen Bandar Abbas an der Straße von Hormus. Der Iran habe drei amerikanische Zerstörer mit Raketen und Drohnen beschossen. Aus den USA heißt es, man habe im Gegenzug iranische Abschussrampen, Kommandozentralen und Aufklärungseinrichtungen angegriffen. Auf US-Seite habe es keine Schäden gegeben. Nur Stunden nach diesem Scharmützel beschoss der Iran die Emirate erneut mit Raketen und Drohnen. Sie scheinen aber alle abgefangen worden zu sein.
Wie es heißt, bietet der Iran Rohöl zu etwa einem Drittel des Weltmarktpreises an, wenn die Käufer es im Persischen Golf verladen. Der Rohölpreis fiel diese Woche erstaunlich stark. Brent kostete weniger als 100 Dollar, nachdem man vor gut einer Woche noch 126 Dollar für das Barrel zahlen musste.
Konjunktur
Überraschend starker US-Beschäftigungsanstieg im April
Im April wurden in den USA außerhalb der Landwirtschaft 115.000 neue Stellen geschaffen, deutlich über der Konsensschätzung von 65.000. Der ohnehin starke Beschäftigungsanstieg im März wurde von 178.000 auf 185.000 nach oben korrigiert. Im März und April ist die Beschäftigung erstmals seit Ende 2024 zwei Monate in Folge um jeweils über 100.000 gestiegen. Die Arbeitslosenquote betrug unterdessen unverändert 4,3%, und die durchschnittlichen Stundenlöhne legten nur wenig zu, sodass die Lohnentwicklung die Inflation wohl kaum anheizt. Trotz der Angst vor Arbeitsplatzverlusten durch KI oder den wirtschaftlichen Folgen des Irankrieges war der amerikanische Arbeitsmarkt zuletzt erstaunlich stabil.
US-Handelsgericht erklärt Trumps Zolltricks für rechtswidrig
Nachdem der Oberste Gerichtshof Trumps IEEPA-Zölle kassiert hatte, führte der Präsident einen allgemeinen 10-prozentigen Zoll nach Section 122 des Handelsgesetzbuches ein. Am Donnerstag entschied der Court of International Trade dann mit 2:1 Stimmen, dass die neuen Zölle die vom Handelsgesetz geforderten Bedingungen nicht erfüllten. Auf eine einstweilige Anordnung gegen die ohnehin im Juli auslaufenden Zölle wurde aber verzichtet. Importeuren dürfte das Urteil daher nur wenig helfen.
Offenmarktausschussmitglied Williams sieht keinen Grund für Zinserhöhungen
John Williams, Präsident der New York Fed und eines der einflussreichsten Mitglieder des Offenmarktausschusses, sagte am Montag, dass die Geldpolitik die Risiken für Preisstabilität und Beschäftigung zurzeit ausgewogen berücksichtige - auch wegen der massiven Lieferkettenstörungen durch den Irankrieg. Für 2026 erwartet er 2% bis 2,25% Wirtschaftswachstum und eine Arbeitslosenquote von 4,25% bis 4,5%. Die Inflation könnte dieses Jahr durchschnittlich etwa 3% und nächstes Jahr durchschnittlich 2% betragen. Bleibt sie hoch, würden die Zinsen vielleicht erst später gesenkt. Die Formulierungen im Pressestatement nach der Offenmarktausschusssitzung hätten seine volle Zustimmung, so Williams. Die Fed hatte geschrieben, dass die Geldpolitik tendenziell weiter gelockert würde.
Stärkstes Gewinnwachstum seit Jahrzehnten
Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnten die Gewinne amerikanischer Unternehmen im 1. Quartal so stark gestiegen sein wie seit 20 Jahren nicht mehr. Ein derart hohes Wachstum sei ungewöhnlich, wenn sich die Wirtschaft nicht gerade von einer Rezession erholt. Die Gewinne steigen auf breiter Front, im Durchschnitt und im Median zweistellig, und erstmals seit vier Jahren verzeichneten alle elf Sektoren ein Plus. Durch den Gewinnanstieg könnten sich die sehr hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Mega Caps normalisieren, schrieben die Analysten. FactSet berichtete unterdessen, dass Analysten ihre Gewinnschätzungen für das 2. Quartal anheben. Das ist auffällig, weil sie ihre Schätzungen im ersten Monat eines Quartals sonst meist senken. Wenn man alle Gewinnschätzungen für das 2. Quartal aggregiert, kommt man auf einen Anstieg des Gewinns je Aktie um 2,1% im April (von 78,84 US-Dollar auf 80,47 US-Dollar).
Trump gibt der EU bis zum 4. Juli Zeit für eine Handelsvereinbarung
Die EU lässt sich Zeit mit den letzten Einzelheiten einer Handelsvereinbarung mit den USA. Jetzt drohte Andrew Puzder, US-Botschafter bei der EU, mit 25% Zoll auf europäische PKW und LKW, wenn der Vertrag nicht schnell ratifiziert werde. Am Dienstag teilte der EU-Handelsbeauftragte Maroš Šefcovic seinem US-Kollegen Jamieson Greer mit, dass eine Ratifizierung der wichtigsten Vertragsbestandteile bis Juli geplant sei - mehr als ein Jahr nach Abschluss der Verhandlungen. Nach einem Gespräch mit Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Donnerstag gab Trump dann der EU bis zum 4. Juli Zeit. Danach werde er die Zölle anheben.
Kurz gefasst
Nach mehreren Verzögerungen durch Feiertage wurden diese Woche die restlichen Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht. Klar vorn lag das Vereinigte Königreich, wo alle Teilindizes kräftig stiegen.

Im April waren die USA der weltgrößte Ölexporteur, vor Saudi-Arabien. Die amerikanischen Rohölexporte liegen nun um 30% höher als vor Kriegsbeginn, schreibt Kpler.
Im März stiegen die Auftragseingänge in den USA um 1,5%. Volkswirte hatten nur mit 0,6% gerechnet.
Wie erwartet erhöhte die Reserve Bank of Australia ihren Leitzins diese Woche um 25 Basispunkte auf 4,35%. Auch die norwegische Norges Bank hob aufgrund der noch immer hohen Inflation ihren Leitzins an, um 25 Basispunkte auf 4,25%. Das ist die erste Zinserhöhung einer westeuropäischen Notenbank seit Beginn des Irankrieges.
Die OPEC+ kündigte an, ihre Förderobergrenze im Juni um 188.000 Barrel täglich anzuheben.
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron nominierte einen seiner engsten Berater, Emmanuel Moulin, für den Vorsitz der Banque de France. Er folgt auf François Villeroy de Galhau, der Ende Mai in den Ruhestand geht.
Viele internationale Aktienindizes stiegen diese Woche auf neue Rekordhochs, darunter der S&P 500, der NASDAQ 100, der Russell 2000, der MSCI World Index, der südkoreanische KOSPI und der taiwanesische TAIEX.
Kanadas Wirtschaft baute im April 17.700 Stellen ab. Die Arbeitslosenquote stieg von 6,7% auf 6,9%.
Die amerikanische Börsenaufsicht SEC schlug eine Regeländerung vor, nach der Unternehmen künftig Halbjahresberichte anstelle von Quartalsberichten abgeben dürften. An der Pflicht zur Einreichung vollständiger Jahresberichte wolle man festhalten. Jetzt beginnt eine 60-tägige Konsultationsphase. Die SEC kann die Regeländerung mit einer Mehrheitsentscheidung beschließen.
Am Mittwoch kritisierten die G7-Handelsminister "wirtschaftlichen Druck" durch Großmächte, die Exporte willkürlich beschränkten. Das gelte vor allem für kritische Mineralien. Aus Sicht von Analysten war dies ein klarer Seitenhieb gegen China.
Nach den Zahlen vom Donnerstag fielen die wöchentlichen Folgeanträge auf Arbeitslosengeld in den USA Ende April auf den niedrigsten Wert seit zweieinhalb Jahren.
Gewinnmeldungen
Bislang haben etwa 89% der S&P-500-Unternehmen die Ergebnisse für das 1. Quartal 2026 vorgelegt. Kombiniert mit Schätzungen für die übrigen 11% sind die Gewinne laut FactSet um beeindruckende 27,7% z.Vj. gestiegen. Die Umsätze haben im Vorjahresvergleich um 11,3% zugelegt.
Nächste Woche
Montag: Verkäufe von Bestandsimmobilien in den USA
Dienstag: Verbraucherpreise in den USA
Mittwoch: BIP und Industrieproduktion im Euroraum, Produzentenpreise in den USA
Donnerstag: BIP und Industrieproduktion im Vereinigten Königreich, US-Einzelhandelsumsätze
Freitag: US-Industrieproduktion
Fokussiert und diversifiziert bleiben
Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.
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Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.
