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Der in diesem Jahr tiefe Fall der Rheinmetall-Aktie sorgt unter Anlegerinnen und Anleger für viel Aufmerksamkeit. Doch wie schaut es eigentlich bei Renk aus?
Alle Augen sind auf Rheinmetall gerichtet, dabei schlägt sich Renk zumindest weniger schlecht
Für die Aktien von deutschen Verteidigungskonzernen verläuft das Börsenjahr trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten bislang bescheiden. In den vergangenen Tagen stand vor allem die Rheinmetall-Aktie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, nachdem diese durch zahlreiche Unterstützungen auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr abgerutscht ist. Das gilt in der technischen Analyse als Verkaufssignal und lässt mittelfristig weitere Verluste befürchten.
Gegenüber dem Minus von 26 Prozent bei Rheinmetall hat die Aktie des Panzergetriebeherstellers Renk mit Verlusten von 16 Prozent verglichen mit dem Jahresauftakt etwas weniger hart getroffen. Nichtsdestotrotz ist auch dieses Papier fest in der Hand der Bären, nachdem es in dieser Woche auch hier zu einem 52-Wochen-Tief gekommen ist. Gibt es für Anlegerinnen und Anleger trotzdem einen Grund zur Hoffnung auf Besserung?

50 Prozent futsch, dieses Verkaufssignal hat gesessen
Gegenüber dem Ausgabepreis von 15 Euro befindet sich die Renk-Aktie seit ihrem Börsengang in einem Aufwärtstrend. Dieser beschleunigte sich vor allem im vergangenen Jahr, wo zeitweise über die Möglichkeit dreistelliger Kurse diskutiert werden durfte. Nach einem ersten markanten Hoch im Juni hatten die Augsburger im Sommer mit Gewinnmitnahmen zu kämpfen, ehe im September ein weiteres Allzeithoch gelang.
Dieses war mit Blick auf die technischen Indikatoren allerdings nicht bestätigt. Sowohl im Relative-Stärke-Index (RSI) als auch im Trendstärkeindikator MACD war es zu bearishen Divergenzen gekommen, die schließlich eine Trendwende einleiteten. Bestätigt wurde diese im Dezember mit einem Death Cross der gleitenden Durchschnitte und einem weiteren Verkaufssignal.
Seit Mitte Dezember handelt Renk in einem Abwärtstrendkanal mit einer Breite von etwa 15 Euro. Zwischenzeitliche Anstiege über die 50-Tage-Linie - eigentlich prozyklische Kaufsignale - blieben folgenlos. Den Rückenwind für einen Angriff auf die 200-Tage-Linie fanden die Bullen aufgrund eines sich stetig verschlechternden MACDs gar nicht erst.
Noch keine Trendwende in Sicht, aber erste Entspannungssignale
Nach dem 52-Wochen-Tief am Mittwoch ist die Lage grundsätzlich unverändert schlecht. Es liegt ein mittelfristiger Abwärtstrend mit ausgeprägter technischer Schwäche vor. Mit Blick auf den Chart ist zwar ein Rebound der Aktie ausgehend von der Unterkante des Abwärtstrends zu vermuten, der unter der Nulllinie liegende und damit einen intakten Abwärtstrend der Aktie anzeigende MACD macht aber auch einen Ausbruch nach unten wahrscheinlich.
Trotzdem ist die Lage der Aktie nicht gänzlich aussichtslos, denn wenngleich die technischen Indikatoren große Schwäche anzeigen, liegt eine Bodenbildung im RSI und ein Aufwärtstrend im MACD vor. Damit bestehen bullishe Divergenzen, die wie die bearishen Divergenzen im vergangenen Jahr zu einer Trendwende führen könnten. Das weitere Abwärtspotenzial der Aktie dürfte außerdem begrenzt sein, da der RSI zuletzt bereits tief im überverkauften Bereich notiert hat.
Solange Renk daher nicht aus dem Abwärtstrendkanal nach unten ausbricht und dabei auch unter die Marke von 40 Euro fällt, dominieren zumindest kurzfristig die Chancen zur Oberseite. Aktuell wird das Aufwärtspotenzial aber durch die 50-Tage-Linie bei 52,81 Euro sowie der Trendoberkante begrenzt. Eine dauerhafte Trendwende ist ohnehin erst oberhalb der 200-Tage-Linie zu erwarten. Bis es so weit ist, dienen die im Chart eingezeichneten Widerstände für Traderinnen und Trader, die jetzt einen Long-Einstieg wagen wollen, als Take-Profit-Ziele.
Fazit: Mit etwas Geduld könnte hier bald was gehen
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung profitiert Renk von der anhaltenden Kursflaute. Durch die hohen Kursverluste in den vergangenen Monaten ist das KGVe 2026 auf 31,5 gesunken, wenngleich das im internationalen Vergleich noch immer deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt und Renk sonst ein finanziell unauffälliges Profil aufweist. Attraktiv beginnt die Aktie ab kommendem Jahr zu werden. Hierfür steht ein KGVe von 23,7 zu Buche, das ist konkurrenzfähig. Hierfür dürfen die Augsburger aber nicht in die Rheinmetall-Falle tappen und bei der Konversion ihrer vollen Auftragsbücher in Unternehmensumsätze patzen.
Noch handelt die Aktie in einem hartnäckigen Abwärtstrend, der sich auch weiterhin fortsetzen könnte. Insgesamt befürwortet die Signallage aber dessen Abschwächung und die Chance auf einen Rebound. Short braucht man bei Renk nicht mehr zu sein - long vielleicht auch noch nicht, aber die Anteile werden mit jedem Tag, den die Kursschwäche anhält, attraktiver. Und das nicht nur technisch, sondern auch fundamental.
Gastautor: Max Gross
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