
© Foto: Alexander Gresbek auf Pixabay
Vonovia ist Deutschlands größter Wohnungskonzern, und derzeit einer der meistdiskutierten Titel im DAX. Die Aktie verliert seit Wochen wieder an Boden, die großen gleitenden Durchschnitte (50er und 200er SMA) liegen über dem aktuellen Kurs, und das Zinsumfeld macht dem Immobilienriesen das Leben schwer. Gleichzeitig laufen die Mieteinnahmen ordentlich, Goldman Sachs und J.P. Morgan sehen Kurspotenzial, und am 21. Mai steht die Hauptversammlung an. Dort geht es um Dividende, Schuldenabbau und die Frage, ob das Management die Märkte endlich überzeugen kann. Die Spannung ist groß, denn charttechnisch hängt jetzt viel von der Zone um 20 Euro ab. Bricht sie, sieht es düster aus. Hält sie, könnte sich ein Doppel-Boden bilden. Wer Vonovia schon auf dem Radar hat, sollte jetzt genau hinschauen.
Solide Zahlen, schwache Stimmung
Vonovia lieferte (eigentlich) ordentliche Zahlen. Im ersten Quartal 2026 stieg die durchschnittliche Monatsmiete um 3,8 Prozent auf 8,46 Euro pro Quadratmeter. Die Vermietungsquote lag bei 97,7 Prozent. Das bereinigte EBITDA im Kerngeschäft wuchs um 6,3 Prozent auf knapp 630 Millionen Euro. Der Konzern hält seine Jahresziele fest und peilt ein bereinigtes EBITDA von rund 3 Milliarden Euro an. Für das Mietwachstum erwartet das Management 4,2 Prozent im Gesamtjahr. Soweit, so gut. Doch der bereinigte Gewinn der Aktionäre sank um 7,2 Prozent auf rund 366 Millionen Euro. Der operative freie Cashflow schwächelte ebenfalls. Der Grund ist bekannt, denn das Zinsumfeld frisst sich in die Ergebnisse. US-Staatsanleihen rentieren bei über 4 Prozent, die Inflationssorgen bleiben hartnäckig. Für einen Konzern mit hoher Schuldenlast ist das kein Randthema. Vonovia will die Verschuldungsquote bis Ende 2028 auf rund 40 Prozent drücken. Aktuell liegt sie bei 45,1 Prozent. Fortschritte sind zwar sichtbar, aber recht langsam.

Charttechnik
Eins ist beim Anblick des Charts klar: Der Abwärtstrend ist intakt. Vonovia notiert unter dem 50-Tage-Durchschnitt bei 23,08 Euro und weit unter dem 200er SMA bei 25,44 Euro. Beide gleitenden Durchschnitte liegen damit über dem aktuellen Kurs, das ist kein gutes Zeichen und definiert eine Aktie im Abwärtstrend. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 10 Prozent verloren, auf Jahressicht sogar über 20 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch Mitte letzten Jahres lag bei knapp über 30 Euro. Davon ist man ebenfalls weit entfernt. Jetzt kommt es auf die Zone um 20 bis 21 Euro an. Das Jahrestief liegt bei knapp über 20 Euro. Entweder bildet sich hier ein Doppelboden aus, was zumindest eine charttechnische Stabilisierung bedeuten würde, oder der Kurs bricht nach unten durch. Dann wird es ungemütlich, weil nennenswerte Unterstützungen danach fehlen. Nach oben braucht die Aktie zunächst einen klaren Sprung über 23 Euro. Erst dann öffnet sich der Weg in Richtung 25 Euro, im besseren Fall sogar 27 Euro. Bis dahin ist es aber zur Zeit noch ein weiter Weg und auch ungewiss, ob dieser eingeschlagen wird, geschweige denn wann.
Was tun?
Operativ stimmt die Richtung bei Vonovia: Die Mieten steigen, die Vermietung läuft, der Konzern hält an seinen Zielen fest. Fundamental bleibt der innere Wert der Aktie hoch, der NTA (Net Tangible Assets) liegt bei über 46 Euro je Aktie, der Kurs notiert weit darunter. Goldman Sachs hat das Kursziel auf 31,80 Euro angehoben, J.P. Morgan sieht ebenfalls starkes Potenzial. Auch die vorgeschlagene Dividende von 1,25 Euro je Aktie zeigt, dass das Management Stärke demonstrieren will mit einer hohen Dividendenrendite, aber trotzdem glaubt der Markt die Geschichte noch nicht. Die Charttechnik sendet Warnsignale, das Zinsumfeld bleibt belastend, und das jüngst veröffentlichte Ifo-Bauklima ist auf dem schlechtesten Stand seit Jahren. Wer mit Vonovia liebäugelt, kann abwarten, ob eine Stabilisierung um die 20 Euro erfolgt. Gibt das Management auf der nahenden HV konkrete Hinweise auf Fortschritte beim Schuldenabbau, könnte das ein erster Wendepunkt sein. Eins ist aber klar: Solange der Abwärtstrend intakt ist, bleibt das Risiko für einen Longtrade hoch.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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