
© Foto: Pixabay (Symbolbild)
Wer nur auf den Wochenchart zuletzt schaut, könnte etwas irritiert sein. Aktie schon deutlicher im Minus, obwohl Siemens Energy jüngst eines der stärksten Quartale seiner Geschichte abgeliefert hat. Der Gewinn nach Steuern kletterte um zwei Drittel. Der Auftragseingang pulverisierte fast alle Erwartungen. Und trotzdem verkauften Anleger. Was steckt dahinter? Ist das ein Warnsignal, oder eben doch genau die Einstiegsgelegenheit, auf die geduldige Investoren schon länger gewartet haben? Die Antwort auf diese Fragen ist nicht ganz so einfach. Sie liegt aber in den Zahlen, der Charttechnik und in einem Thema, das den Energiesektor auf Jahre hinaus antreiben wird: dem globalen Hunger nach Strom für Künstliche Intelligenz. Siemens Energy steckt ebenfalls in diesem Thema mittendrin, und profitiert wie kaum ein anderer Konzern in Deutschland. Wer jetzt nicht hinschaut, könnte vielleicht einen guten Einstiegszeitpunkt verpassen.
Starke Zahlen und volle Auftragsbücher
Der Konzern hat Quartalsergebnisse vorgelegt, die sich sehen lassen können. Der Gewinn nach Steuern stieg auf 835 Millionen Euro. Das ist ein Plus von über 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz stieg auf 10,3 Milliarden Euro. Das sind 0,3 Milliarden Euro mehr als im Vergleich. Der Auftragseingang legte von 14,4 auf 17,7 Milliarden Euro zu. Damit übertraf er den Analystenkonsens von 15,6 Milliarden Euro. Besonders stark dabei sind die Sparten Gas Services und Grid Technologies. Erstere verdankt ihr Wachstum maßgeblich dem boomenden Bau von KI-Rechenzentren in Nordamerika. Auch das Netzgeschäft läuft auf Hochtouren, ein milliardenschweres Ostsee-Projekt konnte zuletzt gesichert werden. Der operative Cashflow kletterte im zweiten Quartal um 42 Prozent auf knapp 2 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit rund 8 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand steht bei 154 Milliarden Euro! Auf dieser Basis hebt Siemens Energy seine Jahresprognose erneut an. Das Umsatzwachstum soll nun 14 bis 16 Prozent erreichen. Den Nettogewinn taxiert der Vorstand auf rund 4 Milliarden Euro. Auch das Aktienrückkaufprogramm wird beschleunigt: Statt bisher 2 Milliarden Euro sind nun bis zu 3 Milliarden Euro im laufenden Geschäftsjahr vorgesehen. Zusammen mit der Dividende fließen den Aktionären damit rund 3,6 Milliarden Euro zu.

Charttechnik
Der jüngste Kursrückgang sieht auf den ersten Blick beunruhigend aus. Doch wenn man die Entwicklung der vergangenen Monate kennt, relativiert sich das relativ schnell. Seit Anfang Januar hat die Aktie über 30 Prozent zugelegt, auf Jahressicht sind es sogar über 100 Prozent. Da sind Gewinnmitnahmen nach starken Quartalszahlen mitunter keine Überraschung, sondern eher ein klassischer "Sell the News"-Effekt. Viele Investoren haben gekauft, weil sie damit schon gerechnet haben. Diese verkaufen jetzt nach der Bestätigung. Der Aufwärtstrend ist nach wie vor intakt. Der RSI liegt aktuell bei rund 56 und hat damit wieder Luft nach oben, von einer Überhitzung beim RSI ist aktuell nach dem Rückgang somit keine Rede mehr. Der 50er SMA bei 163,28 Euro bietet eine gute Unterstützungszone für den Kurs. Ebenso verlaufen darunter auch die Linien, die den Aufwärtstrend markieren. Solange der Kurs darüber notiert, bleibt das Chartbild nach oben gerichtet. Starke Trends brechen selten einfach so und auch das Momentum hier ist trotz des jüngsten Rücksetzers nach wie vor stark. Jefferies hat das Kursziel inzwischen auf 215 Euro angehoben, J.P. Morgan sieht sogar 225 Euro als möglich an.
Was tun?
Wer bei Siemens Energy investiert ist, hat eher wenig Grund zur Sorge. Die Quartalszahlen sind stark, die Prognose wurde abermals angehoben, und der Auftragsbestand ist riesig und gibt eine gewisse Sicherheit für die nächsten Jahre. Charttechnisch hat der Rücksetzer den Überhitzungsdruck abgebaut, der RSI ist auf moderatem Niveau, die wichtige Unterstützung bei knapp über 163 Euro hält bisher. Der Aufwärtstrend bleibt intakt. Allerding ist das Papier in Bezug auf das erwartete KGV für 2026, das bei über 42 liegt, nicht mehr allzu günstig, sondern schon sportlich bewertet. Wer einsteigt, wettet auf weiteres Wachstum, und darauf, dass die Windkrafttochter Gamesa in die Gewinnzone tendiert. Gelingt das im vierten Quartal, wie Konzernchef Bruch erwartet, würde ein wichtiger Bewertungsabschlag wegfallen. Das wäre ein zusätzlicher Kurstreiber. Mutige und spekulative Anleger könnten den aktuellen Rücksetzer als Gelegenheit nutzen, mit Stopp irgendwo unterhalb der 163-Euro-Marke.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




