
© Foto: Marc Wieland auf Unsplash.
Mit +11 Prozent hat sich die Siemens-Aktie in diesem Jahr gut entwickelt. Charttechnisch braut sich jedoch ein Mix aus widersprüchlichen Signalen zusammen.
Trotz Berg- und Talfahrt: Siemens-Anleger dürfen zufrieden sein!
Mit dem Börsenjahr 2026 können die Anlegerinnen und Anleger von DAX-Schwergewicht Siemens angesichts zweistelliger Kursgewinne bislang zufrieden sein. Zwar korrigierte die Aktie im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg zwischenzeitlich stark, doch inzwischen haben sich am Markt wieder die positiven Aspekte durchgesetzt. Die Münchner stehen mit ihren Produkten und Dienstleistungen im Mittelpunkt von Megatrends wie Elektrifizierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz.
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung ist ein KGVe 2026 von 24,6 angesichts eines 10-Jahres-Mittels von 17,6 zwar weit fortgeschritten, aber noch nicht übertrieben. Vor allem, da Siemens über 2026 hinaus noch immer attraktiv bewertet ist. Für das Geschäftsjahr 2027 wird aktuell ein KGV von 21,7 und eine Dividendenrendite von 4,2 Prozent erwartet. Damit bietet das Papier ein starkes Gesamtpaket aus beschleunigter Geschäftsentwicklung, hohen Ausschüttungen und Werthaltigkeit.
Ungeachtet dessen liefert der Chart der Aktie gemischte Signale. Vordergründig ist der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre intakt, erst recht nach der Erholung der vergangenen Wochen. Doch es gibt auch Anzeichen für Gefahr. Was Anlegerinnen und Anleger jetzt beachten sollten.

Dank Megatrends langfristig starker Aufwärtstrend ...
Ein Plus von rund 21 Prozent gegenüber dem Stand vor einem Jahr und Zugewinne von 67 Prozent in den vergangenen 3 Jahren zeigen, dass die Siemens-Aktie auch gegenüber dem deutschen Leitindex DAX (+53 Prozent in 3 Jahren) gut in Fahrt ist. Dabei mussten sich Anlegerinnen und Anleger aber immer wieder auch auf hohe Schwankungen einstellen, wie das Oszillieren des Kurses um die 50-Tage-Linie in den vergangenen 12 Monaten demonstriert. Als sichere Bank hingegen diente die 200-Tage-Linie - zumindest bis zum Iran-Krieg, der die Aktie nach einem Blow-off-Top im Bereich bei 276,45 Euro in die Knie zwang.
Der Abwärtstrend im Februar und März führte zum Unterschreiten zahlreicher Unterstützungen, darunter neben den gleitenden Durchschnitten auch der Supportzone im 220 Euro. Dass die Siemens-Aktie die 200-Tage-Linie aufgeben musste, entwickelte sich Anfang April zu einem Problem, da es in den gleitenden Durchschnitten zu einem Death Cross und damit einem technischen Verkaufssignal gekommen war. Dieses konnte sich allerdings nicht durchsetzen, da zu diesen Zeitpunkt ausgehend von überverkauften Zuständen der Aktie ein steiler Erholungstrend vorlag.
... doch inzwischen widersprechen sich die Signale
Dieser hat zur Wiederherstellung der Ausgangslage vor dem Iran-Krieg geführt, wie das erneute Erreichen des vorigen Rekordhochs demonstriert. Allerdings blieben Anschlusskäufe und eine Ausbruchsrallye aus, sodass es zu einem Doppel-Top gekommen ist. Das ist nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, dass im Relative-Stärke-Index (RSI) bearishe Divergenzen vorlagen, sodass die Erholung technisch nur bedingt bestätigt war. Ausgehend von diesem Doppel-Top ist es zu einem kurzfristigen Abwärtstrend und einem Crossing im Trendstärkeindikator MACD gekommen.
Damit liegen charttechnisch widersprüchliche Signale vor. Einerseits ist der langfristige Aufwärtstrend intakt, das jüngste Allzeithoch bedeutet außerdem ein starkes technisches Kaufsignal, das durch eine grundsätzlich starke technische Indikation unterstützt wird. Andererseits liegen im RSI bearishe Divergenzen vor, während der unter seine Signallinie gefallene MACD einen an Schwung verlierenden Aufwärtstrend anzeigt. Das genügt nach starken Anstiegsphasen häufig bereits für eine Gegenbewegung.
Verkompliziert wird die Lage dadurch, dass sich in den Durchschnittslinien ein baldiges Golden Cross und damit ein potenzielles Kaufsignal abzeichnet, während der Kursverlauf eine Flaggenformation erkennen lässt, die sich entweder als Trendfortsetzungssignal entpuppen oder aber eine Gegenbewegung zur Unterseite einleiten könnten. Damit ist die Ausgangslage bei der Siemens-Aktie mittelfristig völlig offen.
Fazit: Manchmal ist das härteste, nichts zu tun und abzuwarten
Für bereits investierte Anlegerinnen und Anleger heißt das, den nächsten Impuls geduldig abzuwarten. Setzt sich trotz jüngster Verschlechterungen der technischen Indikatoren das Golden Cross als Kaufsignal durch, dürfte ein Ausbruch aus dem kurzfristigen Abwärtstrend und damit aus der Flaggenformation ergeben, der in neue Allzeithochs münden dürfte. In diesem Fall sollten weitere Kursgewinne unbedingt mitgenommen werden.
Sollte die Aktie dem Doppel-Top, den bearishen Divergenzen und dem MACD-Crossing Tribut zollen müssen, sollten Verkäufe und Gewinnmitnahmen erwogen werden, wenn die Aktie bei rund 255 Euro aus ihrem kurzfristigen Abwärtstrendkanal nach unten ausbrechen sollte. Die nächste Einstiegsgelegenheit dürfte sich dann entweder im Bereich der gleitenden Durchschnitte oder der bei 220 Euro verlaufenden Unterstützungszone ergeben. Hier wäre das Papier auch aus fundamentaler Perspektive deutlich interessanter als gegenwärtig.
Gastautor: Max Gross
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