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NEW YORK (dpa-AFX) - Quartalszahlen und Ausblick von Nvidia reichen am Donnerstag nicht für neue Kursrekorde des wertvollsten Konzerns der Welt. Im US-Handelsverlauf geriet die Aktie nach einem unentschlossen Start unter Druck und verlor zuletzt knapp zwei Prozent auf gut 219 US-Dollar. Der Rally seit Ende März, die die Papiere des KI-Chipkonzerns bis Mitte Mai zu einem Rekordhoch von über 236 Dollar getragen hatten, geht damit vorerst die Luft aus.
Die Autoren des täglich erscheinenden Bernecker-Börsenbriefs werten die Kursreaktion nicht als Zeichen einer Enttäuschung im operativen Geschäft, sondern eher als "sell the news" nach der jüngsten Rally. Sie verwiesen mit Blick auf die Geschäftszahlen auf die auffällige Stärke im Networking, das zunehmend zum zweiten Wachstumsmotor neben den Grafikprozessoren (GPU) werde. Positiv sei auch die neue Segmentierung. So wachse neben Hyperscalern der Bereich ACIE (KI Clouds, Industrie und Enterprise) besonders dynamisch.
Nvidia hatte die Geschäftszahlen am Vortag nach dem New Yorker Börsenschluss präsentiert. Wie so oft waren die Erwartungen gerade hinsichtlich der weiteren Geschäftsentwicklung enorm hoch. Analysten werteten die Zahlen vornehmlich positiv. Doch hier und da wurden auch Sorgen ob der Nachhaltigkeit des Wachstums laut, vornehmlich, weil der Konzern zunehmend Konkurrenz bekommt.
Nvidia erwartet für das laufende Quartal nunmehr einen Umsatz von 91 Milliarden Dollar. Dies liegt etwas über der durchschnittlichen Erwartung von Analysten, die prognostizierte bereinigte Bruttomarge traf aber im Großen und Ganzen nur die Annahmen am Markt. In den vergangenen Jahren hatte der KI-Primus Marktteilnehmer daran gewöhnt, dass er alle Prognosen von Analysten stark übertrifft.
Es gehe von jetzt an nicht um die Frage, ob die Nachfrage derzeit stark sei, sondern wie lange das Wachstumstempo die Erwartungen noch übertreffen könne, kommentierte Analyst Matt Britzman vom Vermögensverwalter Hargreaves Lansdown. Er glaubt, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur, die Investitionspläne der Kunden und die Cash-Generierung dafür sprechen, dass die Ertragskraft länger auf einem höheren Niveau bleiben werde, auch wenn Nvidia vielleicht nicht die Anerkennung bekomme, die mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis verdient wäre.
Die Wachstumstreiber des KI-Konzerns blieben beeindruckend, einige Anleger dürften allerdings Vorsicht walten lassen, schrieb Analyst Tom O'Malley von der britischen Investmentbank Barclays in seiner Reaktion auf den Quartalsbericht. Er registriert eine abwartende Haltung vor der Einführung des Grafikprozessors Rubin, der laut dem Unternehmen die Leistung von Blackwell noch einmal verdoppeln wird. Rubin wird wohl Ende des Jahres verfügbar sein.
Nvidia ist mit seinen Produkten für Rechenzentren ein zentraler Motor des KI-Booms und profitiert davon am meisten. Der Börsenwert des Unternehmens ist auf Basis des Schlusskurses vom Mittwoch in den vergangenen fünf Jahren um mehr als das 15-Fache auf 5,6 Billionen Dollar gestiegen. Damit ist Nvidia derzeit das wertvollste Unternehmen der Welt, gefolgt von der Google-Mutter Alphabet mit 4,7 Billionen Dollar.
Im bisherigen Jahresverlauf hat sich die Nvidia-Aktie mit einem Plus von rund einem Fünftel aber vergleichsweise schwergetan. Im Nasdaq 100 kommt sie mit dieser Kursentwicklung an die besten in dem Technologieauswahlindex nicht ran. Oben im Index steht aktuell mit einem Plus von 222 Prozent seit Jahresbeginn die Aktie des Chipkonzerns Intel, an dem Nvidia mit 4 Prozent beteiligt ist. Seagate Technology folgt mit einem Gewinn von rund 173 Prozent. Auf Platz drei steht Western Digital mit rund 167 Prozent Kurszuwachs./ajx/ag/men/he




