Frankfurt (ots) -
- Initiative Diplomatic Council Quantum Leap (DCQL) hat Finanzinstitute weltweit geprüft
- Vorstellung des Anwendungsfalls von JP Morgan Chase am 9. Juni in Frankfurt am Main
JP Morgan Chase gehört weltweit zu den Vorreitern bei der Absicherung seiner technischen Infrastruktur gegen Cyberangriffe mit Quantencomputern. Zu dieser Einschätzung gelangt die Initiative Diplomatic Council Quantum Leap (DCQL) in einem internen Report über den Einsatz von Quantentechnologie in der Finanzwelt. Auf einer Veranstaltung speziell für die Finanzbranche in Frankfurt am Main am 9. Juni wird die Initiative unter anderem das Vorgehen von JP Morgan Chase in Sachen Quantentechnologie erläutern. Zielgruppe sind die CIOs von Finanzinstituten und von Rechenzentren, die Daten für Finanzdienstleister verarbeiten.
JP Morgan Chase ist die größte Bank der USA und zählt weltweit zu den führenden Finanzinstituten in den Bereichen Investmentbanking, Vermögensverwaltung, Zahlungsverkehr und Firmenkundengeschäft. Bei DCQL handelt es sich um eine Initiative des Think Tank Diplomatic Council, der den Vereinten Nationen nahesteht (UN Consultative Status). Ziel ist es, die Fortschritte der Quantentechnologie für die kommerzielle Nutzung verfügbar zu machen.
"Die Absicherung verschlüsselter Datenbestände und Übertragungswege vor der Entschlüsselung durch Quantencomputer" zählt laut Harald A. Summa, Chairman der Initiative DCQL, zu den dringendsten Aufgaben. Der Hintergrund: In der Finanzwelt wächst die Sorge vor dem sogenannten "Q-Day" - dem Zeitpunkt, an dem Quantencomputer leistungsfähig genug werden, die heute gängigen Verschlüsselungsverfahren zu knacken und damit die Sicherheitsmechanismen des globalen Finanzsystems zu gefährden.
Harald A. Summa gilt als Mann mit Weitsicht: Er hatte den kommerziellen Siegeszug des Internet vorhergesagt, als noch kaum jemand außerhalb der Technikwelt den Begriff überhaupt kannte. Der von ihm gegründete eco (das Kürzel stand damals für "Electronic Commerce") hat sich zwischenzeitlich zum größten Internetverband Europas entwickelt. Für die Quantentechnologie sieht Summa eine ähnlich rosige Zukunft voraus und will die Entwicklung mit DCQL ähnlich wie einst mit eco aus der technischen Ecke heraus in die kommerzielle Welt führen.
Jürgen Fiedler, Mitglied des Vorstands und Chief Risk Officer der FNZ Bank sowie langjähriger Chief Risk Officer bei der Deutschen Bank mit mehr als 25 Jahren internationaler Erfahrung im Risikomanagement und regulatorischen Umfeld, der sich bei Diplomatic Council Quantum Leap engagiert, erklärt: "Die Auswirkungen neu aufkommender Technologien spielen eine immer größere Bedeutung bei der Risikobewertung von Finanzinstituten. Während die meisten in der Finanzbranche noch intensiv mit den Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz befasst sind, zeichnet sich mit der Quantentechnologie bereits eine neue Herausforderung ab."
DCQL: JP Morgan Chase mit beispielhafter Quantenstrategie
JP Morgan Chase gehört laut DCQL zu den ersten Finanzinstituten weltweit, die eigene Forschungsteams für Quantencomputing aufgebaut haben. Die Bank verfolgt eine "Dual Remediation Strategy" gegen zukünftige Quantenangriffe. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus Post-Quantum-Kryptographie (PQC) und Quantum Key Distribution (QKD). Florian Fröwis, Director Quantum Security bei DCQL, erläutert: "Post-Quantum-Kryptographie alleine schafft langfristig keine ausreichende Sicherheit, weil es sich dabei letztlich nur um mathematische Algorithmen handelt, die künftig angreifbar werden könnten. Es bedarf einer zusätzlichen Quantum Key Distribution als physikalisch abgesicherter Sicherheitslösung."
Bei Post-Quantum-Kryptographie handelt es sich um reine Softwareverfahren, die - so die Befürchtung - künftig durch andere Software ausgehebelt werden könnten, ohne dass derartige Angriffe überhaupt auffielen. So wäre es möglich, dass sich Cyberkriminelle unbemerkt und potenziell sogar dauerhaft in die interne Bankkommunikation einschalteten. Bei Quantum Key Distribution wird hingegen jeder Abhör- oder Angriffsversuch sofort offensichtlich, weil hierbei über Glasfaser extrem schwache Lichtsignale - einzelne Photonen - übertragen werden, die den geheimen Schlüssel transportieren. Wird diese Verbindung abgehört, verändert sich der Zustand der Photonen sofort physikalisch, wodurch der Angriff offenbar würde.
Verbindungen zwischen Bankzentralen und Rechenzentren sind kritisch
Als besonders kritische Infrastrukturen stufen die DCQL-Experten die Verbindungen zwischen Bankzentralen und den verteilten Rechenzentren der Finanzinstitute ein. JP Morgan Chase implementierte bereit 2024 ein "Quantum-secured Crypto-Agile Network" (Q-CAN), das zwei Rechenzentren über Glasfaser verbindet. Dabei wird QKD genutzt, um mehrere Hochgeschwindigkeitsnetze (Virtual Private Networks) über eine einzige 100-Gbit/s-Verbindung abzusichern. "Vorbildlich", lobt Harald A. Summa dieses Vorgehen.
Die von JP Morgan Chase damit erreichte sogenannte Quantenagilität gewährleistet, dass die Bank ihre Verschlüsselungsverfahren flexibel an neue Bedrohungen durch Quantencomputer anpassen kann, ohne ihre gesamte IT-Infrastruktur austauschen zu müssen. JP Morgan Chase stuft QKD als "derzeit einzige mathematisch nachweisbar sichere Methode gegen zukünftige Quantenangriffe auf Verschlüsselungssysteme" ein. DCQL-Sicherheitsdirektor Florian Fröwis erklärt: "Bei der Quantum Key Distribution werden kryptografische Schlüssel mithilfe von Lichtphotonen übertragen, sodass jeder Abhörversuch sofort sichtbar wird, weil das Beobachten den Quantenzustand physikalisch verändert."
Lori Beer, Global CIE JP Morgan Chase
Lori Beer, Global CIO von JP Morgan Chase, erklärt: "Wir investieren in Quantensicherheit, um sicherzustellen, dass wir auf die fortschreitende Entwicklung von Quantentechnologien vorbereitet sind." Die Chief Information Officer wurde unter anderem für ihre Weitsicht in die CIO 100 Hall of Fame aufgenommen und in die Forbes CIO Next List gewählt. Zudem zählt sie laut Barron's zu den einflussreichsten Frauen der US-Finanzwelt, laut American Banker zu den mächtigsten Frauen im Bankensektor sowie laut FinTech Magazine zu den drei führenden Frauen im FinTech-Bereich.
JP Morgan Chase sieht Quantencomputing nicht nur als Sicherheitsfrage, sondern auch als künftige Schlüsseltechnologie für Risikomodellierung, Portfoliooptimierung, maschinelles Lernen und Kryptographie. Marco Pistoia, langjähriger Leiter der Quantum-Forschung bei JP Morgan Chase, der heute bei IonQ engagiert ist, erklärt dazu: "Quantencomputer werden künftig Probleme effizienter und präziser lösen können als jeder klassische Supercomputer." IonQ ist die Muttergesellschaft des europäischen Quantenpioniers ID Quantique, der die bei JP Morgan Chase verwendete Technologie am 9. Juni im Rahmen einer DCQL-Veranstaltung in Frankfurt am Main vorstellen wird.
Quantentechnologie ist im Übergang zu realen Anwendungen
JP Morgan Chase beschreibt die aktuelle Phase als Übergang von experimenteller Forschung hin zu realen kommerziellen Anwendungen von Quantentechnologien in Finanz- und Sicherheitsinfrastrukturen. Die Bank teilt hierzu mit:*
Quantencomputing könnte sich als revolutionär erweisen. Eine neue Generation extrem schneller Rechner, die sich die Zufälligkeit und Unsicherheit der Quantenphysik zunutze macht, hat das Potenzial, die Finanzwelt grundlegend zu verändern und bestehende Verschlüsselungsverfahren auszuhebeln. Gleichzeitig befinden wir uns derzeit selbst in einer Phase der Unsicherheit rund um die Quantentechnologie.
Wie viele neue Technologien bietet auch Quantencomputing sowohl enorme Chancen als auch erhebliche Risiken. Vor allem Letztere verlangen schon heute Aufmerksamkeit. Datensicherheit ist für alle Unternehmen essenziell, die Zahlungsdaten verarbeiten - von der Kommunikation bis zur Speicherung von Transaktionen. Quantencomputer könnten jedoch die heute eingesetzten Verschlüsselungsmethoden brechen....
Klassische Computer arbeiten mit Millionen sogenannter Bits - winzigen Schaltern, die entweder den Zustand 0 oder 1 annehmen. Quantencomputer hingegen basieren auf sogenannten Qubits. Diese nutzen eine Besonderheit der Quantenphysik: Sie können gleichzeitig 0, 1 oder einen Zwischenzustand annehmen, der als "Superposition" bezeichnet wird.
Dadurch können Quantencomputer mit vergleichsweise wenigen Qubits riesige Informationsmengen verarbeiten und Probleme lösen, für die die leistungsfähigsten klassischen Supercomputer tausende Jahre benötigen würden.
Bis die heutige Hardware dieses Niveau tatsächlich erreicht, könnten allerdings noch Jahrzehnte vergehen. Dennoch dürfen die Risiken nicht ignoriert werden. Sicherheitsexperten warnen bereits vor sogenannten "Harvest now, decrypt later"-Angriffen. Dabei werden verschlüsselte Daten schon heute gesammelt, um sie später mit leistungsfähigen Quantencomputern entschlüsseln zu können.
Diese Bedrohung ist seit Mitte der 1990er Jahre bekannt, als der Mathematiker Peter Shor den später nach ihm benannten Shor-Algorithmus entwickelte. Dieser Algorithmus könnte auf zukünftigen Quantencomputern große Zahlen sehr schnell faktorisieren und damit die RSA-Verschlüsselung brechen - eine der wichtigsten Grundlagen heutiger Cybersicherheit.
Als Reaktion darauf treibt das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology (NIST) die Entwicklung sogenannter Post-Quantum-Kryptographie voran. Dabei handelt es sich um neue Verschlüsselungsverfahren, die auch Angriffen durch künftige Quantencomputer standhalten sollen. Das NIST hat hierzu bereits erste Standards veröffentlicht und damit die Aufmerksamkeit auf quantensichere Kryptographie deutlich erhöht.
Datensicherheit bleibt von zentraler Bedeutung - gleichzeitig besitzt Quantencomputing das Potenzial, heutige Verschlüsselungstechnologien grundlegend infrage zu stellen.
Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich mit diesen neuen Verfahren auseinanderzusetzen. Nur so können Daten nicht nur heute, sondern auch in Zukunft geschützt werden. Wie dringend der Handlungsbedarf ist, hängt stark von der jeweiligen Branche ab - insbesondere davon, wie sensibel die gespeicherten Daten sind und wie relevant sie langfristig bleiben. Unternehmen, die Zahlungsdaten verarbeiten, können sich dabei kaum entspannt zurücklehnen.
Es wird noch einige Jahre dauern, bis das NIST seine Standardisierungsarbeit abgeschlossen hat und neue quantensichere Algorithmen breit ausgerollt werden können. Bis dahin stehen Unternehmen vor strategischen Entscheidungen. Große Konzerne holen bereits Quantenspezialisten ins Haus, um frühzeitig neue Sicherheitsstrategien zu entwickeln - so wie JPMorgan Chase & Co. mit dem renommierten Quantenforscher Marco Pistoia.
Für kleinere Unternehmen kann sogenannte "Krypto-Agilität" ausreichen. Dabei geht es darum, Systeme und Partnerschaften so flexibel aufzubauen, dass neue quantensichere Verfahren später ohne grundlegenden Umbau integriert werden können.
Der gleiche Ansatz gilt nicht nur für Risiken, sondern auch für die Chancen der Quantentechnologie. Quantencomputer könnten die Zahlungsindustrie grundlegend verändern: Quantensichere Verschlüsselung und Authentifizierung könnten Zahlungen noch sicherer machen. Gleichzeitig könnten die enormen Rechenleistungen zukünftige KI-Modelle und Optimierungsalgorithmen antreiben, die den heutigen Systemen weit überlegen sind.
Das hätte Auswirkungen auf zahlreiche Bereiche - von Betrugserkennung und Verhaltensanalysen über Kundenservice bis hin zum Treasury Management. Der Einstieg in diese neue Welt könnte dabei einfacher sein als gedacht: Die großen Technologieanbieter werden die Quantencomputer entwickeln und ihre Rechenleistung anschließend über die Cloud bereitstellen - ähnlich wie heute bei Supercomputern. ...
Bei aller Unsicherheit gibt es im Bereich Quantentechnologie nur eine Gewissheit: Ganz gleich, wie sich die Entwicklung letztlich entfaltet - sie steht erst am Anfang.
* https://ots.de/Dl9YNw
Anmeldung zur Veranstaltung "Quantensicherheit für Finanzinstitute" am 9. Juni in Frankfurt: www.diplomatic-council.org/quantumfrankfurt
Pressekontakt:
Weitere Informationen: www.diplomatic-council.org/quantumfrankfurt
Presseagentur: euromarcom public relations, E-Mail: team@euromarcom.de
Original-Content von: Diplomatic Council - Diplomatischer Rat, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/83471/6281632
- Initiative Diplomatic Council Quantum Leap (DCQL) hat Finanzinstitute weltweit geprüft
- Vorstellung des Anwendungsfalls von JP Morgan Chase am 9. Juni in Frankfurt am Main
JP Morgan Chase gehört weltweit zu den Vorreitern bei der Absicherung seiner technischen Infrastruktur gegen Cyberangriffe mit Quantencomputern. Zu dieser Einschätzung gelangt die Initiative Diplomatic Council Quantum Leap (DCQL) in einem internen Report über den Einsatz von Quantentechnologie in der Finanzwelt. Auf einer Veranstaltung speziell für die Finanzbranche in Frankfurt am Main am 9. Juni wird die Initiative unter anderem das Vorgehen von JP Morgan Chase in Sachen Quantentechnologie erläutern. Zielgruppe sind die CIOs von Finanzinstituten und von Rechenzentren, die Daten für Finanzdienstleister verarbeiten.
JP Morgan Chase ist die größte Bank der USA und zählt weltweit zu den führenden Finanzinstituten in den Bereichen Investmentbanking, Vermögensverwaltung, Zahlungsverkehr und Firmenkundengeschäft. Bei DCQL handelt es sich um eine Initiative des Think Tank Diplomatic Council, der den Vereinten Nationen nahesteht (UN Consultative Status). Ziel ist es, die Fortschritte der Quantentechnologie für die kommerzielle Nutzung verfügbar zu machen.
"Die Absicherung verschlüsselter Datenbestände und Übertragungswege vor der Entschlüsselung durch Quantencomputer" zählt laut Harald A. Summa, Chairman der Initiative DCQL, zu den dringendsten Aufgaben. Der Hintergrund: In der Finanzwelt wächst die Sorge vor dem sogenannten "Q-Day" - dem Zeitpunkt, an dem Quantencomputer leistungsfähig genug werden, die heute gängigen Verschlüsselungsverfahren zu knacken und damit die Sicherheitsmechanismen des globalen Finanzsystems zu gefährden.
Harald A. Summa gilt als Mann mit Weitsicht: Er hatte den kommerziellen Siegeszug des Internet vorhergesagt, als noch kaum jemand außerhalb der Technikwelt den Begriff überhaupt kannte. Der von ihm gegründete eco (das Kürzel stand damals für "Electronic Commerce") hat sich zwischenzeitlich zum größten Internetverband Europas entwickelt. Für die Quantentechnologie sieht Summa eine ähnlich rosige Zukunft voraus und will die Entwicklung mit DCQL ähnlich wie einst mit eco aus der technischen Ecke heraus in die kommerzielle Welt führen.
Jürgen Fiedler, Mitglied des Vorstands und Chief Risk Officer der FNZ Bank sowie langjähriger Chief Risk Officer bei der Deutschen Bank mit mehr als 25 Jahren internationaler Erfahrung im Risikomanagement und regulatorischen Umfeld, der sich bei Diplomatic Council Quantum Leap engagiert, erklärt: "Die Auswirkungen neu aufkommender Technologien spielen eine immer größere Bedeutung bei der Risikobewertung von Finanzinstituten. Während die meisten in der Finanzbranche noch intensiv mit den Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz befasst sind, zeichnet sich mit der Quantentechnologie bereits eine neue Herausforderung ab."
DCQL: JP Morgan Chase mit beispielhafter Quantenstrategie
JP Morgan Chase gehört laut DCQL zu den ersten Finanzinstituten weltweit, die eigene Forschungsteams für Quantencomputing aufgebaut haben. Die Bank verfolgt eine "Dual Remediation Strategy" gegen zukünftige Quantenangriffe. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus Post-Quantum-Kryptographie (PQC) und Quantum Key Distribution (QKD). Florian Fröwis, Director Quantum Security bei DCQL, erläutert: "Post-Quantum-Kryptographie alleine schafft langfristig keine ausreichende Sicherheit, weil es sich dabei letztlich nur um mathematische Algorithmen handelt, die künftig angreifbar werden könnten. Es bedarf einer zusätzlichen Quantum Key Distribution als physikalisch abgesicherter Sicherheitslösung."
Bei Post-Quantum-Kryptographie handelt es sich um reine Softwareverfahren, die - so die Befürchtung - künftig durch andere Software ausgehebelt werden könnten, ohne dass derartige Angriffe überhaupt auffielen. So wäre es möglich, dass sich Cyberkriminelle unbemerkt und potenziell sogar dauerhaft in die interne Bankkommunikation einschalteten. Bei Quantum Key Distribution wird hingegen jeder Abhör- oder Angriffsversuch sofort offensichtlich, weil hierbei über Glasfaser extrem schwache Lichtsignale - einzelne Photonen - übertragen werden, die den geheimen Schlüssel transportieren. Wird diese Verbindung abgehört, verändert sich der Zustand der Photonen sofort physikalisch, wodurch der Angriff offenbar würde.
Verbindungen zwischen Bankzentralen und Rechenzentren sind kritisch
Als besonders kritische Infrastrukturen stufen die DCQL-Experten die Verbindungen zwischen Bankzentralen und den verteilten Rechenzentren der Finanzinstitute ein. JP Morgan Chase implementierte bereit 2024 ein "Quantum-secured Crypto-Agile Network" (Q-CAN), das zwei Rechenzentren über Glasfaser verbindet. Dabei wird QKD genutzt, um mehrere Hochgeschwindigkeitsnetze (Virtual Private Networks) über eine einzige 100-Gbit/s-Verbindung abzusichern. "Vorbildlich", lobt Harald A. Summa dieses Vorgehen.
Die von JP Morgan Chase damit erreichte sogenannte Quantenagilität gewährleistet, dass die Bank ihre Verschlüsselungsverfahren flexibel an neue Bedrohungen durch Quantencomputer anpassen kann, ohne ihre gesamte IT-Infrastruktur austauschen zu müssen. JP Morgan Chase stuft QKD als "derzeit einzige mathematisch nachweisbar sichere Methode gegen zukünftige Quantenangriffe auf Verschlüsselungssysteme" ein. DCQL-Sicherheitsdirektor Florian Fröwis erklärt: "Bei der Quantum Key Distribution werden kryptografische Schlüssel mithilfe von Lichtphotonen übertragen, sodass jeder Abhörversuch sofort sichtbar wird, weil das Beobachten den Quantenzustand physikalisch verändert."
Lori Beer, Global CIE JP Morgan Chase
Lori Beer, Global CIO von JP Morgan Chase, erklärt: "Wir investieren in Quantensicherheit, um sicherzustellen, dass wir auf die fortschreitende Entwicklung von Quantentechnologien vorbereitet sind." Die Chief Information Officer wurde unter anderem für ihre Weitsicht in die CIO 100 Hall of Fame aufgenommen und in die Forbes CIO Next List gewählt. Zudem zählt sie laut Barron's zu den einflussreichsten Frauen der US-Finanzwelt, laut American Banker zu den mächtigsten Frauen im Bankensektor sowie laut FinTech Magazine zu den drei führenden Frauen im FinTech-Bereich.
JP Morgan Chase sieht Quantencomputing nicht nur als Sicherheitsfrage, sondern auch als künftige Schlüsseltechnologie für Risikomodellierung, Portfoliooptimierung, maschinelles Lernen und Kryptographie. Marco Pistoia, langjähriger Leiter der Quantum-Forschung bei JP Morgan Chase, der heute bei IonQ engagiert ist, erklärt dazu: "Quantencomputer werden künftig Probleme effizienter und präziser lösen können als jeder klassische Supercomputer." IonQ ist die Muttergesellschaft des europäischen Quantenpioniers ID Quantique, der die bei JP Morgan Chase verwendete Technologie am 9. Juni im Rahmen einer DCQL-Veranstaltung in Frankfurt am Main vorstellen wird.
Quantentechnologie ist im Übergang zu realen Anwendungen
JP Morgan Chase beschreibt die aktuelle Phase als Übergang von experimenteller Forschung hin zu realen kommerziellen Anwendungen von Quantentechnologien in Finanz- und Sicherheitsinfrastrukturen. Die Bank teilt hierzu mit:*
Quantencomputing könnte sich als revolutionär erweisen. Eine neue Generation extrem schneller Rechner, die sich die Zufälligkeit und Unsicherheit der Quantenphysik zunutze macht, hat das Potenzial, die Finanzwelt grundlegend zu verändern und bestehende Verschlüsselungsverfahren auszuhebeln. Gleichzeitig befinden wir uns derzeit selbst in einer Phase der Unsicherheit rund um die Quantentechnologie.
Wie viele neue Technologien bietet auch Quantencomputing sowohl enorme Chancen als auch erhebliche Risiken. Vor allem Letztere verlangen schon heute Aufmerksamkeit. Datensicherheit ist für alle Unternehmen essenziell, die Zahlungsdaten verarbeiten - von der Kommunikation bis zur Speicherung von Transaktionen. Quantencomputer könnten jedoch die heute eingesetzten Verschlüsselungsmethoden brechen....
Klassische Computer arbeiten mit Millionen sogenannter Bits - winzigen Schaltern, die entweder den Zustand 0 oder 1 annehmen. Quantencomputer hingegen basieren auf sogenannten Qubits. Diese nutzen eine Besonderheit der Quantenphysik: Sie können gleichzeitig 0, 1 oder einen Zwischenzustand annehmen, der als "Superposition" bezeichnet wird.
Dadurch können Quantencomputer mit vergleichsweise wenigen Qubits riesige Informationsmengen verarbeiten und Probleme lösen, für die die leistungsfähigsten klassischen Supercomputer tausende Jahre benötigen würden.
Bis die heutige Hardware dieses Niveau tatsächlich erreicht, könnten allerdings noch Jahrzehnte vergehen. Dennoch dürfen die Risiken nicht ignoriert werden. Sicherheitsexperten warnen bereits vor sogenannten "Harvest now, decrypt later"-Angriffen. Dabei werden verschlüsselte Daten schon heute gesammelt, um sie später mit leistungsfähigen Quantencomputern entschlüsseln zu können.
Diese Bedrohung ist seit Mitte der 1990er Jahre bekannt, als der Mathematiker Peter Shor den später nach ihm benannten Shor-Algorithmus entwickelte. Dieser Algorithmus könnte auf zukünftigen Quantencomputern große Zahlen sehr schnell faktorisieren und damit die RSA-Verschlüsselung brechen - eine der wichtigsten Grundlagen heutiger Cybersicherheit.
Als Reaktion darauf treibt das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology (NIST) die Entwicklung sogenannter Post-Quantum-Kryptographie voran. Dabei handelt es sich um neue Verschlüsselungsverfahren, die auch Angriffen durch künftige Quantencomputer standhalten sollen. Das NIST hat hierzu bereits erste Standards veröffentlicht und damit die Aufmerksamkeit auf quantensichere Kryptographie deutlich erhöht.
Datensicherheit bleibt von zentraler Bedeutung - gleichzeitig besitzt Quantencomputing das Potenzial, heutige Verschlüsselungstechnologien grundlegend infrage zu stellen.
Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich mit diesen neuen Verfahren auseinanderzusetzen. Nur so können Daten nicht nur heute, sondern auch in Zukunft geschützt werden. Wie dringend der Handlungsbedarf ist, hängt stark von der jeweiligen Branche ab - insbesondere davon, wie sensibel die gespeicherten Daten sind und wie relevant sie langfristig bleiben. Unternehmen, die Zahlungsdaten verarbeiten, können sich dabei kaum entspannt zurücklehnen.
Es wird noch einige Jahre dauern, bis das NIST seine Standardisierungsarbeit abgeschlossen hat und neue quantensichere Algorithmen breit ausgerollt werden können. Bis dahin stehen Unternehmen vor strategischen Entscheidungen. Große Konzerne holen bereits Quantenspezialisten ins Haus, um frühzeitig neue Sicherheitsstrategien zu entwickeln - so wie JPMorgan Chase & Co. mit dem renommierten Quantenforscher Marco Pistoia.
Für kleinere Unternehmen kann sogenannte "Krypto-Agilität" ausreichen. Dabei geht es darum, Systeme und Partnerschaften so flexibel aufzubauen, dass neue quantensichere Verfahren später ohne grundlegenden Umbau integriert werden können.
Der gleiche Ansatz gilt nicht nur für Risiken, sondern auch für die Chancen der Quantentechnologie. Quantencomputer könnten die Zahlungsindustrie grundlegend verändern: Quantensichere Verschlüsselung und Authentifizierung könnten Zahlungen noch sicherer machen. Gleichzeitig könnten die enormen Rechenleistungen zukünftige KI-Modelle und Optimierungsalgorithmen antreiben, die den heutigen Systemen weit überlegen sind.
Das hätte Auswirkungen auf zahlreiche Bereiche - von Betrugserkennung und Verhaltensanalysen über Kundenservice bis hin zum Treasury Management. Der Einstieg in diese neue Welt könnte dabei einfacher sein als gedacht: Die großen Technologieanbieter werden die Quantencomputer entwickeln und ihre Rechenleistung anschließend über die Cloud bereitstellen - ähnlich wie heute bei Supercomputern. ...
Bei aller Unsicherheit gibt es im Bereich Quantentechnologie nur eine Gewissheit: Ganz gleich, wie sich die Entwicklung letztlich entfaltet - sie steht erst am Anfang.
* https://ots.de/Dl9YNw
Anmeldung zur Veranstaltung "Quantensicherheit für Finanzinstitute" am 9. Juni in Frankfurt: www.diplomatic-council.org/quantumfrankfurt
Pressekontakt:
Weitere Informationen: www.diplomatic-council.org/quantumfrankfurt
Presseagentur: euromarcom public relations, E-Mail: team@euromarcom.de
Original-Content von: Diplomatic Council - Diplomatischer Rat, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/83471/6281632
© 2026 news aktuell




