HERZOGENAURACH (dpa-AFX) - Der fränkische Zulieferer Schaeffler steigt auf seinem Weg, sich unabhängiger von der Autoindustrie zu machen, in die Raumfahrttechnologie ein. Für das börsennotierte US-Unternehmen Spire Global will Schaeffler hochkomplexe Schwungräder, sogenannte Reaction Wheels, für Satelliten bauen. Die Teile sind notwendig, um Satelliten in der Umlaufbahn auf Kurs und in der richtigen Position zu halten. Spire eröffnete 2025 in München eine Fertigungsstätte. Am Finanzmarkt löste das Vorhaben bei den Anlegern Freude aus.
Die im MDax notierte Schaeffler-Aktie zog am Nachmittag um 13 Prozent auf 11,32 Euro an. In der Spitze lag das Plus gar bei um die 16 Prozent. Der Kurs ist damit auf dem Weg, seine Delle der vergangenen Monate wettzumachen, und nahm wieder sein Mehrjahreshoch von 11,98 Euro aus dem Januar ins Visier. Seit Tagen facht die Fantasie um Weltraumaktien vor dem bevorstehenden Mega-Börsengang des US-Raumkonzerns SpaceX von Elons Musk die Euphorie von Investoren an. Vorher hatten schon die Aussichten auf gute Geschäfte rund um humanoide Roboter die Schaeffler-Aktien angetrieben.
250 Millionen Euro Umsatz in fünf Jahren
Spire soll der erste große Kunde für die Raumfahrt-Ambitionen von Schaeffler werden. "Wir werden uns aber selbstverständlich auch anderen Interessenten nicht verschließen", sagte Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld der Deutschen Presse-Agentur. In den nächsten fünf Jahren soll mit Spire ein Umsatzvolumen in Höhe von 250 Millionen Euro erreicht werden.
"Mit Schaeffler verbindet uns eine langfristige Vision für eine eigenständige europäische Raumfahrtindustrie, die in Europa selbst entwickelt, aufgebaut und betrieben wird", sagte Theresa Condor, Vorstandschefin von Spire Global. Ziel sei eine eigenständigere, verlässliche europäische Industriebasis, mit der sich Geschwindigkeit und Größenordnung erreichen ließen, wie sie moderne Raumfahrtmissionen erforderten.
Weniger Abhängigkeit vom Auto
Rosenfeld versucht seit geraumer Zeit, Schaeffler breiter aufzustellen und die Abhängigkeit des Zulieferers von der schwächelnden Automobilindustrie zu reduzieren. Zuletzt hatte Schaeffler bereits den Einstieg in Geschäfte mit humanoiden (menschenähnlichen) Robotern sowie in die Rüstungsindustrie angekündigt. Hierzu wurde am Rüstungsstandort München eine eigene Defence-Tochter angesiedelt, bei der nun auch die Raumfahrtaktivitäten gebündelt werden. "Wir meinen es ernst mit diesen Themen", sagte Rosenfeld.
Der Produktionsschwerpunkt von Schaeffler liegt weiter in der Autoindustrie, wo das Unternehmen Fahrzeughersteller etwa mit Komponenten für Antriebsstränge beliefert. Aufgrund nationaler und internationaler Schwierigkeiten in der Branche blieb Wachstum in traditionellen Feldern zuletzt jedoch aus. Im ersten Quartal war Schaeffler nur noch in der Sparte E-Mobilität gewachsen./dm/DP/men/err/jha/



