
© Foto: Maxim Hopman auf Unsplash.
Explodierende Speicherpreise und milliardenschwere Investitionen in das E-Fahrzeug-Geschäft fressen den Gewinn von Xiaomi auf - ein Problem für die Aktie!
Nach enttäuschenden Zahlen wird es für Xiaomi jetzt eng
Während sich Anlegerinnen und Anleger von Speicherchip-Herstellern wie Micron, SanDisk und SK Hynix über gewaltige Kursgewinne freuen dürfen, wird der explosionsartige Anstieg von Arbeits- und Massenspeichern für Hardware-Hersteller zu einem immer größeren Problem.
Das haben die am Dienstag von Xiaomi vorgelegten Quartalszahlen bewiesen, denn die Speicherknappheit frisst gemeinsam mit milliardenschweren Investitionen in das E-Fahrzeuggeschäft den Unternehmensgewinn auf. Nach einem Rückgang von 57 Prozent erwirtschaftete "Chinas Apple" im zurückliegenden Quartal gerade mal noch einen Nettogewinn von umgerechnet etwa 600 Millionen Euro.
Anlegerinnen und Anleger reagierten enttäuscht und straften die Aktie mit Kursverlusten von 4,6 Prozent ab. Am Handelsplatz in Hongkong stürzte Xiaomi mit 28,40 Hongkong-Dollar (HKD; 3,11 Euro auf den tiefsten Stand seit Dezember 2024 ab. Das bedeutet aus technischer Perspektive ein Mehrjahrestief und damit ein Verkaufssignal. Die Aktie ist dadurch in aller größten Schwierigkeiten und droht ihre Chancen auf eine Trendwende zu vereiteln.

Nach mehr als -50 Prozent: Ist das noch ein langfristiger Aufwärtstrend?
Grundsätzlich befindet sich die Xiaomi-Aktie seit ihrem Bärenmarkttief im Herbst 2022 in einem mehrjährigen, übergeordneten Aufwärtstrend. Von diesem ist aktuell zugegeben aber nur wenig zu sehen, denn in den vergangenen Monaten haben die Anteile mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Das ist nicht nur ein technischer Bärenmarkt, sondern ein Crash, was den übergeordneten Aufwärtstrend mittel- und langfristig infrage stellen könnte.
Maßgeblich für die steile Korrektur war ein Blow-Off-Top im vergangenen Juli sowie ein Dreifach-Top knapp unterhalb von 8 US-Dollar. Für die Beschleunigung der Talfahrt sorgte dann das Unterschreiten der gleitenden Durchschnitte sowie das Death Cross im Dezember. Da der steile Aufwärtstrend 2024 kaum konsolidiert wurde, fehlt es Xiaomi an belastbaren Unterstützungen. Dadurch ist die Aktie immer weiter gefallen.
Den einzigen Erfolg, den die Käuferinnen und Käufer in den vergangenen Wochen erzielen konnten, war die Verlangsamung der Abwärtsdynamik, die auch im Trendstärkeindikator MACD zu erkennen ist. Der wechselte zuletzt sogar sein Vorzeichen und zeigte damit einen möglichen neuen Aufwärtstrend an. Genau diese Entwicklung ist jedoch durch die schwache Kursreaktion nach den am Dienstag vorgelegten Zahlen vereitelt worden.
Darum sind jetzt weitere Verluste zu befürchten
Das neue Mehrjahrestief bedeutet ein technisches Verkaufssignal und eine hohe Chance auf weitere Verluste. Damit droht nicht nur die jüngste Bodenbildung, sondern auch die Option auf eine Untertassenformation (U-Konsolidierung) verteilt zu werden. Damit steht die Aktie nicht nur vor weiteren Verlusten, sondern auch vor einem erschwerten Pfad hin zu einer nachhaltigen Erholung.
Eine weitere Bedrohung stellt dar, dass der Relative-Stärke-Index seinen Aufwärtstrend nach den jüngsten Abgaben aufgeben dürfte, womit die Option auf bullishe Divergenzen als mögliches Trendwendesignal entfällt. Anlegerinnen und Anleger sollten sich daher darauf einstellen, dass die Aktie in den kommenden Wochen in Richtung 3,00 US-Dollar und anschließend bis zur Aufwärtstrendlinie bei etwa 2,80 US-Dollar fallen könnte. Für Abhilfe könnte ein Anstieg über die 50-Tage-Linie bei 4,05 US-Dollar sorgen. Ein solcher ist aus den technischen Indikatoren aber nicht abzusehen.
Fazit: Nicht nur der Chart, auch die Unternehmensbewertung steht infrage
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung steht für 2026 ein KGVe von knapp 24 und für 2027 von 15,4 zu Buche. Das ist auf den ersten Blick günstig, könnte aber noch nicht die jüngsten Gewinneinbußen berücksichtigen, sodass die tatsächlichen Gewinnvielfache höher liegen dürften, was die Aktie weniger attraktiv macht. Ein weiteres Problem stellt dar, dass sich für die Speicherkrise noch keine Lösung abzeichnet.
Gleichzeitig ist mit höheren Preisen für System-on-Chips für mobile Endgeräte zu rechnen, weil sich Hersteller wie Qualcomm auf das Rechenzentrengeschäft zu konzentrieren beginnen. Damit kommt der Margendruck künftig von gleich zwei Seiten. Ohne eine nachhaltige, mindestens mehrwöchige Bodenbildung an einer markanten Unterstützungszone ist die Aktie von Xiaomi daher auch nach ihrer Halbierung keinen Einstieg wert.
Gastautor: Max Gross
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.
Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.



