
© Foto: Tung Lam auf Pixabay (Symbolbild)
Lange wurde BioNTech nur als Corona-Gewinner gesehen. Doch das Unternehmen schreibt gerade still und leise eine neue Geschichte, und die hat mit Pandemie kaum noch etwas zu tun. Im Mittelpunkt steht die Onkologie, der härteste und lukrativste Markt der gesamten Pharmabranche. Zwei Wirkstoffkandidaten stehen kurz davor, alles zu verändern. Beide haben eins schonmal gemein - schwierig auszusprechende Namen: Pumitamig und Gotistobart. Aber die frischen Studiendaten sind beeindruckend, und der Markt hat sie möglicherweise noch nicht eingepreist. Auf der weltgrößten Krebskonferenz ASCO in Chicago präsentiert BioNTech seine Ergebnisse. Was dort gezeigt wird, könnte die Aktie aus ihrem Dornröschenschlaf wecken. Wer jetzt genauer hinschaut, könnte genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.
Starke Daten, starke Pipeline
Pumitamig ist eher ein ungewöhnliches Medikament. Der bispezifische Antikörper, den BioNTech gemeinsam mit Bristol Myers Squibb entwickelt, greift gleich an zwei Fronten an, er hemmt PD-L1 und neutralisiert gleichzeitig VEGF-A. Das Resultat aus der ROSETTA-Lung-02-Studie bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs spricht für sich: 70 Prozent Gesamtansprechrate, 100 Prozent Krankheitskontrollrate. Für einen Kandidaten in diesem schwierigen Umfeld sind das Zahlen, die aufhorchen lassen sollten. Der direkte Vergleich mit Pfizers Kandidat PF-08634404 fällt zugunsten von BioNTech aus, und das ist erst ein Zwischenstand. Weitere Daten folgen auf der ASCO, wo auch Gotistobart im Rampenlicht steht. Der Anti-CTLA-4-Wirkstoff zeigte bei platinresistentem Eierstockkrebs anhaltende Wirkung, und das sogar ohne Chemotherapie. Insgesamt laufen über 25 Phase-2- und Phase-3-Studien, 13 davon sind zulassungsrelevant. Das ist mehr als nur Hoffnung, das ist ein handfestes Portfolio.

Charttechnik
Die Aktie notiert aktuell bei rund 82 US-Dollar. Sie liegt damit noch rund 8 - 10 Prozent unter dem 200er SMA und noch sehr deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von über 120 US-Dollar. Das klingt zunächst nach Schwäche, ist aber auch eine Chance für mutige Anleger. Im Bereich zwischen 80 und 90 US-Dollar hat sich historisch immer wieder eine solide Kaufzone gezeigt. Wer hier einsteigt, tut das nahe an, bzw. in einem starken Unterstützungsbereich. Das 52-Wochen-Tief bei knapp 80 US-Dollar markiert die Untergrenze des Szenarios. Nach oben zeigt der Chart klar in Richtung 100 bis 110 US-Dollar, sobald die Pipeline-Daten den Kurs fundamental untermauern.
Was tun?
BioNTech ist kein schneller Hype, auch wenn sich das so mancher Investor vielleicht wünschen würde. Es ist vielmehr ein Unternehmen im Wandel begriffen. Finanziell steht der Konzern trotz eines Quartalsverlustes von rund 532 Millionen Euro auf soliden Beinen, 16,8 Milliarden Euro an liquiden Mitteln geben Zeit. Das laufende Aktienrückkaufprogramm stützt den Kurs zusätzlich. Der Umbau kostet Geld, soll aber ab 2029 rund 500 Millionen Euro jährlich einsparen. Die Jahreszielmarke von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro Umsatz bleibt stabil. Im Bereich um 90 US-Dollar und darunter bis rund 80 US-Dollar bietet die Aktie immer wieder attraktive Einstiegsgelegenheiten. Das Kursziel von 100 bis 110 US-Dollar erscheint realistisch, sobald die ASCO-Daten den Pipeline-Fortschritt bestätigen. Für Anleger mit etwas Geduld ist BioNTech derzeit eine spannende Mischung aus günstiger Bewertung, starker Substanz und echtem Aufwärtspotenzial.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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