
© Foto: Panumas Nikhomkhai auf Pixabay (Symbolbild)
Innerhalb weniger Wochen hat Super Micro Computer die Börse wieder ins Staunen versetzt. Neue Großaufträge, strategische Partnerschaften und eine KI-Fantasie fast ohne Grenzen treiben die Aktie in altbekannte Höhen. Vom Tief bei knapp 20 US-Dollar im März bis auf über 50 US-Dollar im Juni, das scheint mehr als ein normaler Aufschwung zu sein, das ist eine Kurs-Explosion. Doch wer jetzt einsteigt, sollte wissen, dass der Zug schnell fährt, aber auch nicht unbegrenzt hoch. Denn je höher die Euphorie, desto näher rückt der Punkt, an dem selbst gute Nachrichten nicht mehr ausreichen. Was steckt hinter dem Kursfeuer? Und wo lauert die nächste ernsthafte Bremse? Lesen Sie weiter, es sollte sich lohnen.
Milliarden-Deal und neue Plattformen
Auf der Computex-Messe in Taipeh hat Super Micro Computer gezeigt, wo es langgeht. Gemeinsam mit AMD wurde die sogenannte Helios-Plattform präsentiert, ein Hochleistungssystem mit 72 Grafikkarten speziell fürs Training großer KI-Modelle. Die Auslieferung soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 sein. Dazu eine neue Zusammenarbeit mit Arm, die auf sparsame, aber leistungsstarke Server für autonome KI-Agenten zielt. Ein einzelnes gekühltes Rack soll bis zu 45.000 Rechenkerne unterstützen. Das klingt nach Zukunftsmusik und genau das will der Markt hören. Obendrauf kommt ein handfester Auftrag über zwei Milliarden US-Dollar von Gorilla Technology für KI-Infrastruktur in Indien. Das Projekt heißt Yotta. Für Super Micro bedeutet das volle Auftragsbücher und deutlich bessere Umsatzvisibilität für die nächsten Quartale. Analysten von Mizuho hoben das Kursziel von 36 auf 44 US-Dollar an, blieben aber bei "Neutral". Das sagt auch einiges.

Charttechnik
Der Chart ist beeindruckend und wer im März bei knapp 20 US-Dollar eingestiegen ist, hat sein Kapital schon mehr als verdoppelt. Die Aktie notiert rund 70 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Kurzfristig könnte der Kurs noch in Richtung 60 US-Dollar laufen. Ja das stimmt, aber spätestens dort wartet ein starker horizontaler Widerstand, eine Zone, an der Verkäufer in der Vergangenheit regelmäßig das Ruder übernommen haben. Gleichzeitig steht der RSI jetzt schon bei 74 Punkten und damit klar im überkauften Bereich. Wer diesen Indikator ernst nimmt, wird vorsichtig. Ein Rücksetzer bis knapp unter 40 US-Dollar ist charttechnisch durchaus möglich und wäre keine Katastrophe, sondern als gesunde Korrektur nach diesem starken Lauf.
Was tun?
Die Zahlen aus dem letzten Quartal sind gut: Umsatz von 10,24 Milliarden US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie sprang von 0,17 auf 0,72 US-Dollar. Die KI-Nachfrage ist real vorhanden, und Super Micro sitzt mit seiner Server- und Kühlinfrastruktur genau im Zentrum dieses Booms. Gleichzeitig gibt es Risiken, die man nicht wegdiskutieren kann. So gibt es noch rechtliche Altlasten, Compliance-Fragen und eine Bewertung, die bereits viel Optimismus einpreist. Die Aktie ist beileibe kein ruhiger Hafen, aber das war sie zuletzt nie. Wer bereits dabei ist, kann engere Stopps setzen und Gewinne teilweise sichern. Wer neu einsteigen will, könnte auf eine Korrektur warten, um einen besseren Einstieg mit einem besseren C/R-Verhältnis zu erwischen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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