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Lange war es ruhig und still um SAP, zumindest was positive Nachrichten anging. Dann kam plötzlich dieser Kurssprung. Um deutlich über 10 Prozent in wenigen Handelstagen, der Softwarekonzern aus Walldorf ist zurück im Gespräch. Aber ist das wirklich schon die Wende? Oder lockt hier eine klassische Bullenfalle? Die Mischung aus starken Cloud-Zahlen, milliardenschweren KI-Zukäufen und einem CEO, der in Paris die große Bühne sucht, macht die Sache spannend. Gleichzeitig jedoch ist die Aktie noch meilenweit vom alten Hoch entfernt, und die jüngste Marktschwäche hat den Kurs bereits wieder etwas zurückgeworfen. Wer jetzt einsteigt, braucht gute Nerven und wer wartet, riskiert vielleicht den Einstieg zu verpassen. Stimmt das denn auch wirklich? Und welcher große Test kommt erst noch? Die Antworten lesen Sie jetzt gleich.
KI als Wachstumsmotor
SAP hat in den vergangenen Wochen richtig Tempo gemacht. Der Konzern übernahm Reltio, einen Spezialisten für die Verwaltung von Stammdaten, und sicherte sich mit Prior Labs einen Pionier bei KI-Modellen für strukturierte Unternehmensdaten. Obendrauf platzierte SAP eine Anleihe über 3,5 Milliarden Euro, um diese Zukäufe zu finanzieren. Das klingt nach ernsthafter Strategie, nicht nach Ankündigungspolitik. Im Mittelpunkt steht dabei Joule, SAPs KI-Assistent. Er soll künftig komplexe Geschäftsprozesse eigenständig steuern, von der Buchhaltung über das Personalwesen bis hin zur Lieferkette. SAP nennt das Konzept das "Autonomous Enterprise". Die Pilotphase ist vorbei, jetzt geht es um die Umsetzung. Die Zahlen aus dem ersten Quartal sprechen für sich, denn der sogenannte Current Cloud Backlog, also die bereits gebuchten, noch nicht realisierten Cloud-Umsätze, kletterte auf 21,9 Milliarden Euro, ein Plus von 20 Prozent. Die Cloud-Erlöse insgesamt legten um 19 Prozent zu, währungsbereinigt sogar um 27 Prozent. Das zeigt, dass die Nachfrage nach SAPs Angeboten wirklich wahr und vorhanden ist. Parallel dazu baut SAP seinen Einfluss auf den Nachwuchs aus. Mehr als zehn Hochschulen weltweit, darunter das Hasso-Plattner-Institut und die TU München, bekommen kostenlos Zugang zu SAP-Werkzeugen rund um Prozessanalyse und KI-Agenten. Getreu dem Motto: Wer früh mit SAP arbeitet, bleibt oft dabei.

Charttechnik
Die SAP-Aktie hat sich in den vergangenen Tagen deutlich erholt. Das Papier kletterte über den 50er SMA, der bei 148,63 Euro verläuft, ein technisch wichtiges Signal, denn wer die Märkte verfolgt, weiß, dass diejenige Aktie, die diesen gleitenden Durchschnitt zurückerobert, erste Stärke zeigt. Doch dann kam die allgemeine Marktschwäche, und SAP wurde mitgezogen nach unten. Der Kurs ist wieder etwas zurückgefallen. Das ist ein eher schlechtes Zeichen, zumindest kurzfristig, denn ein echter Aufwärtstrend zeigt sich daran, dass Rücksetzer aufgefangen werden können. Ob das hier gelingt, bleibt abzuwarten. Der nächste große Test wartet in der Zone zwischen 174 - 177 Euro. Kann die Aktie diese Zone auf Schlusskursbasis überwinden, öffnet sich der Weg in Richtung 200er SMA bei 192,15 Euro. Von einem nachhaltigen Trendwechsel kann man erst dann sprechen, wenn auch diese Marke fällt. Bis dahin ist die Erholung real, aber noch sehr vage. Das Hoch aus Anfang 2025 bei 273,50 Euro liegt noch in sehr weiter Ferne.
Was tun?
SAP ist kein spekulativer Zock, aber irgendwie doch schon, denn es fühlt sich bei den letzten Kursbewegungen so an. SAP ist zwar ein Schwergewicht mit echter Substanz und auch die Cloud-Zahlen sind stark. Ebenso nimmt die KI-Strategie Form an, und die Übernahmen zeigen, dass der Konzern es ernst meint. Das alles spricht langfristig für das Papier. Jetzt kommt das aber: Kurzfristig und vielleicht auch mittel- langfristig bleibt Vorsicht angebracht. Die jüngste Kursschwäche zeigt, wie abhängig SAP noch von der allgemeinen Marktstimmung ist. Die entscheidenden Widerstände sind noch nicht gebrochen, sie liegen noch vehement im Markt. Analysten sehen im Konsens ein Kursziel von rund 209 Euro, das wäre vom aktuellen Niveau aus ein Potenzial von gut 25 Prozent. Das wäre ein Hoffnungsschimmer, aber der Weg bis dahin ist von harten Widerständen, wo auch viele Rückschläge kommen können, geprägt. Der nächste richtig harte Prüfstein kommt am 23. Juli, wenn SAP die Zahlen für das zweite Quartal vorlegt. Dann wird sich zeigen, ob die Aktie wieder neues Momentum entwickeln kann. Wer neu einsteigen möchte, tut eventuell gut daran, den Ausbruch über den Widerstandsbereich bei 174 - 177 Euro abzuwarten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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