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BYD liefert Rekorde am Fließband, und trotzdem klebt die Aktie in der Nähe des Jahrestiefs. Wie passt das zusammen? Im Mai schickte das Unternehmen über 160.000 Fahrzeuge ins Ausland, mehr als je zuvor in einem einzigen Monat. Gleichzeitig fiel der Kurs auf unter 10 Euro. Die Aktie wird vom Markt regelrecht ignoriert, obwohl im Hintergrund mehr passiert als es auf den ersten Blick scheint. Diese Woche könnte ein Wendepunkt werden. Hauptversammlung, Ex-Dividenden-Tag, neue China-Konjunkturdaten, und dazu ein RSI, der so tief steht, dass eine Gegenbewegung technisch überfällig ist. Bei BYD könnte es sich lohnen, jetzt genauer hinzuschauen.
Im Ausland läuft es rund
Im Mai verkaufte BYD weltweit gut 383.000 Fahrzeuge. Das Auslandsgeschäft wächst mit 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf ein neues Monatshoch. In den ersten fünf Monaten 2026 lieferte BYD fast 617.000 Fahrzeuge ins Ausland, 65 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Jahresziel von 1,5 Millionen Einheiten rückt damit deutlich in Reichweite. Parallel dazu treibt BYD sein Premiumgeschäft voran. Der Great Tang, ein Flaggschiff-SUV mit knapp 950 Kilometern Reichweite und einem Einstiegspreis um 250.000 Yuan, hat bereits über 100.000 Vorbestellungen eingesammelt. Die Nachfrage übersteigt aktuell sogar die Produktionskapazität. Das neue Oberklassemodell "Dahan" ist bereits in Tarnoptik aufgetaucht. Und mit dem "God's Eye-Fahrassistenzsystem" geht BYD einen ungewöhnlichen Schritt, denn das Unternehmen übernimmt bei Unfällen selbst die finanzielle Haftung. Das ist ein starkes Vertrauenssignal. Zu Hause in China sieht es schwieriger aus. Der Inlandsabsatz sank im Mai um 24 Prozent, bereits der 13. Monat in Folge mit rückläufigen Zahlen. Hinzu kommt ein deutlicher Gewinneinbruch im ersten Quartal. Der Nettogewinn fiel um 55 Prozent auf 4,09 Milliarden Yuan. Goldman Sachs hält Q1 2026 jedoch für den wahrscheinlichen Tiefpunkt und erwartet eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte.

Charttechnik
Der Chart ist klar: Die BYD-Aktie hat in zwölf Monaten knapp über 70 Prozent verloren. Vom Jahreshoch ist nicht viel übrig geblieben. Mit unter 10 Euro notiert das Papier nur noch knapp über dem 52-Wochen-Tief. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 10,99 Euro, der 200-Tage-Schnitt mit 11,07 knapp darüber. Das sogenannte Todeskreuz ist vollzogen, ein klassisches Warnsignal, das aber bei einem schnellen Kursanstieg zu einem "Golden Cross", einem Kaufsignal, werden könnte. Gleichzeitig ist der RSI auf 32 gefallen. Das ist kein Kaufsignal, aber ein klarer Hinweis darauf, dass die Aktie technisch stark überverkauft ist. In solchen Phasen reicht manchmal ein kleiner Anlass für eine deutliche Gegenbewegung. Der Ex-Dividenden-Tag am 11. Juni könnte genau so ein Moment werden. Wenn alles fürchterlich aussieht, könnte es ein guter Moment für einen Rebound sein.
Was tun?
Die Lage bei BYD ist widersprüchlich, aber dennoch auch irgendwie positiv. Operativ zeigt das Unternehmen echte Stärke. Exportrekorde, ein wachsendes Premiumsegment und eine klare globale Strategie. Die schwachen Q1-Zahlen sind leider nicht wegzudiskutieren, aber möglicherweise der Tiefpunkt. Charttechnisch ist die Aktie nach dem Kursverfall überverkauft, ein Rebound ist technisch überfällig. Wer langfristig denkt könnte hier einen interessanten Einstiegspunkt erkennen, allerdings mit Geduld und klarem Risikobewusstsein. Kurzfristig bleibt die Lage wohl zerbrechlich und ein Kauf in kleinen Tranchen erscheint sinnvoller als ein Volleinstieg.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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