
© Foto: Nothing Ahead auf Pexels
Die Deutsche Telekom liefert operativ gut ab und trotzdem verliert die Aktie an Wert. Mittlerweile ist sie schon deutlich unter dem Jahreshoch, ein Death Cross im Chart und ein laufender Tarifkonflikt. Das klingt nach einem Unternehmen, das in der Klemme sitzt. Doch stimmt das wirklich? Der Konzern aus Bonn wächst und hebt seine Jahresziele an. Er löst gerade einen nach dem anderen seiner internen Konflikte. Was also steckt hinter dieser Schere zwischen operativer Stärke und schwachen Notierungen? Und ganz wichtig: Wo geht der Kurs hin? Die Antwort darauf ist natürlich nicht eindeutig, aber es hält Überraschungen parat.
Starke Zahlen, enttäuschte Börse
Im ersten Quartal 2026 steigerte die Telekom ihren Umsatz organisch um knapp 5 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis legte auf 11,5 Milliarden Euro zu. Beim Gewinn je Aktie übertraf der Konzern die Analystenerwartungen um fast 16 Prozent. Der eigentliche Wachstumsmotor ist dabei die Tochter T-Mobile US. Die steigerte ihre Service-Umsätze um über 11 Prozent und gewann im Quartal 217.000 neue Vertragskunden. Die Jahresziele wurden nach oben geschraubt auf 47,5 Milliarden Euro beim operativen Ergebnis und über 19,8 Milliarden Euro beim freien Cashflow. Ebenfalls wichtig ist, dass nach den Streiks der Beschäftigten nun ein Tarifabschluss steht. der Gehaltssteigerungen bis 2028 regelt und betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Parallel dazu testet die Telekom in Bayern neue beschleunigte Verfahren beim Glasfaserausbau. In der Gemeinde Abensberg z. B. liegt die Vermarktungsquote bereits bei 30 Prozent. Bundesweit sind es gerade mal 17 Prozent. Und ab 2028 sollen Kunden über eine Starlink-Kooperation auch dort Empfang haben, wo kein Funkmast steht.

Charttechnik
Die Zahlen sind gut, aber der Chart eher weniger. Mit rund 27,60 Euro notiert die Aktie knapp 20 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch bei 34,15 Euro aus dem Februar dieses Jahres. Der Kurs hat zuletzt den 50er SMA bei knapp 28,93 Euro von oben nach unten durchbrochen, und auch das Todeskreuz (der 50-Tage-Durchschnitt kreuzt den 200-Tage-Durchschnitt von oben nach unten) wurde gebildet. Das ist ein eindeutiges Warnsignal. Der Relative-Stärke-Index liegt bei knapp 37 und befindet sich damit nahe der überverkauften Zone. Jetzt wird es kritisch, denn wenn die Zone zwischen 26 und 27,50 Euro als letzte echte Unterstützung fällt, droht ein schneller Rückfall in Richtung 20 Euro. Auf der anderen Seite gilt, dass wenn die Aktie wieder über 30 Euro notiert, bessert sich das charttechnische Bild deutlich. Dann wäre ein Lauf in Richtung 34 bis 35 Euro durchaus denkbar. Bis dahin bestimmt aber der Abwärtstrend und die Unsicherheit das Bild.
Was tun?
Die Lage ist nicht eindeutig, denn operativ läuft bei der Deutschen Telekom vieles prima, wie z. B. die guten Quartalszahlen, ein erhöhter Jahresausblick, Klarheit beim Tarifvertrag und neue Projekte mit Fantasie im Glasfaser- und Satellitenbereich. Fundamental ist der Konzern ebenfalls solide aufgestellt, auch wenn das KGV von etwas über 20 bei einem Telekomunternehmen kein klares Schnäppchen mehr ist. Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Solange der Kurs unter der 30-Euro-Marke bleibt. Wenn aber de kritische Unterstützungszone nicht hält, kann es schnell nach unten knallen. Wer bereits investiert ist, sollte die Zone um 26 bis 27,50 Euro im Blick behalten und überlegen, ob ein Stopp-Loss darunter sinnvoll ist. Wer einsteigen möchte, wartet vielleicht besser auf ein Signal. Das wäre ein nachhaltiger Ausbruch über 30 Euro, am besten mit steigendem Volumen einhergehend. Der nächste wichtige Termin ist der 6. August, wenn die Quartalszahlen für das zweite Quartal vorliegen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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