
© Foto: Pavel Danilyuk auf Pexels (Symbolbild)
Seit Monaten kämpft Evotec mit einem schwierigen Marktumfeld, enttäuschenden Quartalszahlen und einem Aktienkurs, der kaum vom Fleck kommt. Doch genau jetzt verdichten sich die Signale. Der Hamburger Biotech-Konzern baut radikal um, ein aktivistischer Großaktionär macht Druck, und obendrauf kommt ein neuer KI-Stratege ins Haus. Die Hauptversammlung bringt Richtungsentscheidungen, die es in sich haben und an der Börse gibt es eine technische Schlüsselmarke, die einiges verändern könnte. Wer die Aktie auf dem Radar hat, sollte jetzt genau hinschauen und wer sie noch nicht auf dem Radar hat: Jetzt wäre vielleicht genau der richtige Zeitpunkt dafür!
Umbau unter Hochdruck
Evotec steckt in einem Konzernumbau. Das Programm heißt "Horizon" und das dürfte einmal komplett durchschlagen. Da wird fast jeder Stein umgedreht. So soll es nur noch 10 statt bisher deutlich mehr Standorte geben. Rund 800 Stellen werden gestrichen. Die Kostenbasis soll bis Ende 2027 somit um 75 Millionen Euro sinken. Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 zeigen dass der Weg für Evotec noch steinig und weit sein dürfte. Der Umsatz brach um gut 21 Prozent auf 156,6 Millionen Euro ein. Der Verlust je Aktie ging sogar von minus 0,18 Euro auf minus 0,69 Euro nach oben. Das bereinigte EBITDA rutschte auf minus 21,9 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr stellt das Management einen Umsatz zwischen 700 und 780 Millionen Euro in Aussicht. Das bereinigte EBITDA soll bei zwischen 0 und 40 Millionen Euro in etwa liegen. Zumindest die Liquidität hält sich mit rund 445 Millionen Euro stabil. Zusätzlich hat Evotec eine Wandelanleihe über 116 Millionen Euro platziert, um den Umbau zu finanzieren. Zwei neue Vorstandsmitglieder sollen frischen Wind bringen und mit Rui Wang, dem neuen KI-Chef, der von AstraZeneca kommt, setzt das Unternehmen auf datengetriebene Wirkstoffforschung für die Zukunft. Der aktivistische Investor MAK Capital mischt beim Unternehmen weiter auf. So fordert er die Abspaltung von Just Evotec Biologics, dem Bereich, den viele als die eigentliche Perle im Konzern sehen. Ob der Vorstand diesen Weg mitgeht, blieb auf der Hauptversammlung offen.

Charttechnik
Der Blick auf den Chart zeigt ein klares Bild, das aber noch nicht ganz überzeugend ist. Die Aktie notiert aktuell knapp unter 5 Euro, auf Jahressicht ist die Aktie noch deutlich im Minus. Das Hoch aus Mitte 2023 lag bei über 24 Euro und das Tief in diesem Jahr bei 3,99 Euro. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei rund 5,65 Euro und genau der Bereich um diese Marke ist jetzt entscheidend. Wer auf einen nachhaltigen Trendwechsel wartet, braucht einen stabilen Schlusskurs darüber. Erst dann wäre das technische Signal für einen echten Ausbruch nach oben gegeben. Bis dahin bleibt der Titel in einer Art Niemandsland. Vom Tief noch fast einen Euro entfernt, vom Hoch sehr, sehr weit und um als klassischer Turnaround-Kauf zu gelten, aber auch zu weit vom Ausbruchsniveau bei 5,65 Euro, um jetzt schon vorzeitig jubeln zu können.
Was tun?
Evotec ist keine einfache Aktie - das war sie nie. Die Fundamentaldaten zeigen ein Unternehmen, das tief in der Restrukturierung steckt und in diesem Jahr nicht profitabel sein wird. Die Quartalszahlen sind schwach, die Verluste hoch. Gleichzeitig sitzt ausreichend Liquidität im Unternehmen, der Umbau schreitet voran, und mit dem KI-Fokus sowie dem Druck von MAK Capital liegt tatsächlich Potenzial in der Aktie. Wer bereits investiert ist, sollte die Marke von 5,66 Euro im Blick behalten - ein nachhaltiger Ausbruch darüber wäre ein klar positives Signal. Wer neu einsteigen will, sollte Geduld mitbringen und den Ausbruch abwarten, statt voreilig zu handeln. Das Risiko bleibt real. Aber wer die Entwicklungen verfolgt, könnte hier den richtigen Moment nicht verpassen wollen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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