30. Mai bis 5. Juni 2026
Internationale Aktien konnten das Rekordhoch vom Wochenanfang am Freitag nicht halten. Es kam zu Gewinnmitnahmen bei Halbleiterwerten. Weil eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr nach den überraschend guten US-Beschäftigungszahlen wahrscheinlicher geworden ist, stieg die amerikanische 10-Jahres-Rendite um 10 Basispunkte auf 4,54%. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 4 US-Dollar auf 91,75 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) fiel die Volatilität diese Woche von 18,8 auf 17,4.
Konjunktur
Starker Beschäftigungsanstieg im Mai
In den USA wurden im Mai 172.000 neue Stellen geschaffen, fast doppelt so viele wie erwartet. Außerdem wurden die Zahlen für März und April um zusammen 93.000 nach oben korrigiert. Wohl kaum jemand hatte damit gerechnet, dass die US-Wirtschaft seit Beginn des Irankrieges im Schnitt 188.000 neue Stellen monatlich schaffen würde. Die Arbeitslosenquote betrug im Mai unverändert 4,3%, die Partizipationsquote blieb mit 61,8% ebenfalls stabil. Wegen dieser guten Zahlen ist man sich am Markt jetzt sicher, dass die Fed die Zinsen noch dieses Jahr um einen viertel Prozentpunkt anhebt.
Anhaltendes Patt dämpft Hoffnungen auf Einigung zwischen USA und Iran
Immer neue Scharmützel zwischen den USA und dem Iran, in die auch andere Golfstaaten hineingezogen wurden, dämpften die Hoffnung auf eine baldige Einigung zwischen den beiden Ländern. Am folgenreichsten war diese Woche ein iranischer Angriff auf den Kuwaiter Flughafen. Analysten deuten ihn als indirekte Warnung an die Vereinigten Arabischen Emirate mit ihrem großen Tourismussektor. Auch Israels Angriffe auf die Hisbollah im Libanon blockieren die Verhandlungen zunehmend. Dem Vernehmen nach hat US-Präsident Trump Israels Premier Benjamin Netanjahu gedrängt, auf weitere Angriffe zu verzichten. Es heißt, Israel und der Libanon hätten sich am Donnerstag auf einen Waffenstillstand geeinigt, den die Hisbollah aber abgelehnt habe. Ebenfalls am Donnerstag erklärte die Internationale Atomenergie-Organisation, dass der Iran Inspektionen der bombardierten Nuklearanlagen blockiere und die Inspektoren Zustand und Verbleib des angereicherten Urans nicht verifizieren könnten. Die amerikanische Seeblockade der Straße von Hormus ließ Irans Ölexporte im Mai auf gut 200.000 Barrel täglich fallen. Im März waren es noch fast 2 Millionen Barrel.
Kurz gefasst
Während die Einkaufsmanagerindizes der meisten Industrieländer im Mai schwach waren, legten die USA ordentliche Zahlen vor. Der US-Index für das Verarbeitende Gewerbe stieg vor allem aufgrund hoher Auftragseingänge auf ein 4-Jahres-Hoch.

Am Sonntag warnte der frühere Fed-Vorsitzende Jerome Powell vor einem Präzedenzfall, wenn es der Regierung gelänge, Mitarbeiter der Fed wegen Meinungsverschiedenheiten zur Geldpolitik des Amtes zu entheben. Die Notenbank wäre dann nicht mehr glaubwürdig, so Powell.
Immer mehr Technologie-Mega-Caps gehen an die Börse. Zuletzt reichte Anthropic die vorläufigen Unterlagen ein. Googles Muttergesellschaft Alphabet wollte dem nicht nachstehen und brachte am Donnerstag den ersten Teil der neuen Aktien mit einem vorgesehenen Gesamtvolumen von 85 Milliarden US-Dollar an die Börse. Vor dem Börsengang von SpaceX am Freitag ließ S&P Global wissen, dass man keine beschleunigte Aufnahme der Mega Caps in den S&P 500 Index plane. Auch sie müssten wie üblich mindestens ein Jahr warten.
Am Donnerstag sprach sich Anthropic für eine branchenweite Vereinbarung aus, um die KI-Entwicklung zu entschleunigen. Die Gesellschaft solle Zeit bekommen, um auf "die enormen Auswirkungen zu reagieren".
Andrew Bailey, Chef der Bank of England, rechnet mit einem schwächeren britischen Wirtschaftswachstum, aber nicht mit einer Rezession. Der derzeitige Inflationsanstieg habe ausschließlich mit der Entwicklung am Persischen Golf zu tun, so Bailey.
Im Mai stieg die Euroraum-Inflation von 3,0% z.Vj. im April auf 3,2% z.Vj. Der Kernindex legte nach 2,2% z.Vj. im April jetzt um 2,5% zu. Das sind die höchsten Werte seit fast drei Jahren. Unterdessen ging das Wirtschaftswachstum im Euroraum auf 0,3% z.Vj. zurück; gegenüber dem Vorquartal ist die Wirtschaft sogar um 0,2% geschrumpft. Hauptgrund war der starke Einbruch des irischen BIP wegen hoher Schwankungen der Medikamentenexporte in die USA. Trotz der schwächeren Wirtschaft ist man sich am Markt sicher, dass die EZB ihren Leitzins am Donnerstag um einen viertel Prozentpunkt anhebt.
In den USA ist der JOLTS Job Openings Index im April von nach oben revidierten 4,2% auf 4,6% gestiegen. Die Zahl der offenen Stellen legte von 6,887 Millionen im März auf 7,618 Millionen im April zu. Während im März noch 2% der Mitarbeiter kündigten, waren es im April nur noch 1,9%. Die Entlassungen fielen von 1,2% auf 1,1% der Beschäftigten. Erstmals seit fast einem Jahr gab es wieder mehr offene Stellen als Arbeitssuchende.
Nach einem EZB-Bericht hat Gold US-Staatsanleihen als wichtigstes Reserveinstrument abgelöst. Laut EZB entfallen jetzt 27% der Notenbankreserven weltweit auf das Edelmetall, nach 20% vor einem Jahr. Der Anteil von US-Staatsanleihen sei unterdessen von 25% auf 22% gefallen, der Anteil eurodenominierter Reserveaktiva betrüge unverändert 15%.
Präsident Trump unterzeichnete diese Woche einen Erlass mit dem Ziel, gemeinsam mit KI-Unternehmen den Schutz vor Cyberattacken zu verbessern. Sie könnten der US-Regierung jetzt freiwillig Zugang zu hoch entwickelten KI-Modellen gewähren, um sie vor der Markteinführung bis zu 30 Tage zu testen.
Nach einer Studie der Deutschen Bank war der 2-Monats-Ertrag des S&P 500 bislang nur vier Mal so hoch wie zuletzt. In drei der vier Fälle handelte es sich um Erholungsphasen nach Rezessionen. Hinzu kommt der Oktober 1987, kurz vor dem Schwarzen Montag.
Das Büro des US-Handelsbeauftragten empfiehlt, 14 Länder mit 10% Zoll zu belegen, darunter Kanada, Mexiko, die EU, das Vereinigte Königreich und Taiwan. Für 46 andere Länder werden 12,5% vorgeschlagen. Damit sind faktisch alle wichtigen Handelspartner der USA betroffen. Die neuen Zölle sollen die mittlerweile für unrechtmäßig erklärten IEEPA-Zölle ablösen und werden voraussichtlich Ende Juli in Kraft treten.
Der kanadische Minister Dominic LeBlanc nannte zwar keine Einzelheiten, sagte aber, dass sein Land den USA nach den Verhandlungsfortschritten in den letzten Wochen konkrete Vorschläge für den Außenhandel gemacht habe.
Am Mittwoch senkte die OECD ihre Prognose für das Weltwirtschaftswachstum. Sie warnte, dass der Irankrieg die Konjunktur dämpfen könnte, wenn die Energieversorgung gestört und die Straße von Hormus blockiert bliebe. Für 2026 wird ein Wachstumsrückgang auf 2,8% erwartet. Bei einem längeren Krieg könnten es aber auch nur noch 2,1% sein.
In einer Anhörung vor dem US-Kongress behauptete Finanzminister Scott Bessent, dass die Trump-Administration für jede neu eingeführte Vorschrift 129 alte abgeschafft habe.
Am Donnerstag schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen offenen Brief an Wladimir Putin, in dem er sich für Friedensverhandlungen aussprach.
Japans Notenbankchef Kazuo Ueda deutete diese Woche eine Zinserhöhung noch in diesem Monat an, wenn eine überraschend hohe Inflation wahrscheinlicher sei als eine schwächere Konjunktur aufgrund der Nahostkrise.
In den USA wurde der Produktivitätsanstieg im 1. Quartal (ohne Landwirtschaft) von 0,8% auf 0,3% nach unten korrigiert. Die Lohnstückkosten stiegen demnach nicht wie zunächst angenommen um 2,3%, sondern nur um 1,8%.
Nächste Woche
Montag: japanisches BIP
Dienstag: Handelsbilanz und Verkäufe von Bestandsimmobilien in den USA
Mittwoch: amerikanische Verbraucherpreise, Zinsentscheid der Bank of Canada
Donnerstag: Zinsentscheid der EZB, amerikanische Produzentenpreise
Freitag: japanische Industrieproduktion, britische Industrieproduktion, Börsengang von SpaceX
Fokussiert und diversifiziert bleiben
Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.
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Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research.
