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Die Verluste der vergangenen Woche haben der Bayer-Aktie nicht gut getan, charttechnisch steht sie jetzt vor einer wichtigen Weichenstellung.
Bei Bayer herrscht schon wieder Katerstimmung und es könnte noch schlimmer kommen
Nach einem schwierigen Börsenjahr 2025 mauserte sich die Bayer-Aktie zum Start in 2026 zeitweise zu einem der Shooting-Stars im deutschen Leitindex DAX. Die Anteile profitierten von Zulassungsfantasien, verbesserten Wachstumsaussichten und den Hoffnungen auf eine Beilegung der zahllosen, noch offenen Rechtsstreitigkeiten, und zwar ohne, dass es die Leverkusener finanziell ruinieren würde. Der Lohn für das verbesserte Sentiment war ein Mehrjahreshoch und die höchste Notierung seit September 2023.
Inzwischen hat sich die Begeisterung längst gelegt. Nach anhaltenden Verlusten in den vergangenen Wochen hat die Aktie sogar ihr Vorzeichen gewechselt und notiert gegenüber dem Jahresauftakt nun wieder mit einem Verlust von rund 3 Prozent. Immerhin gegenüber dem Stand vor 12 Monaten steht noch ein Plus von fast 30 Prozent zu Buche - doch auch dieser Fortschritt könnte jetzt gefährdet sein, da es im Chart der Aktie um die 200-Tage-Linie geht und das Unternehmen neuem juristischen Widerstand ausgesetzt sein könnte.

Nach mehr als 10 Jahren Abwärtstrend sind über 60 Milliarden futsch
Übergeordnet befindet sich Bayer seit bereits mehr als 10 Jahren in einem Abwärtstrend. Das Hoch der Aktie fällt zusammen mit der Übernahme des Konkurrenten Monsanto, der den Niedergang der Anteile überhaupt erst eingeleitet und der Anlegerinnen und Anleger seither 60 Milliarden Euro gekostet hat. Besonders steil bergab ging es zwischen Ende 2023 und Mitte 2024. Erst nach einem 20-Jahres-Tief schöpften die Käuferinnen und Käufer neuen Mut.
Der bescherte Anlegerinnen und Anlegern nach einem Übergangsjahr 2025 die eingangs erwähnten Kursgewinne zum Ende des alten beziehungsweise zum Anfang dieses Jahres. Für eine Beschleunigung der Aufwärtsdynamik sorgte vor allem ein Runaway-Gap Anfang Dezember - doch genau dieses könnte der Aktie jetzt zum Verhängnis werden. Die handelt nach einem Blow-Off-Top Mitte Februar wieder in einem Abwärtstrend.
Dieser verlieft bislang innerhalb einer Range von etwa 6 Euro und führte insgesamt zu einer deutlichen Eintrübung des Chartbildes. Das Unterschreiten der 50-Tage-Linie sowie zwei erfolglose Versuche, diese zurückzuerobern, bedeuten Verkaufssignale und die Etablierung dieser Durchschnittslinie als Widerstand. Nach dem letzten Scheitern ist die Bayer unter 35 Euro und damit auch unter die 200-Tage-Linie zurückgefallen.
Darum dürfte die Aktie 30 Euro nochmal sehen
Genau dieser Bereich steht aktuell zur Diskussion. Kann die 200-Tage-Linie nach dem zähen Kursgeschehen der vergangenen Tage verteidigt werden, winkt ein weiterer Anstiegsversuch in Richtung der Abwärtstrendoberkante und damit die Chance auf einen Ausbruch. Fällt Bayer hingegen darunter, muss mit einem erneuten Test der Trendkanalunterkante und auch mit dem Schließen der aus dem Winter noch offenen Kurslücke gerechnet werden. Dadurch dürften auch 30 Euro unter Druck geraten.
Für dieses Szenario spricht, dass sich die technischen Indikatoren in den vergangenen Wochen erheblich eingetrübt haben. Sie haben den Abwärtstrend der Aktie mit eigenen Abwärtsbewegungen begleitet, was üblicherweise für die Nachhaltigkeit einer Trendrichtung spricht. Der Trendstärkeindikator MACD unter der Nulllinie zeigt dabei einen intakten Abwärtstrend an, während der RSI gerade so im neutralen Bereich liegt und damit nicht für Impulse sorgen kann.
Einen kleinen Hoffnungsschimmer für die Bayer-Bullen gibt es dennoch, denn der MACD weist erste bullishe Divergenzen auf. Diese lässt der RSI aber noch vermissen, weswegen eine mögliche Trendwende noch Wochen oder sogar Monate entfernt sein könnte. Nicht zuletzt deshalb ist die Unterseite bei Bayer aktuell die wahrscheinlichere.
Fazit: Warum Bayer, wenn die Alternativen so viel attraktiver sind?
Zeitgleich mit der charttechnischen Schwäche steht die Bayer-Aktie vor entscheidenden Wochen, da zwei wegweisende Gerichtsentscheidungen in den USA den Fortgang der offenen Rechtsstreitigkeiten bestimmen dürften. Das kann zwar für einen Befreiungsschlag sorgen, sollten die Urteile im Sinne Bayers getroffen werden, doch sie bergen auch das Risiko, dass mit neuen, milliardenschweren Strafzahlungen gerechnet werden muss.
Angesichts dieser sowohl fundamentalen als auch charttechnischen Unsicherheiten sollten Anlegerinnen und Anleger die Bayer-Aktie vorerst meiden und auf Alternativen setzen. Mit einem KGVe 2026 von 15,3 sind die Leverkusener ohnehin ambitioniert bewertet, wenn die hohe Unsicherheit in Rechnung gestellt wird selbst Novo Nordisk, wo operativ große Unsicherheiten bestehen, ist mit einem KGVe 2026 von 12,5 deutlich attraktiver gepreist. Aus dem Dow-Jones-Index bieten vor allem Amgen und Merck einen attraktiven Mix aus Wachstum und moderater Bewertung. Für ein Investment in Bayer spricht angesichts der breiten Auswahlmöglichkeit eigentlich nur wenig.
Gastautor: Max Gross

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