DJ KONJUNKTUR IM BLICK/Fed, BoE und SNB folgen der EZB nicht - und die BoJ?
Von Hans Bentzien
DOW JONES--Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins erstmals seit 2023 angehoben. Getrieben von der Sorge wegen eines breiter werdenden Inflationsdrucks und wohl auch wegen ihrer Reputation hob sie ihren Leitzins um 25 Basispunkte an. Werden andere Zentralbanken folgen? Vielleicht die Bank of Japan, deren Kommunikation allerdings schwerer zu deuten ist als die anderer Zentralbanken. Für Spannung ist zudem auch deshalb gesorgt, weil der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank erstmals unter der Leitung des neuen Fed-Chairman Kevin Warsh tagt - eines Freundes niedriger Zinsen und Bilanzsummen sowie einer sparsamen Kommunikation. Daneben stehen US-Akivitätsindikatoren sowie Preisdaten auf dem Kalender.
US-Notenbank lässt Leitzins unverändert - kippt der Easing Bias?
Die Hoffnungen an den US-Märkten auf eine Lockerung der Fed-Geldpolitik hat in letzter Zeit deutliche Dämpfer erhalten: Die am Kernpreisindex der persönlichen Konsumausgaben gemessene Inflation ist im April gestiegen (auf 3,3 Prozent) und Gleiches gilt für die Inflationsrate der Verbraucherpreise im Mai (auf 4,2 Prozent). Zugleich stieg die Zahl der Beschäftigten im Mai viel deutlicher als erwartet und war auch in den Vormonaten nach revidierten Angaben höher als bisher angenommen.
Fed-Funds-Futures preisen für Mittwoch (20.00 Uhr) zu 96 Prozent einen unveränderten Leitzins von 3,50 bis 3,75 Prozent ein und sehen den Leitzins am Jahresende mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 70 Prozent bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Auch erste Volkswirte prophezeien, dass der nächste Zinsschritt der Fed nach oben und nicht nach unten gehen wird. Vor diesem Hintergrund wird es interessant sein, zu sehen, ob die Fed ihren Easing Bias beibehalten wird. Bis zuletzt stand im geldpolitischen Statement nämlich, dass das FOMC "zusätzliche Anpassungen" des Leitzinses erwäge. Wegen dieses Passus hatten drei FOMC-Mitglieder dem Beschluss ihre Zustimmung verweigert - ein lange nicht gesehener Vorgang.
Der neue Fed-Chairman ist für seinen Job allerdings deshalb von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen worden, weil er diesem glaubhaft gemacht hatte, er wolle niedrigere Zinsen. Zum Zeitpunkt des Dialogs mögen Zinssenkungen kein ganz unrealistisches Unterfangen gewesen sein - derzeit sind sie es zumindest nach der wahrgenommenen Reaktionsfunktion der Fed nicht. Wie Warsh diesen Zielkonflikt kommunikativ meistert, wenn er am Mittwoch (20.30 Uhr) vor die Presse tritt, wird im Mittelpunkt des Interesses stehen. Weitere Zinsentscheidungen stehen einen Tag später in der Schweiz und in Großbritannien an.
Bank of Japan hat Zinserhöhung im Visier
Die Finanzmärkte blicken mit einer klaren Erwartung auf die anstehende geldpolitische Sitzung der Bank of Japan (BoJ). Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 1,00 Prozent wird von den Märkten fast vollständig eingepreist. An dieser Erwartungshaltung dürfte auch der überraschende Krankenhausaufenthalt von BoJ-Chef Kazuo Ueda wegen einer Leberzyste nichts ändern. Während Ueda vorübergehend aus der Ferne agiert, übernehmen seine Stellvertreter die Sitzungsleitung und die anschließende Pressekonferenz, sodass die Kontinuität der Geldpolitik gewahrt bleibt. Die Erwartung eines Zinsschritts wird vor allem durch den anhaltenden Inflationsdruck getrieben.
Die Notenbanker sorgen sich zunehmend, dass die durch die Iran-Krise gestiegenen Ölpreise die Kerninflation weiter anheizen. Die BoJ sieht angesichts der geopolitisch bedingten Preisrisiken akuten Handlungsbedarf. Die anstehende Entscheidung gilt daher trotz der personellen Vertretung als richtungsweisendes Signal für die weitere geldpolitische Wende in Japan. Die Entscheidung wird am frühen Dienstagmorgen bekanntgegeben.
SNB belässt Leitzins bei 0 Prozent
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte ihre Geldpolitik unverändert lassen und den Leitzins bei 0 Prozent halten. Zugleich sollte die Zentralbank ihre Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt zur Schwächung des Franken bekräftigen, wobei dieser zuletzt etwas abgewertet hat. Unklar ist allerdings, ob und welche Hinweise sie auf den weiteren geldpolitischen Kurs geben wird. Als Anhaltspunkt könnten Analysten unter anderem die Inflationsprognosen dienen. Diese wird die SNB wegen der Entwicklung der Energiepreise wohl anheben müssen. Es wird interessant sein, zu sehen, welche Inflationsrate sie für 2028 prognostiziert - zuletzt waren es 0,7 Prozent gewesen. Das Mandat der SNB besteht darin, die Inflation bei unter 2 Prozent zu halten. Die Zinsentscheidung wird am Donnerstag (9.30 Uhr) bekannt gegeben. Um 13.00 Uhr folgt die Bank of England (BoE).
Zinsentscheid der BoE im Schatten der Stagflation
Bei der anstehenden BoE-Zinsentscheidung deutet alles auf ein konstantes Zinsniveau von 3,75 Prozent hin. Der neunköpfige Rat steht vor einem klassischen Dilemma: Der Nahost-Konflikt treibt die Inflation in Großbritannien in die Höhe, während gleichzeitig das Wirtschaftswachstum und das Verbrauchervertrauen einbrechen. Es droht eine Stagflation. Ökonomen erwarten mehrheitlich eine 8:1-Stimmverteilung für eine Zinspause. Auch wenn im Juni noch stillgehalten wird, schrauben die Märkte ihre Erwartungen für die kommenden Monate nach oben. Sollten sich Zweitrundeneffekte zeigen, preisen Anleger bis Ende 2026 zwei Zinserhöhungen vollständig ein. Erste Signale hierfür könnten sich bereits in der begleitenden Erklärung zur aktuellen Sitzung verstecken. Sie würden den Boden für eine Anhebung im Juli oder September zu bereiten.
Erste US-Aktivitätsindikatoren für Juni
Erste Hinweise auf die konjunkturelle Entwicklung in den USA im Juni werden die von den Federal Reserves von New York und Philadelphia erhobenen Indikatoren geben. Der Empire-State-Index steht am Montag (14.30 Uhr) an und der Philly-Fed-Index am Donnerstag (14.30 Uhr). Daten zur Industrieproduktion (Montag, 15.15 Uhr) und den Importpreisen (Dienstag, 14.30 Uhr) runden das Bild ab. Aus Europa kommt eher weniger.
ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschland steigen im Juni marginal
Nachdem sich die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobenen Konjunkturerwartungen für Deutschland bereits im Mai aufgehellt hatten, ist die für Juni zu erwartende Entwicklung ungewiss. Im Mai hatte die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Kriegs am Golf die Stimmung gestützt. Seither hat sich die Lage in der Region aber nicht verbessert, auch wenn hin und wieder Schiffe die Straße von Hormus nach dem vom Iran auferlegten Regime durchfahren dürfen. Die bereits veröffentlichten Sentix-Erwartungen sind gestiegen, aber das hat angesichts der sehr erratischen Entwicklungen am Golf kaum Bedeutung. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten rechnen mit einem Anstieg der Konjunkturerwartungen auf minus 8,0 (Mai: minus 10,2) Punkte. Veröffentlichung ist am Dienstag (11.00 Uhr).
(Mitarbeit: Andreas Plecko)
Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com
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June 12, 2026 10:25 ET (14:25 GMT)
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