
© Foto: Akbar Nemati auf Pixabay (Symbolbild)
Bei BMW brennt es lichterloh und trotz des Feuers wird es nicht soll, sondern weiter düster. Drei Gewinnwarnungen in Folge, ein Aktienkurs, der seit Jahresbeginn über 30 Prozent eingebüßt hat, und jetzt auch noch die Drohung von bis zu 7.700 gestrichenen Stellen. Was bei den Münchnern gerade passiert, ist mehr als nur eine schwache Phase. Es ist eine echte Krise. China bricht weg, der Nahostkonflikt treibt die Kosten in die Höhe, und der neue Chef muss aufräumen, was sein Vorgänger hinterlassen hat. Wer noch BMW-Aktien im Depot hat, fragt sich zu Recht: Wie tief kann das noch gehen? Wir haben uns die Lage genauer für Sie angeschaut, aber vorweg, denn Sie ahnen es sicher schon: Es sieht echt leider nicht so prickelnd aus!
Die Krise nimmt kein Ende
Ganz ehrlich gesagt, schaut es bei BMW gerade richtig finster aus. Erst die Gewinnwarnung, jetzt der angekündigte Stellenabbau. Bis zu 7.700 Jobs stehen auf der Kippe, vor allem in der Verwaltung. Neu-Chef Milan Nedeljkovic muss das ausbaden, was sein Vorgänger Oliver Zipse über Jahre verschlafen hat. Die Probleme sind hausgemacht und hausgemacht zugleich extern verschärft. In China brechen die Verkäufe weg, lokale Hersteller bieten günstigere E-Autos an und lassen den Münchnern weniger Luft zum Atmen. Gleichzeitig sorgt der Krieg im Nahen Osten für explodierende Energiekosten. Die Folge davon ist, dass die operative Marge nur noch zwischen ein und drei Prozent liegen soll, vorher waren vier bis sechs Prozent angepeilt. Das hört sich vielleicht für den Außenstehenden nach wenig an, wenn die Marge um 2 oder 3 Prozent fällt, doch in ausmachenden Beträgen sind das Riesensummen. Und bei so wenig Marge, wo soll man da noch Gewinne erzielen? Die Autos teurer machen? Dürfte dann bei den Kunden schlecht ankommen und diese eher noch zur Konkurrenz treiben, die vieles einfach billiger, aber nicht dadurch unbedingt qualitativ schlechter, macht. Also doch Einsparungen, aber auch das kostet erstmal. Ein Dilemma in dem BMW derzeit steckt. Zudem ebenfalls der freie Cashflow kräftig zusammenschrumpft. Goldman Sachs bleibt zwar optimistisch und sieht ein Kursziel von 107 Euro, doch Jefferies hat seine Erwartung auf gerade noch 70 Euro gekappt. Und das eigentliche Problem bleibt, denn niemand weiß, wann sich die Lage in China wieder dreht. Bis September, wenn BMW seinen Kapitalmarkttag abhält, dürfte die Unsicherheit erst mal bleiben.

Charttechnik
Charttechnisch scheint BMW am Boden angekommen, zumindest fast. Die Aktie steht beim tiefsten Stand seit 2020. Der RSI zeigt eine deutliche Überverkauft-Situation an, das spricht kurzfristig für eine technische Gegenbewegung. Ein Rebound in Richtung 65 bis 66 Euro ist also durchaus denkbar, einfach weil die Aktie zuletzt zu schnell und zu stark gefallen ist. Doch wer jetzt auf eine echte Trendwende hofft, könnte herb enttäuscht werden. Die Unterstützungszone bei 57,50 bis 55,20 Euro bleibt der nächste Hoffnungsschimmer, sollte der Kurs erneut absacken. Mittelfristig zeigt der Trend derzeit weiter klar nach unten, und ein Kursziel von 50 Euro erscheint realistischer als eine nachhaltige Erholung. Schwäche erzeugt weiter Schwäche im Chart!
Was tun?
Die Lage bleibt angespannt. Schwache Unternehmenszahlen, eine unschöne Charttechnik und eine fundamentale Entwicklung, die aktuell wenig Hoffnung macht. Bei BMW passt aktuell wenig zusammen und auch wenn die Probleme hausgemacht erscheinen. Die deutsche Katastrophenpolitik hat ihr übriges für die deutsche Automobilindustrie getan und ihr nicht nur einen Sargnagel verpasst. Die jüngsten Nachrichten zum Stellenabbau zeigen, wie ernst es den Münchnern ist. Kurzfristig ist ein Rebound in Richtung 65 - 66 Euro möglich, der RSI lässt es zu. Doch wer langfristig denkt, könnte diese Erholung eher zum Verkauf nutzen. Die gesamte deutsche Autobranche steckt in der Krise, hausgemacht und politisch verschärft. Ein Einstieg lohnt sich aktuell nicht.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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