
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Die Anteile des chinesischen E-Fahrzeugherstellers BYD sind am Montag auf ein neues Mehrjahrestief gefallen, doch es gibt auch Nachrichten, die Hoffnung machen.
BYD stürzt auf Mehrjahrestief ab ...
Die zwischenzeitlich aussichtsreiche Erholung der BYD-Aktie ist längst Geschichte. Zwar zeigten sich während des Iran-Krieges Käuferinnen und Käufer, welche infolge der stark gestiegenen Öl- und Benzinpreise auf einen höheren Absatz von E-Fahrzeugen gewettet haben, doch diese Kursgewinne sind neuen Verkäufen zum Opfer gefallen. Bereits am Montag fielen die Anteile dadurch auf den tiefsten Stand seit September 2024 - solche Mehrjahrestiefs bedeuten starke, technische Verkaufssignale.
Auch am Dienstag stand die Aktie an ihrer Heimatbörse in Hongkong unter Druck, da die hohen Kursverluste an den Börsen in Japan und Südkorea auf andere asiatische Handelsplätze ausstrahlten. Mit einem Minus von 3,2 Prozent bestätigte BYD das am Montag generierte Verkaufssignal und weitete seine Kursverluste aus. Die Furcht der in diesem Jahr ohnehin bereits verlustgeplagten Anlegerinnen und Anlegern vor weiteren Abgaben ist nachvollziehbarerweise groß.
... doch steigende Zulassungszahlen in Europa machen Hoffnung
In dieser angespannten Situation gab es am Dienstagvormittag jedoch auch positive Neuigkeiten. Der Branchenverband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) hat die Zulassungszahlen für Mai veröffentlicht. Die zeigen unter Verbraucherinnen und Verbrauchern ein anhaltend großes Interesse an E-Fahrzeugen - vor allem ausländische Hersteller wie BYD und Tesla profitieren.
Insgesamt wurden im Mai 955.013 Fahrzeuge und damit 3,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat zugelassen. Nach Antriebsarten waren vor allem Hybrid- und Batteriefahrzeuge gefragt, die insgesamt auf einen Markanteil von 67,8 Prozent kamen. Mit 36,2 Prozent erzielten Hybridfahrzeuge über alle Antriebsarten hinweg den größten Anteil, gefolgt von 22 Prozent mit Benzin betriebenen Verbrennungsmotoren. Dicht darauf folgten mit einem Marktanteil von 21,3 Prozent rein batterieelektrische Fahrzeuge. Deren Anteil hatte vor einem Jahr bei 15,4 Prozent gelegen, sie erzielten damit die größten Marktanteilsgewinne
Nach Fahrzeugmarken erzielte Tesla mit 21.767 zugelassenen Fahrzeugen den größten Erfolg, denn das bedeutete gegenüber dem Vorjahresmonat einen Anstieg um 152 Prozent. Der Marktanteil kletterte von 0,9 auf 2,3 Prozent. Auch BYD gelang eine deutliche Leistungssteigerung von 1,1 auf 2,7 Prozent. Diese Fortschritte gingen vor allem zulasten etablierter Marken wie Volkswagen, Renault, Toyota und Fahrzeugen der Stellantis-Gruppe. Das zeigt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher bei E-Fahrzeugen zunehmend bereit dazu sind, außereuropäische Alternativen zu berücksichtigen - die können vor allem über den Preis konkurrieren.
Quelle: TradingView.com | BYD
Die Talfahrt der Aktie dürfte erstmal weiter gehen
Für positive Impulse sorgten die für BYD guten Nachrichten jedoch nicht, an europäischen Handelsplätzen wurden die in Hongkong erlittenen Kursverluste fast vollständig abgebildet. Zwar verbessern sich die Zukunftsaussichten für BYD durch eine wachsende Kundenakzeptanz auf Märkten außerhalb des chinesischen Heimatmarktes. Der aber dürfte auf absehbar lange Zeit der für das Unternehmen wichtigste bleiben - und genau hier ist der Wettbewerbs- und Margendruck aktuell enorm hoch, was die Vorteile von Marktanteilsgewinnen auf anderen Absatzmärkten zunichtemacht.
Angesichts neuer Mehrjahrestiefs ist der Chart der Aktie stark angeschlagen. Mit dem Bruch der Unterstützung im Bereich von 90 Hongkong-Dollar (HKD; 10,07 Euro) hat BYD auch die Chance auf eine Untertassen- beziehungsweise Cup-and-Handle-Formation als bullishes Konsolidierungsmuster aufgegeben. Daher drohen jetzt Verluste bis in den nächstgelegenen Unterstützungsbereich um 70 HKD (7,83 Euro), insbesondere aufgrund des schwachen Trendstärkeindikators MACD, der mit einer Notierung unter seinen (roten) Signallinie auf eine Abwärtstrendbeschleunigung hindeutet. Der Relative-Stärke-Index (RSI) ist zwar überverkauft, aber noch nicht im Extrembereich, sodass eine Gegenbewegung bereits zwingend wäre.
Fazit: Erst wieder kaufen, wenn ein Boden gefunden ist!
Die BYD-Aktie handelt angesichts des Margendrucks auf dem chinesischen Heimatmarkt mit anhaltenden Verlusten. Eine Trendwende ist bislang nicht in Sicht, im Gegenteil. Angesichts neuer Verkaufssignale muss mit weiteren Verlusten von bis zu 10 Prozent gerechnet werden, ehe ein Boden gefunden werden könnte. Es gibt angesichts starker Zulassungsdaten auf dem europäischen Markt zwar auch gute Nachrichten, aber die internationalen Verkäufe sind noch zu gering, die Umsatz- und Gewinneinbußen auf dem Heimatmarkt ausgleichen zu können.
Sie unterstreichen jedoch das grundsätzliche Expansionspotenzial des Unternehmens, und zwar umso mehr, je stärker die Kundenakzeptanz wächst. Verstetigt sich dieser Trend in den kommenden Monaten, während die Aktie einen Boden finden sollte, könnte das für Anlegerinnen und Anleger eine Chance zum Einstieg in das Papier bereithalten. Von Käufen zum aktuellen Zeitpunkt ist jedoch abzuraten.
Gastautor: Max Gross
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