
© Foto: KI-generiertes Symbolbild (ChatGPT).
Die Anteile der Deutschen Telekom kämpfen nach einem Verkaufssignal um den Verbleib über einer wichtigen Unterstützung. Gelingt das Vorhaben der Käufer?
Deutsche Telekom: Jetzt droht ein noch größeres Fiasko
Nach einem eigentlich sehr starken Jahresauftakt droht 2026 für die Anteile der Deutschen Telekom zu einem Fiasko zu werden. Die anhaltend hohen Anleiherenditen sowie steigenden Zinserwartungen sorgen für anhaltenden Verkaufsdruck. Für kapitalintensive Geschäftsmodelle bedeuten höhere Zinsen gleichzeitig auch höhere Kosten und damit Margendruck sowie sinkende Gewinne.
Dadurch haben die Anteile der Bonner zuletzt ihr Vorzeichen gewechselt. Sie notieren nach den jüngsten Verlusten und einem gescheiterten Erholungsversuch inzwischen mit einem Minus von über 4 Prozent gegenüber dem Jahresauftakt. Verglichen mit dem Stand vor einem Jahr stehen sogar Verluste von 16 Prozent zu Buche. Doch nicht nur das: Am Montag ist sie unter den wichtigen Unterstützungsbereich bei 26 Euro und damit auf ein neues Mehrjahrestief gefallen.
Solche gelten in der technischen Analyse als starke Verkaufssignale, doch bislang blieben Anschlussverkäufe aus. Das wahrt der Aktie die Chance, ihren Support wenigstens auf Wochen- und möglicherweise auch auf Monatsbasis zu verteidigen, womit ihr in letzter Sekunde die Rettung und möglicherweise auch eine Gegenbewegung gelingen könnte. Wie sind die Chancen hierauf realistisch einzuschätzen? Dazu der Blick in den Chart:

Der langfristige Aufwärtstrend ist jetzt in aller größter Gefahr ...
Seit dem Corona-Crash und einem Absturz der Anteile auf 10,40 Euro befindet sich die Aktie des deutschen Telekommunikationsgiganten in einem mehrjährigen Aufwärtstrend. Der sieht sich seit mehr als einem Jahr aber zunehmenden Schwierigkeiten ausgesetzt. Schon 2025 hatte das Papier vor allem in der zweiten Jahreshälfte mit anhaltenden Verlusten zu kämpfen. Erst im Spätherbst gelang im Bereich von 26,00 bis 26,50 Euro eine Bodenbildung, welche die Ausgangsbasis für die steile Erholung im Februar bildete.
Die allerdings fiel dem Iran-Krieg und den steigenden Anleiherenditen zum Opfer. Dadurch kam es zu zahlreichen Verkaufssignalen wie dem Unterschreiten der gleitenden Durchschnittslinien, einem Death Cross derselben und am Montag schließlich zum Unterschreiten des bei 26 Euro liegenden Supports. Das daraus hervorgegangene Verkaufssignal zeigte bislang jedoch keine Wirkung, stattdessen ist ein Kampf um die Unterstützungszone zwischen 26,00 und 26,50 Euro entbrannt.
Kann diese verteidigt werden, könnten noch höhere Kursverluste noch einmal abgewendet werden. Mit einem Anstieg in Richtung 28 Euro, wo neben der Abwärtstrendlinie auch die 50-Tage-Linie verläuft, würde zwischenzeitlich für Entlastung gesorgt werden. Fällt die Deutsche Telekom aber per Wochen- oder gar Monatsschluss unter die Marke von 26 Euro, drohen Abgaben bis 22,50 Euro, wo sich aus in 2023 und 2024 markierten Hochs ein Support ableiten lässt.
... doch noch besteht ein kleines Fünkchen Hoffnung
Aus technischer Perspektive überwiegen aktuell die Verkaufssignale. Neben den bereits geschilderten Signale verhalten sich auch die technischen Indikatoren schwach. Der Trendstärkeindikator MACD notiert sowohl unter der Null- als auch der Signallinie, was auf einen an Tempo gewinnenden Abwärtstrend hindeutet. Dazu kommt ein äußerst schwacher Relative-Stärke-Index (RSI). DAs deutet darauf hin, dass auf Schwäche weitere Schwäche folgen dürfte.
Doch ähnlich wie im Kursverlauf selbst ist die Ausgangslage auch in den technischen Indikatoren noch hoffen. Gegenwärtig liegen sowohl der RSI als auch der MACD noch über ihren Ende April markierten Tiefs. Damit besteht die Chance auf bullishe Divergenzen, welche für eine Gegenbewegung der Aktie sorgen könnten. Aus technischer Perspektive ist das neue Mehrjahrestief bislang also nicht bestätigt und birgt die Möglichkeit eines Fehlsignals. Gleichzeitig lässt der überverkaufte RSI die Chancen auf eine Erholung steigen, wenngleich eine solche angesichts eines Wertes um 30 nicht zwingend ist.
Fazit: Schwacher Chart, aber attraktive Bewertung
Für Anlegerinnen und Anleger bleibt angesichts der aktuell noch offenen Ausgangslage nur das Abwarten. Ein Wochen- beziehungsweise Monatsschluss unter 26 Euro - gegenwärtig das wahrscheinlichere Szenario - wäre klar bearish zu interpretieren und könnte zum Anlass für Verkäufe genommen werden. Hält die Unterstützung dem Verkaufsdruck dagegen stand, könnten mutige Investoren einen antizyklischen Einstieg suchen und auf eine Gegenbewegung bis wenigstens 28 Euro wetten.
Aus einer fundamentalen Perspektive hat die Telekom-Aktie inzwischen ein ausreichend attraktives Niveau erreicht. Das für 2026 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 13,1. Für 2027 sind die Bonner mit dem 11,7-Fachen ihrer erwarteten Gewinne bewertet. Selbst wenn weiter steigende Zinsen die Ertragserwartungen verringern sollten, notiert die Deutsche Telekom damit bereits deutlich unter dem 10-Jahres-Mittel von 17,8. Günstiger sind gegenwärtig nur die allerdings deutlich stärker verschuldeten US-Telekommunikationsanbieter AT&T und Verizon. Gleichzeitig liegt die Dividendenrendite mit mehr als 4 Prozent inzwischen deutlich über der allgemeinen Inflationsrate. Sollten die 26 Euro daher tatsächlich verteidigt werden können, besteht für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger mit bevorzugtem Blick auf Fundamentaldaten eine Einstiegschance.
Gastautor: Max Gross
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