29.06.2026 -
Sehr geehrte Damen und Herren, die Weltwirtschaft zeigte sich im ersten Halbjahr 2026 trotz des geopolitischen Chaos insgesamt robust. Getrieben von einem soliden globalen Konjunkturpfad, unterstützender Geld- und Fiskalpolitik sowie dem KI-Boom konnte der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten nach dem Kursfeuerwerk 2025 grundsätzlich anhalten, auch wenn die Volatilität - insbesondere unterhalb der Oberfläche - klar zugenommen hat. Die USA profitierten von einem starken Wachstum und einer ausgeprägten KI-Dynamik, während sich Europa als Nettoenergieimporteur mit höheren Energiekosten, einer Wachstumsflaute und einer schwachen Gewinnentwicklung konfrontiert sah. Neben den US-Aktien gehörten andere KI-Profiteure etwa aus Südkorea und Taiwan zu den klaren Gewinnern der ersten Jahreshälfte 2026. Staatsanleihen und Edelmetalle taten sich durch die im Zuge des Irankrieges gestiegenen Leitzinserwartungen und langfristigen Renditen schwer. Unser Basisszenario für das zweite Halbjahr bleibt vorsichtig optimistisch. Zwar bleiben Konjunktur-, Inflations- und geopolitische Risiken auch nach Beendigung des Irankrieges aufgrund immer noch erhöhter Energiepreise präsent oder nehmen rund um die US-Zwischenwahlen sowie der anziehenden IPO-Aktivität sogar zu. Gleichzeitig stützen jedoch eine global expansive Fiskalpolitik, robuste Unternehmensgewinne, reichlich Liquidität und der säkulare KI-Wachstumsmotor die Märkte. Solange weder eine deutliche Straffung der US-Geldpolitik noch eine Rezession absehbar sind, sehen wir keinen Grund, Aktien strategisch zu untergewichten. Entsprechend fahren wir weiterhin eine moderate Aktienübergewichtung mit Präferenz für die USA, ausgewählte Schwellenländer und KI-Gewinner, ergänzt um selektive Value-Sektoren wie Banken und Rohstoffaktien. Edelmetalle bleiben aus unserer Sicht trotz der jüngsten Korrektur ein wichtiger Portfoliobaustein, da höhere Staatsverschuldungen und strukturell erhöhte Inflation das Argument für Sachwerte untermauern. Bei Staatsanleihen - vor allem im Kernsegment - bleiben wir angesichts steigender Neuemissionen, schwächerer Diversifikationseigenschaften und zunehmender Konkurrenz durch die Finanzierung großer KI-Investitionen untergewichtet. Unternehmensanleihen erachten wir in Relation zu Staatsanleihen trotz der engen Risikoaufschläge als attraktiver. Eine erhöhte Kasseposition halten wir bewusst als "trockenes Pulver" vor, um mögliche Rücksetzer und Phasen erhöhter Volatilität im weiteren Jahresverlauf taktisch zu nutzen. Ulrich Urbahn Leiter Multi Asset Strategy & Research
