
© Foto: fn Symbolbild
Monatelang dümpelte die Evotec-Aktie zwischen Hoffen und Bangen, Freud und Leid. Jetzt mehren sich aber möglicherweise die Anzeichen, dass sich das Blatt wenden könnte. Mit J.TRAIN bringt das Hamburger Biotech-Unternehmen eine Technologie an den Start, die Kunden neugierig werden lässt. Gleichzeitig zeigt der Chart erste Lebenszeichen. Reicht das aber, um die lange Durststrecke zu beenden? Wir werfen einen Blick auf Zahlen, Charttechnik und die jüngsten Nachrichten und sagen, worauf es jetzt ankommt. Wo ist die entscheidende Kursmarke?!
Evotec bringt frischen Wind mit J.TRAIN
Evotec hat mit J.TRAIN ein schlüsselfertiges Produktionskonzept vorgestellt, das Kunden direkt vor Ort eine deutlich effizientere Biologika-Herstellung ermöglicht. Auf weniger als 1.000 Quadratmetern lassen sich über 500 Kilogramm Wirkstoff produzieren. Das ist mehr als zehnmal so viel wie mit klassischen Verfahren. Die Sandoz-Transaktion vom Dezember bestätigte bereits, dass das Modell funktioniert. Parallel zeigt sich Evotec auf Fachkongressen in Montpellier und Basel von seiner wissenschaftlichen Seite und untermauert damit die Position als gefragter Entwicklungspartner.
Umbau mit neuem Gesicht an der Spitze
Hinter den Kulissen tut sich derweil einiges. Mit Dieter Weinand sitzt seit der Hauptversammlung im Juni ein erfahrener Pharma-Manager an der Spitze des Aufsichtsrats. Der frühere Bayer-Vorstand kennt das internationale Geschäft aus jahrelanger Arbeit bei Pfizer und soll Evotec helfen, aus der wissenschaftlichen Stärke endlich mehr kommerziellen Erfolg zu machen. Genau das fordern Beobachter seit Monaten. Der Insiderverkauf von Vorstandsmitglied Cord Dohrmann Mitte Juni sorgte zwar kurzzeitig für Verunsicherung, änderte am grundsätzlichen Bild aber wenig. Entscheidend bleibt, ob das Sparprogramm Horizon in den kommenden Quartalen sichtbare Spuren in den Zahlen hinterlässt. Kommen wir zur Charttechnik und der wichtigen Marke!

Charttechnik
Der Kurs kämpft seit Monaten mit der 50-Tage-Linie bei rund 5,01 Euro. Zuletzt gelang ein Sprung über diese Marke, aktuell steht die Aktie bei etwa 5,04 Euro. Spannend wird es oberhalb von 5,60 Euro: Dort liegt eine wichtige charttechnische Hürde. Ein Ausbruch darüber könnte die aufgestaute Energie der langen Seitwärts- und Abwärtsbewegung freisetzen und das durchaus heftig. Theoretisch wäre sogar eine Kursverdopplung denkbar. Gelingt der Sprung über 5,60 Euro, läge die Aktie über dem 50er und dem 200er SMA. Der 200er verläuft derzeit bei 5,55 Euro. Das wäre ein echter Trendwechsel und könnte explosives Potenzial freisetzen. Auch die Leerverkäufer wären dann wohl gezwungen, einzudecken - vielleicht sogar zu jedem Preis, wenn es schnell geht.
Was tun?
Operativ bleibt Evotec auf Sanierungskurs: Der Umsatz fiel im ersten Quartal um fast 22 Prozent, das Sparprogramm Horizon soll bis 2027 jährlich 75 Millionen Euro einsparen. Der neue Aufsichtsratschef Dieter Weinand bringt frischen Schwung und Pharma-Erfahrung mit. Die Jahresprognose wurde trotz allem bestätigt. Charttechnisch lockt die Marke bei 5,60 Euro als Befreiungsschlag. Wer Geduld mitbringt und an die Horizon-Strategie glaubt, kann eine erste Position aufbauen, sollte aber den Ausbruch über die genannte Marke abwarten, bevor er stärker einsteigt. Ein Stopp unterhalb der jüngsten Tiefs schützt vor Rückschlägen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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