25.06.2026 -
Die erste Fed-Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh wurde mit Spannung erwartet. Und tatsächlich krempelte "the new Sheriff in town" so einiges um: So wurde beispielsweise das Fed-Statement auf Erbsengröße geschrumpft, die Forward-Guidance ganz grundsätzlich abgeschafft und die Dots-Plots in ihrer Bedeutung abgewertet. Warsh ist - und das ließ sich nicht übersehen - ein klarer Verfechter des Ansatzes "weniger ist mehr" in Sachen Zentralbankkommunikation.

Er selbst hat den Markt dann auch eines "Dots" beraubt. Die Dots sind die (anonymen) Punktprognosen der einzelnen FOMC-Mitglieder hinsichtlich der angemessenen geldpolitischen Ausrichtung der Federal Reserve in den kommenden Jahren. Warsh gestand in der Pressekonferenz, keine solche Prognose abgegeben zu haben, da er der Ansicht ist, Zentralbanken sollten nicht versuchen, die Zukunft vorherzusagen. Vielmehr sollten sie Taten und weniger Worte sprechen lassen.
Für die Märkte bedeutet diese neue Art der Kommunikation eine Umstellung. Die Rückkehr zum Kommunikationsansatz aus Zeiten von Alan Greenspan (als versucht wurde, die geldpolitische Entscheidung durch die Dicke seiner Aktentasche vorherzusagen) dürfte die Zinsunsicherheit und damit die Schwankungsintensität erhöhen.
Klar wurde auf der ersten Sitzung von Warsh hingegen, dass er die Inflation in den USA als das Hauptproblem für die Fed ausgemacht hat. Der Arbeitsmarkt, das zweite Mandatselement der Fed, wurde nahezu komplett ausgeklammert.
Warsh' Fokus auf die zu hohe Inflation sowie die 9 Dots der anderen FOMC-Mitglieder, die eine Zinsanhebung in 2026 prognostizieren, erklären weshalb der Markt die erste Sitzung unter Warsh als falkenhaft interpretierte.
Wer also dachte, Warsh übernimmt das Amt und macht Dienst nach Trump'scher Vorschrift, weiß spätestens seit dem 17. Juni 2026: Hier ist jemand neu im Amt, der der Inflation in den USA den Kampf ansagen wird. Und da Inflation aus Sicht von Warsh die "freie Wahl der Zentralbanken ist" ("inflation is a choice") werden wir so schnell kaum die von Trump so sehnlich erwarteten Zinssenkungen in den USA sehen.
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