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Vor fünf Jahren erhielt First Graphene nach Angaben von CEO Michael Bell nur wenige Anfragen pro Woche. Heute seien es zwischen 100 und 150. Für Bell ist das kein Zufall, sondern Ausdruck eines grundlegenden Wandels innerhalb der Graphen-Branche.
"Vor fünf Jahren bekamen wir vielleicht einige Anfragen pro Woche. Heute erhalten wir zwischen 100 und 150 Anfragen jede Woche", sagt Bell im Interview mit Dr. Reuter Investor Relations. Gleichzeitig betont er, dass sich nicht nur die Anzahl der Anfragen verändert habe. Auch die Qualität der Gespräche sei heute eine andere als noch vor wenigen Jahren.
Was ist passiert?
"Es gibt heute viel mehr Belege" - Warum Unternehmen Graphen anders bewerten
Nach Einschätzung von Bell befindet sich die Branche an einem anderen Punkt als noch vor einigen Jahren.
"Es gibt heute so viele Daten und so viele Belege dafür, dass Graphen ein bedeutender Materialzusatz sein wird", erklärt der CEO. Unternehmen müssten heute nicht mehr überzeugt werden, dass Graphen grundsätzlich funktioniere. Stattdessen gehe es immer häufiger um eine ganz praktische Frage: Wie lässt sich das Material sinnvoll in bestehende Produkte integrieren?
Diese Entwicklung dürfte auch mit den zahlreichen Industrieprojekten zusammenhängen, die in den vergangenen Jahren gestartet wurden. Während Graphen lange vor allem mit Forschung und Laborversuchen verbunden war, rücken heute Anwendungen in Beton, Beschichtungen, Verbundwerkstoffen oder Kunststoffen zunehmend in den Mittelpunkt.
Warum aus einer Anfrage noch lange kein Auftrag wird
Trotz der steigenden Nachfrage beschreibt Bell die Kommerzialisierung als einen Prozess, der Geduld erfordert.
"Jede Anwendung hat ihren eigenen Entwicklungszyklus", sagt er. Während manche Projekte innerhalb weniger Monate zur Marktreife gelangen könnten, benötigten andere Industrien deutlich mehr Zeit. Gerade bei Korrosionsschutzsystemen oder Infrastrukturprojekten seien umfangreiche Testprogramme erforderlich, bevor ein neues Material zugelassen werde.
Deshalb bewertet First Graphene neue Kontakte nicht allein nach ihrer Anzahl. Entscheidend sei vielmehr, wie viele Projekte Schritt für Schritt in Richtung Serienproduktion voranschreiten.
Nach Angaben des Unternehmens verfügt First Graphene derzeit über rund 35 Kunden in der Produktionsphase. Weitere etwa 50 Kunden hätten ihre Produktionstests erfolgreich abgeschlossen und stünden kurz vor Produkteinführungen oder regulatorischen Freigaben. Darüber hinaus umfasse die Entwicklungspipeline inzwischen rund 700 Projekte in unterschiedlichen Stadien.
"Nicht jede Anfrage passt zu Graphen" - Warum Auswahl wichtiger wird
Interessanterweise sieht Bell den starken Anstieg der Anfragen nicht nur als Chance.
"Nicht jede Anfrage ist zwangsläufig die richtige Anwendung für Graphen", erklärt er. Das Unternehmen müsse genau prüfen, in welchen Bereichen das Material tatsächlich einen messbaren Mehrwert liefere und wo sich Entwicklungsressourcen am sinnvollsten einsetzen ließen.
Gerade weil das Einsatzspektrum von Graphen so breit sei, falle die Auswahl der Projekte zunehmend ins Gewicht. Nach Angaben des Unternehmens reichen die aktuellen Anwendungen von Beton und Zement über Verbundwerkstoffe bis hin zu Pulverbeschichtungen, Textilien und weiteren Spezialanwendungen.
Warum jeder neue Kunde den nächsten leichter machen könnte
Bell sieht noch einen weiteren Grund für die wachsende Dynamik.
Je mehr erfolgreiche Anwendungen bereits existierten, desto einfacher werde es, neue Industriekunden zu gewinnen. Unternehmen könnten heute auf reale Praxisbeispiele zurückgreifen, anstatt sich ausschließlich auf Laborergebnisse zu verlassen.
"Je mehr Anwendungen wir erfolgreich entwickeln, desto leichter können wir neue Kunden überzeugen", beschreibt Bell diesen Effekt sinngemäß. Die Zahl der Referenzprojekte wachse kontinuierlich und erhöhe damit die Glaubwürdigkeit neuer Materiallösungen.
Warum die Graphen-Branche gerade eine neue Phase erleben könnte
Die Aussage von 100 bis 150 Anfragen pro Woche ist deshalb weit mehr als eine einzelne Unternehmenskennzahl.
Sie deutet auf eine Entwicklung hin, die Bell im gesamten Markt beobachtet. Graphen wird nach seiner Einschätzung heute nicht mehr ausschließlich als Zukunftstechnologie wahrgenommen. Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich konkret mit der Frage, wie sich das Material in bestehende Produkte integrieren lässt und welchen wirtschaftlichen Nutzen es dabei bieten kann.
Ob sich alle diese Projekte später auch in kommerzielle Erfolge verwandeln, bleibt offen. Die Richtung scheint für Bell jedoch klar zu sein.
"Das Interesse wächst deutlich", sagt der CEO. Und genau darin könnte sich zeigen, dass die Graphen-Branche langsam die Phase erreicht, in der nicht mehr allein über das Potenzial des Materials gesprochen wird, sondern zunehmend über konkrete industrielle Anwendungen.
Quellen:
Interview mit Michael Bell, Dr. Reuter Investor Relations.
https://firstgraphene.net/investors/executive-interviews/
https://www.azonano.com/article.aspx?ArticleID=7012
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