GÖTEBORG (dpa-AFX) - Der von Chinesen kontrollierte schwedische Autobauer Volvo Cars hat im zweiten Quartal wegen des Preiskampfs in China und steigender Rohstoffkosten noch schwächer abgeschnitten als befürchtet. Der Umsatz fiel um 17 Prozent auf 77,7 Milliarden schwedische Kronen (rund 7 Mrd Euro), wie das Unternehmen am Freitag in Göteborg mitteilte. Damit fiel der Rückgang höher aus als von Analysten erwartet. Die Zahl der verkauften Autos sank um sechs Prozent auf 171.500 Stück. Zudem verfehlte Volvo mit einem operativen Ergebnis (Ebit) von 826 Millionen Kronen die Erwartungen der Experten. Die Aktie rutschte deutlich ab.
Das Papier fiel in Stockholm um bis zu fast 11 Prozent, zuletzt notierte es gut 7 Prozent im Minus. Im laufenden Jahr sackte der Kurs bereits um 36 Prozent ab. Analyst Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies sprach zwar von weitgehend wie erwartet ausgefallenen Resultaten. Die gesenkte Prognose für einen ausgeglichenen Zahlungsmittelfluss bringe aber erhöhte Umsetzungsrisiken für ein einzelnes Quartal mit sich. Die allgemeine Erwartung habe sich zuletzt auf einen Abfluss an Mitteln eingependelt, schrieb er.
Im Vorjahresquartal hatte Volvo operativ noch tief in der Verlustzone gesteckt. Dank Einsparungen vor allem bei den Kosten für Forschung und Entwicklung blieb im vergangenen Quartal trotz des Umsatzeinbruchs ein kleiner operativer Gewinn übrig. Volvo-Car-Chef Hakan Samuelsson rechnet aber im zweiten Halbjahr wegen des Wachstums in Europa und der Erholung in den USA mit besseren Verkaufszahlen. Zudem sollte sich der Zahlungsmittelzufluss zum Jahresende hin deutlich verbessern.
Volvo Cars gehört zum chinesischen Autokonzern Geely . Dieser hält fast 80 Prozent der Aktien. Der Kurs der Volvo-Car-Anteilsscheine sackte im bisherigen Jahresverlauf um über ein Drittel ab. Das Unternehmen ist nach dem Kursrutsch gerade mal noch umgerechnet knapp 5,3 Milliarden Euro wert.
Der Autobauer kämpft seit längerem mit schweren Problemen. Im Hochlauf der Elektromobilität mussten die Schweden während der Lieferengpässe in und nach der Corona-Pandemie hohe Preise für Batteriematerialien zahlen, danach fand der Konzern nicht mehr recht in die Spur zurück. Der glücklose Ex-Chef Jim Rowan musste Branchenveteran Samuelsson Platz machen, der zuvor schon einmal an der Volvo-Spitze gestanden hatte. Der Manager leitete ein großes Sparprogramm ein, das erst einmal viel Geld kostete.
Aktuell steckt die Branche und mit ihr Volvo aber erneut in einem Abschwung. "Die Marktlage ist ziemlich düster", sagte Samuelsson der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die von Anlegern mit dem starken Kursanstieg von Ende 2025 vorweggenommene Erholung des Unternehmens lässt mehr und mehr auf sich warten. Vor allem das einst gedeihende Geschäft in China will nicht wieder auf die Füße kommen und belastet mit dem dortigen Preiskampf die Margen.
Volvo sprach von einem sehr herausfordernden Umfeld und kassierte das Ziel, dieses Jahr bei den Verkäufen zu wachsen. Auch aus dem zuvor angepeilten Zufluss an freien Finanzmitteln dürfte nichts mehr werden, ein starkes zweites Halbjahr dürfte gerade so für eine ausgeglichene Bilanz sorgen./men/zb/mis



