
© Foto: Rafael Minguet Delgado
Bei Nel Asa ist und bleibt die Lage verzwickt. Vor ein paar Wochen der Höhenflug, dann der Fall zurück auf "Los". So lässt sich die jüngste Kursbewegung wohl am besten beschreiben. Während der Auftragseingang förmlich explodiert, wächst gleichzeitig der Verlust. Dazu kommt der Rückzug des Firmenchefs. Reicht das Cash-Polster, um die schwierige Phase zu überstehen? Und was sagt der Chart? Wir haben uns die Lage genauer angeschaut und zeigen, worauf Anleger jetzt achten sollten.
Geduldsprobe für Anleger
Die Norweger stecken mittendrin in einer Phase, die man getrost als Geduldsprobe bezeichnen kann. Die letzten Zahlen Mitte Juli fielen nicht berauschend aus: Der Umsatz sackte um 12 Prozent ab, unterm Strich stand ein größerer Verlust als im Vorjahr. Gleichzeitig kündigte Vorstandschef Hakon Volldal seinen Abschied an. Das ist für die Börse eher selten ein gutes Signal, es sei denn man hofft drauf, dass sich danach alles zum Guten wendet. Aber: Auf der anderen Seite steht bei Nel ein Auftragseingang, der sich im Jahresvergleich mehr als verdreifacht hat. Vor allem das PEM-Geschäft läuft rund. Ob daraus bald echte Umsätze werden, ist aber offen. Immerhin: Rund 1,3 Milliarden norwegische Kronen an flüssigen Mitteln verschaffen dem Unternehmen noch etwas Luft. Das Marktumfeld bleibt trotzdem zäh, denn viele Kunden schieben Wasserstoffprojekte derzeit auf. Schaut man sich die Aktie etwas genauer an, fällt außerdem auf, dass für große institutionelle Anleger Nel Asa derzeit wohl eher kaum eine Rolle spielt. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 333 Millionen Euro liegt das Unternehmen meist unter der Schwelle, ab der viele Fonds und Family Offices überhaupt erst einsteigen. Gehandelt wird die Aktie deshalb vor allem von kurzfristig orientierten Tradern, die auf schnelle Bewegungen setzen. Das erklärt auch ein Stück weit die Nervosität im Kurs. Größere, stabilisierende Käufer fehlen einfach. Erst wenn sich das operative Bild dauerhaft aufhellt, dürfte sich das ändern und damit womöglich auch die Nachfrage aus dem institutionellen Lager.

Charttechnik
Der Blick auf den Chart macht es für Investoren nicht einfacher. Ein trauriger Anblick. Nach dem kurzen Ausbruch auf rund 0,37 Euro ging es fix wieder zurück auf das alte Niveau um 0,20 Euro. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, doch bislang hat sie sich nicht ausgezahlt. Der RSI notiert bei etwa 40 also weder überkauft noch überverkauft. Viel Aussagekraft hat das gerade nicht, ehrlich gesagt. Nach unten sollte die Marke von 0,18 Euro halten. Rutscht der Kurs darunter, wären Kurse zwischen 0,12 und 0,14 Euro denkbar. Nach oben braucht es erst einen Sprung über 0,25 Euro, damit die Lage wieder freundlicher aussieht. Erst dann könnte ein neuer Anlauf Richtung 0,37 Euro folgen. Dazwischen? Ziemliches Niemandsland.
Was tun?
Fundamental zeigt Nel Asa kein aufgehelltes Bild: schwache Umsätze und höhere Verluste stehen einem kräftig wachsenden Auftragsbuch gegenüber. Der Führungswechsel könnte zusätzlich für Unsicherheit sorgen, auch wenn der Verwaltungsrat am eingeschlagenen Kurs festhält. Charttechnisch fehlt bislang ein klares Signal, weder Ausbruch noch Einbruch sind bestätigt. Wer bereits investiert ist, könnte die Position mit einem Blick auf die Marke bei 0,18 Euro laufen lassen. Für einen Neueinstieg spricht derzeit wenig. Die Nachrichten geben das einfach nicht her. Ein Kauf könnte sich eher erst nach einem bestätigten Ausbruch über 0,25 Euro lohnen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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