Anzeige
Mehr »
Dienstag, 28.07.2026 - Börsentäglich über 12.000 News
Rohstoffstory der Spitzenklasse: Wie genau schauen Sie hin?
Anzeige

Indizes

Kurs

%
News
24 h / 7 T
Aufrufe
7 Tage

Aktien

Kurs

%
News
24 h / 7 T
Aufrufe
7 Tage

Xetra-Orderbuch

Fonds

Kurs

%

Devisen

Kurs

%

Rohstoffe

Kurs

%

Themen

Kurs

%

Erweiterte Suche
Asset Standard
270 Leser
Artikel bewerten:
(1)

Heiko Böhmer (Shareholder Value): Drei Dinge, die mich derzeit umtreiben - und drei, bei denen ich gelassen bleibe

28.07.2026 -

Der von mir sehr geschätzte US-Marktanalyst David Bahnsen hat kürzlich fünf Sorgen und fünf beruhigende Gegenpunkte aufgelistet - eine wirklich gute Übung. Ich verdichte sie lieber auf das Wesentliche: drei Dinge, die mich derzeit tatsächlich verunsichern, und drei, bei denen ich die vorherrschende Nervosität nicht teile. Die Auswahl ist bewusst subjektiv - sie spiegelt, was mir als wertorientiertem Investor wirklich Kopfzerbrechen bereitet, und was ich für Lärm halte, so laut er auch klingt. Gerade in Zeiten wie diesen in denen viele Dinge aus dem Ruder laufen, möchte ich so Orientierung geben.

Was mich verunsichert

1. Der S&P 500 ist konzentrierter, als sein Name suggeriert.

Die zehn größten Werte im Index haben inzwischen einen Anteil von 38,6 Prozent - vor sechs Jahren waren es 25,6 Prozent. Halbleiter allein machen 19,7 Prozent des Index aus, ein historischer Höchstwert. Wer glaubt, mit einem breiten Indexfonds diversifiziert zu sein, besitzt in Wahrheit eine konzentrierte Wette auf eine Handvoll Geschäftsmodelle.

Das Problem ist nicht, dass diese Unternehmen schlecht sind. Das Problem ist der Satz "das werden die sicheren Gewinner dieser Ära sein". Jeder, der diesen Satz in der Investmentgeschichte ernsthaft gesagt hat, hat ihn irgendwann bereut. Anders als beim Dotcom-Crash, als nur ein Teil der Anleger direkt exponiert war, glauben heute viele, über einen "diversifizierten" Indexfonds abgesichert zu sein - und sind es faktisch nicht.

2. Die eine Tasche finanziert die andere.

Die Story, dass Halbleiterwerte die Aufrüstung der Hyperscaler in Rechenzentren rechtfertigen, hat einen blinden Fleck: Diese Investitionen müssen finanziert werden - durch neue Aktien, die bestehende Aktionäre verwässern, oder durch zusätzliche Schulden. Wahrscheinlich durch beides. Wer die Halbleiter-Rally feiert, sollte sich klarmachen, dass ihr Gegenstück auf der Bilanz der Hyperscaler steht, nicht als Geschenk.

3. OpenAI ist too big to fail, ohne dass irgendjemand darüber abgestimmt hat.

Nach der Herabstufung von Oracle wurde bekannt, dass OpenAI rund die Hälfte der 638 Milliarden Dollar an offenen Vertragsverpflichtungen von Oracle ausmacht. Ein Unternehmen mit minimalen Umsätzen und massiven Verlusten ist damit systemrelevant für einen der größten Cloud-Anbieter der Welt geworden - ohne dass es dafür einen regulatorischen Rahmen gibt.

Sollte sich diese Wette nicht auszahlen, ist eine staatliche Beteiligung an OpenAI kein Extremszenario mehr, sondern ein plausibler nächster Schritt. Genau diese Verflechtung eines einzelnen, kaum profitablen Unternehmens mit dem gesamten Cloud-Ökosystem halte ich für unterschätzt - nicht weil sie morgen eskaliert, sondern weil sie im Ernstfall kaum isoliert werden könnte.

Was mich nicht beunruhigt

1. Die Angst vor massenhaftem KI-bedingtem Jobabbau.

Die Daten zeigen bislang das Gegenteil: Unternehmen mit hoher KI-Durchdringung stellen mehr ein, nicht weniger - Einstiegsjobs plus 12 Prozent, Gesamteinstellungen plus 10 Prozent. Die Arbeitslosigkeit unter Berufseinsteigern sinkt seit Beginn der breiten KI-Nutzung, und Unternehmensgründungen sind um 30 Prozent gestiegen. Das heißt nicht, dass einzelne Berufsbilder verschont bleiben - aber die These vom unmittelbaren gesamtwirtschaftlichen Jobschock lässt sich in den Zahlen schlicht nicht finden.

2. Der Energiesektor.

Vor wenigen Jahren hieß es, Öl und Gas seien ein Auslaufmodell. Diese Erzählung ist leiser geworden - aus gutem Grund. Die Stromknappheit, die der KI-Ausbau erzeugt, lässt sich ohne fossile und andere Energieträger nicht lösen, und geopolitisches Gewicht lässt sich ohne Energiehebel kaum aufbauen. Wer den Sektor nur über den Ölpreis und die Straße von Hormus betrachtet, verpasst den eigentlichen strukturellen Punkt.

3. Software ist nicht tot.

Die Bewertungsmultiples des Sektors sind auf Zehnjahrestief gefallen, weil einige wenige überteuerte Schwergewichte den Gesamtindex verzerren.

Der mediane Softwarewert hat sich deutlich besser entwickelt als der Sektor insgesamt. Es gibt keine bequeme, einheitliche Erzählung mehr - manche Unternehmen profitieren von KI, manche leiden zunächst und profitieren später, manche haben Moat und Daten, manche nicht. Genau das ist eine gute Nachricht für aktive, fundamentale Investoren.

Mein Fazit: Weder Euphorie noch Absturz

Die drei Sorgen und die drei Beruhigungen widersprechen sich nicht - sie beschreiben denselben Markt aus zwei Blickwinkeln. Konzentration, Verschuldung und systemische Abhängigkeiten sind reale Risiken, die man nicht wegdiskutieren sollte. Gleichzeitig sind Weltuntergangsnarrative zu Arbeitsmarkt, Energie und Software bislang nicht durch Daten gedeckt.

Für uns als wertorientierte Investoren bedeutet das: kein pauschales Urteil über "den Markt", sondern die unbequeme, aber notwendige Arbeit, jedes Geschäftsmodell einzeln zu prüfen. Genau dafür gibt es keine Abkürzung - auch nicht in dieser Marktphase. Wer das leistet, wird von der Konzentration weniger Namen nicht überrascht, sondern profitiert von den Chancen, die abseits davon liegen.

© 2026 Asset Standard
Achtung, Korrektur!
Die Börsen laufen heiß. Trotz geopolitischer Krisen und steigender Zinsen klettern viele Indizes weiter Richtung Allzeithoch. Doch unter der Oberfläche zeigen sich erste Risse: Der Abverkauf bei Halbleiter-, KI- und Space-Aktien macht deutlich, wie schnell sich die Stimmung drehen kann.

Besonders gefährlich ist die aktuelle Gemengelage aus schwacher Saisonalität, dünner Liquidität in den Sommermonaten und historisch hohen Bewertungen. Selbst vermeintlich sichere Blue Chips sind inzwischen teuer bewertet und damit anfällig für Korrekturen. Gleichzeitig liefern technische Indikatoren erste Warnsignale. So werden viele Rekordstände nicht mehr bestätigt.

Für Anleger steigen die Risiken spürbar. Wer jetzt nicht genauer hinschaut, läuft Gefahr, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

In unserem aktuellen Spezialreport zeigen wir fünf Aktien, bei denen die Abwärtsrisiken besonders hoch sind – und wo sich Gewinnmitnahmen oder sogar Short-Strategien anbieten könnten.

Jetzt den kostenlosen Report sichern – bevor die Korrektur Fahrt aufnimmt!
Werbehinweise: Die Billigung des Basisprospekts durch die BaFin ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend zu informieren, insbesondere über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers. Sie sind im Begriff, ein Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann.