
© Foto: OptLasers auf Pixabay (Symbolbild)
Vom Überflieger zum Sorgenkind und dann wieder zurück? Bei LPKF Laser geht es derzeit heiß her. Erst der Höhenflug im Sog der KI-Euphorie, dann der Rückschlag nach schwachen Halbjahreszahlen. Jetzt natürlich die Frage: Wie tief geht es noch runter, bevor es wieder aufwärts gehen kann? Analysten sehen trotz der roten Zahlen weiter Potenzial. Ein Vorstand kauft eigene Aktien, und im Hintergrund reift eine Milliarden-Chance im Halbleitermarkt heran. Genug Stoff für einen genauen Blick auf Zahlen, Chart und Aussichten.
Zahlen und Ausblick
Ganz rosig sieht es bei LPKF derzeit nicht aus. Im ersten Halbjahr brach der Umsatz um rund 38 Prozent auf 36,5 Millionen Euro ein, das EBIT rutschte auf -14,1 Millionen Euro. Schuld ist vor allem das lahmende Solargeschäft, denn der erwartete Boom bei Perowskit-Zellen lässt weiter auf sich warten. Gleichzeitig belastet ein negativer Cashflow von 11,5 Millionen Euro die Bilanz, weshalb der Vorstand nun mit dem Sparprogramm "Nordstern" gegensteuert. An der Jahresprognose von 105 bis 120 Millionen Euro Umsatz hält das Management trotz allem fest. Das ist ein Signal, dass man die Delle nur für vorübergehend hält.
Wachstumsmarkt Halbleiter
Die eigentliche Fantasie steckt aber woanders. Mit der LIDE-Technologie hat sich LPKF im Bereich Glassubstrate positioniert, einem Feld, das für die Chip-Fertigung der Zukunft immer wichtiger wird. Das adressierbare Marktpotenzial dafür beziffert das Unternehmen inzwischen auf rund 1,7 Milliarden Euro bis 2030, deutlich mehr als noch vor kurzem angenommen. Erste Aufträge, etwa von einem Spezialglashersteller und der Penn State University, zeigen, dass große Namen bereits mit LPKF-Technik experimentieren. Warburg Research reagierte mit einer Hochstufung auf "Buy" und einem Kursziel von 23,50 Euro, auch Montega sieht mit 22 Euro Luft nach oben. Zusätzliches Vertrauen schafft Finanzvorstand Peter Mümmler, der Ende Juli für 21.000 Euro eigene Aktien zu 14,00 Euro kaufte.

Charttechnik
Der Chart erzählt gerade seine ganz eigene Geschichte. Von unter 6 Euro ging es binnen weniger Monate bis auf über 30 Euro nach oben, ein regelrechter Kursrausch. Jetzt wurde mehr als nur ein gutes Stück davon wieder abgegeben. Sollte der Abwärtstrend anhalten, wäre eine Korrektur bis etwa 11 Euro nicht überraschend, dort läge dann eine vollständige Auskorrektur des vorherigen Anstiegs vor. Genau an dieser Marke könnte sich ein neuer Boden bilden, von dem aus ein Reboundversuch in Richtung 19 bis 20 Euro denkbar wäre.
Was tun?
Unterm Strich bleibt LPKF eine Aktie mit zwei Gesichtern. Operativ läuft es holprig, der Cashflow schmerzt, und die große Perowskit-Story lässt noch auf sich warten. Gleichzeitig kaufen Insider, wenn auch nur in kleinem Umfang. Analysten trauen dem Papier deutlich höhere Kurse zu, und die wachsende LIDE-Chance im KI-Chipmarkt liefert echte Substanz für die Zukunft. Wer schon investiert ist, sollte den Bereich um 11 Euro als möglichen Nachkaufpunkt im Blick behalten. Neueinsteiger könnten den Rücksetzer abwarten, statt jetzt ins noch fallende Messer zu greifen. Die langfristige Story bleibt spannend und intakt!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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