
© Foto: Nic Wood auf Oexles (Symbolbild)
Drei Tage in Folge geht es abwärts, der Sektor zittert, und trotzdem passiert bei Infineon operativ gerade jede Menge und auch Positives. Eine neue Fabrik in Dresden, ein Patentsieg gegen die chinesische Konkurrenz sowie eine angehobene Umsatzprognose. Allerdings will der Kurs davon nichts wissen. Woran liegt das, und was heißt das für Anleger? Ein Blick auf Zahlen, Chart und die entscheidenden Termine der kommenden Tage lohnt sich gerade jetzt besonders.
Zahlen und Ausblick
Operativ läuft bei Infineon "eigentlich" vieles rund. Anfang Juli ging in Dresden die neue "Smart Power Fab" an den Start, mit rund 5 Milliarden Euro die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte. Im Patentstreit gegen den chinesischen Rivalen Innoscience setzte sich der Konzern zudem durch, ein US-Gericht verhängte ein Verkaufsverbot für bestimmte GaN-Produkte des Konkurrenten. Auch die Kooperation mit LS Electric soll das Rechenzentrumsgeschäft stärken. Im Mai hob das Management die Umsatzprognose für das Gesamtjahr sogar an und stellte eine Segmentergebnismarge von rund 20 Prozent in Aussicht. Am 5. August legt Infineon die nächsten Quartalszahlen vor, dann zeigt sich, wie tragfähig die optimistischen Ziele wirklich sind.
Analysten sehen Substanz
Trotz der aktuellen Talfahrt bleiben viele Analystenhäuser dem Titel treu. Jefferies bestätigte zuletzt seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 96 Euro und verweist auf die robuste Nachfrage aus dem KI-, Auto- und Industriegeschäft. Die DZ Bank hob ihren fairen Wert erst kürzlich von 70 auf 77 Euro an und sieht dank des breiten Produktportfolios zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten, vor allem im Bereich Robotik. Auch für die kommenden Geschäftsjahre wurden die Umsatz- und Gewinnprognosen nach oben angepasst. Die Sorge vor chinesischer Konkurrenz bei Speicherchips drückt zwar aktuell auf die Stimmung im gesamten Sektor, an der grundsätzlichen Wachstumsstory ändert das aus Sicht dieser Häuser aber wenig.

Charttechnik
Vom Rekordhoch bei knapp 90 Euro Anfang Juni hat sich die Aktie mittlerweile um mehr als ein Drittel entfernt. Der Bruch des 50er SMA hatte Anfang Juli bereits ein erstes Warnsignal geliefert, seither bleibt der Titel im Abwärtstrend gefangen. Sollte sich diese Bewegung fortsetzen, wäre ein Test des 200er SMA bei rund 50 Euro durchaus möglich, im Extremfall sogar ein kurzer Rutsch in den Bereich 45 bis 50 Euro. Genau dort könnte sich dann aber ein tragfähiger Boden bilden, von dem aus ein Reboundversuch Richtung 70 Euro Fahrt aufnehmen könnte.
Was tun?
Die operative Substanz bei Infineon stimmt. Eine neue Fabrik, ein Patentsieg und eine angehobene Prognose sprechen für sich, während der Kurs derzeit vor allem unter der Sektor-Nervosität leidet. Wer schon investiert ist, kann den Bereich um 45 bis 50 Euro als möglichen Nachkaufpunkt im Hinterkopf behalten. Neueinsteiger sollten die Quartalszahlen am 5. August abwarten, bevor sie zugreifen. Die Story bleibt intakt, nur der Zeitpunkt für den Einstieg will gut gewählt sein.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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