
© Foto: NASA auf Unsplash.
Trotz einer angehobenen Prognose für 2026 wurde die Aktie von L3Harris am Mittwoch verkauft. Das sorgt jetzt für eine vielversprechende Einstiegschance.
SpaceX ist nicht alles - profitable Raumfahrtunternehmen gibt es schon seit Jahren!
Raumfahrtaktien, sogenannte Space-Stocks, gehörten sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr zu den beliebtesten und erfolgreichsten Wetten am Aktienmarkt. Doch seit dem Börsengang von SpaceX befindet sich die Branche in einem Abschwung. Nicht nur die Anteile von SpaceX, sondern auch von Mitbewerbern wie Rocket Lab und AST SpaceMobile wurden in den vergangenen Wochen Opfer crashartiger Verkäufe - die zum Börsenstart völlig haltlose Bewertung des von Elon Musk gegründeten Raumfahrtunternehmens hat Investoren dazu veranlasst, auch bei den Bewertungen der Mitbewerber genauer hinzuschauen.
Ohnehin hat der Hype um einige wenige Werte den Blick darauf verstellt, dass es bereits eine Vielzahl etablierter und erfolgreicher Konzerne gibt, die im Raumfahrtgeschäft tätig sind. Sie verstecken sich bloß häufig unter dem Mantel von Luftfahrt- und Verteidigungskonzernen, die jahrzehntelange Erfahrung bei der Forschung und Entwicklung von Technologien und Anwendungen auch für die Raumfahrtbranche mitbringen. Einer der größten "geheimen" Player ist der US-Konzern L3Harris, der Antriebstechnologie, Kommunikationssysteme und Energieversorgungslösungen für Space-Anwendungen entwickelt. Das Unternehmen war unter anderem auch am Weltraumteleskop der NASA, James Webb, beteiligt.
L3Harris übertrifft die Umsatz- und Gewinnprognosen ...
Am Mittwochabend hat das Unternehmen seine Zahlen zum abgelaufenen Quartal vorgestellt. Die sind zwar gut ausgefallen, zumal das Management die Prognose für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres angehoben hat, doch bislang werden die Ergebnisse verkauft. Das eröffnet die Chance zum Einstieg!
Gegenüber dem Vorjahresquartal legten die Erlöse um 9,3 Prozent auf 5,9 Milliarden US-Dollar zu. Damit konnten die Erwartungen um 80 Millionen US-Dollar übertroffen werden. Steigern konnte sich L3Harris in allen Geschäftsbereichen, wobei die Sparte Space & Mission Systems den höchsten absoluten Anstieg mit einem Plus von 266 Millionen US-Dollar auf 2,966 Milliarden US-Dollar verzeichnete, während der Sparte Missile Solutions mit einem Anstieg von 925 Millionen US-Dollar auf 1,054 Milliarden US-Dollar der höchste relativen Zuwachs gelang.
Auch operative Entwickelten sich die Geschäfte zufriedenstellend. Die operative Marge konnte von 10,5 auf 11,1 Prozent gesteigert werden. Dadurch legte der operative Ertrag von 571 auf 654 Millionen US-Dollar zu. Der Gewinn pro Aktie landete (nach standardisierter Rechnungslegung GAAP) bei 3,13 US-Dollar um 32 Cent über den Erwartungen. Insgesamt erzielte L3Harris einen auf die Anteilseignerinnen und -eigner entfallenden Nettoertrag von 586 Millionen US-Dollar nach 458 Millionen US-Dollar im Jahr zuvor. Die Barmittelzuflüsse konnten von 561 auf 771 Millionen US-Dollar gesteigert werden.
... hebt seinen Ausblick auf das Gesamtjahr deutlich an ...
Angesichts eines Rekordauftragsbestands in Höhe von rund 42 Milliarden US-Dollar, was einem Book-to-Bill-Verhältnis von 1,2 entspricht, hat das Management seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben. CEO Christopher Kubasik sprach in der Pressemitteilung von einem "anhaltenden Momentum" und einer hohen Nachfrage. Der Ausblick für den Umsatz wurde daher um 200 Millionen US-Dollar nach oben angepasst. In Aussicht gestellt sind jetzt 23,2 bis 23,7 Milliarden US-Dollar.
Beim bereinigten Gewinn pro Aktie erwartet das Unternehmen nach bislang 11,40 bis 11,60 US-Dollar je Anteil jetzt 11,80 bis 12,00 US-Dollar, womit die Schätzungen der Analystinnen und Analysten von 11,76 US-Dollar pro Aktie komfortabel übertroffen werden konnten. Der freie Cashflow soll sich auf 3,0 Milliarden US-Dollar belaufen und damit dem Vorjahreswert entsprechen.

... und trotzdem fällt die Aktie - eine Einstiegschance?
Mit Blick auf die nachbörsliche Kursreaktion genügen den Anlegerinnen sowohl übertroffene Erwartungen als auch die angehobene Prognose nicht. L3Harris büßte rund 3 Prozent ein, nachdem das Papier bereits im regulären Handel unter Druck geraten war und hat 2,5 Prozent verloren hatte. Sollten die nachbörslichen Kursverluste am Donnerstag ihre Gültigkeit behalten, wechselt die Aktie gegenüber dem Jahresauftakt das Vorzeichen und notiert nach der jüngsten Erholung dann wieder im Minus.
Anlegerinnen und Anleger sollten den Earnings-Dip jedoch als Chance zum Einstieg begreifen. Gegenüber den im Februar erzielten Allzeithochs liegt zwar ein Abwärtstrend vor, der durch das Death Cross der gleitenden Durchschnitte zwischenzeitlich verstärkt wurde, doch in den technischen Indikatoren RSI und MACD liegen erste bullishe Divergenzen vor, die für eine Trendwende sprechen. Der MACD hatte gerade erst sein Vorzeichen gewechselt und wieder einen Aufwärtstrend der Aktie angezeigt. Außerdem ist das Abwärtspotenzial der Aktie begrenzt auf den Unterstützungsbereich um 275 US-Dollar, während oberhalb der Widerstandszone zwischen 300 und 315 US-Dollar eine Ausbruchschance lauert.
Fazit: Eine Raumfahrtaktie mit echter Perspektive
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung handelt L3Harris auf Basis der angehobenen Managementprognose für 2026 mit einem KGV von 24,4. Das liegt zwar deutlich über dem 5-Jahres-Mittel von knapp 20, wird jedoch durch ein vorteilhaftes Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis von 1,4 gerechtfertigt. Im Unterschied zu SpaceX, Rocket Lab usw. wächst L3Harris vor allem profitabel und Cashflow-positiv. Auch das rechtfertigt Bewertungsaufschläge bei den Gewinnvielfachen, während L3Harris bei den übrigen Kennziffern im Rahmen seiner historischen Norm liegt.
Insgesamt bietet die Aktie ein attraktives Gesamtpaket aus moderater Bewertung, begrenztem Abwärtsrisiko und einer hohen Exposure gegenüber der Raumfahrtbranche. Die von L3Harris vorgelegten Quartalszahlen beweisen, dass an dem Unternehmen als einem der wichtigsten Zulieferer der Industrie kein Weg vorbei führt. Der hohe Auftragsbestand sorgt außerdem dafür, dass L3Harris auch in Zukunft profitabel weiter wachsen kann - etwas, das für SpaceX noch lange nicht absehbar ist.
Gastautor: Max Gross
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.
Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.



