
© Foto: BoliviaInteligente auf Unsplash (Symbolbild)
Wochenlang ging es an den Chipmärkten drunter und drüber, und auch Microsoft musste Federn lassen. Jetzt dreht sich der Wind. Die Quartalszahlen schlugen ein wie eine Bombe, Azure knackt zum ersten Mal die 100-Milliarden-US-Dollar-Marke im Jahresumsatz, und Copilot zählt inzwischen über 30 Millionen zahlende Nutzer. Der Kurs reagierte prompt und schoss zweistellig nach oben. Reicht das, um den Abwärtstrend der letzten Monate endgültig zu brechen? Ein Blick auf Zahlen, Chart und Ausblick zeigt, warum die Aktie gerade wieder Fahrt aufnehmen könnte.
Zahlen und Ausblick
Microsoft hat im vierten Geschäftsquartal ordentlich abgeliefert. Der Umsatz kletterte um 18 Prozent auf 90,0 Milliarden US-Dollar, einiges über der eigenen Prognose von bis zu 87,8 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn legte sogar um 31 Prozent auf 35,9 Milliarden US-Dollar zu, unter anderem gestützt von einem Sondereffekt aus der Anthropic-Beteiligung. Der Wachstumsmotor bleibt die Cloud. Azure wuchs währungsbereinigt um 43 Prozent und übertraf damit die Erwartungen von rund 39,6 Prozent klar. Erstmals überhaupt kletterte der Jahresumsatz der Sparte über die Marke von 100 Milliarden US-Dollar. Auch Copilot liefert Beweise dafür, dass sich KI in echte Erlöse verwandeln lässt, mehr als 30 Millionen Nutzer zahlen inzwischen für den digitalen Assistenten. Für das laufende Quartal peilt Microsoft ein Umsatzwachstum von rund 16 Prozent an, bei Azure soll es sogar auf 45 Prozent beschleunigen.
Auftragsbestand beachtlich
Spannend ist auch der Blick auf das, was noch kommt. Der vertraglich gesicherte Cloud-Auftragsbestand kletterte auf 678 Milliarden US-Dollar, nach 627 Milliarden US-Dollar im Quartal zuvor. Das zeigt, dass Unternehmen sich nicht nur kurzfristig an Microsofts KI-Ökosystem binden, sondern langfristige Verträge abschließen, auch abseits der großen KI-Modellanbieter. Diese Vertragsbindung gibt dem Wachstum eine solidere Basis, als es ein reiner Hype-Effekt je könnte. Gleichzeitig bleiben die Investitionen hoch, im vierten Quartal flossen 41 Milliarden US-Dollar in den Kapazitätsausbau, über 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Der freie Cashflow blieb aber, im Gegensatz zu anderen Tech-Unternehmen, die zuletzt ihre Zahlen veröffentlicht haben, mit 19,6 Milliarden US-Dollar trotzdem über den Erwartungen, ein Beleg dafür, dass die hohen Ausgaben bislang nicht auf Kosten der Substanz gehen.

Charttechnik
Charttechnisch hat sich einiges getan. Der Kurs hat den 50er SMA zurückerobert, nachdem die Aktie zuvor unter die Räder geraten war. Bis zur 200-Tage-Linie bei knapp unter 435 US-Dollar ist es jetzt nicht mehr weit. Gelingt auch dort der Ausbruch, würde sich der Titel in einen echten Aufwärtstrend einfädeln, mit Potenzial in Richtung 480 bis 500 US-Dollar.
Was tun?
Die Story bei Microsoft wirkt gerade rund. Starke Zahlen, ein Cloud-Geschäft, das schneller wächst als gedacht, und ein KI-Produkt, das tatsächlich Geld verdient, das ist eine seltene Kombination in diesen Tagen. Auch Analysten wie RBC bestätigen mit einem Kursziel von 640 US-Dollar ihre klare Kaufeinschätzung. Wer schon investiert ist, kann die Position ruhig laufen lassen, der Trend zeigt gerade nach oben. Neueinsteiger könnten den Rücksetzer bis zur 200-Tage-Linie im Hinterkopf behalten, sollte der erste Anlauf auf Widerstand stoßen. Insgesamt bleibt Microsoft ein interessanter Basiswert mit intaktem Wachstumsprofil, auch wenn die hohen Investitionsausgaben weiterhin im Blick bleiben sollten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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