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Die Anteile von Siemens Energy haben sich am Donnerstag und Freitag gut erholen können, doch charttechnisch ist die Gefahr weiterer Verluste noch nicht gebannt.
KI- und Halbleitercrash: Auch Siemens Energy betroffen!
Bei Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerten kam es in den vergangenen Tagen zu einem crashartigen Abverkauf. Eine hohe Volatilität am südkoreanischen Aktienmarkt mit den Speicherchipherstellern Samsung und SK Hynix, der Fed-Leitzinsentscheid sowie die Furcht davor, die Hyperscaler Amazon, Meta Platforms und Microsoft könnten mit ihren Quartalszahlen enttäuschen sorgten für große Verunsicherung und anhaltende Gewinnmitnahmen. Am Donnerstag kam es außerdem zur Zwangsliquidation des Hedgefonds Situational Awareness, der sich mit KI-Wetten auf Kredit verzockt hatte.
Diese Belastungsfaktoren machten auch vor dem im deutschen Leitindex DAX notierten KI-Profiteur Siemens Energy nicht Halt. Schon in den Wochen zuvor handelte das Papier in einem hartnäckigen Abwärtstrend, doch auch hier kam es zuletzt zu einer Beschleunigung des Abverkaufs. Erst die Quartalszahlen von Microsoft am Mittwoch- sowie von Amazon am Donnerstagabend beruhigten die Gemüter wieder und sorgten für eine Erholung in sprichwörtlich letzter Sekunde. Doch noch ist es aus charttechnischer Perspektive zu früh, um Entwarnung oder gar einen Sieg über die Verkaufsbemühungen der Bären auszusprechen, wie der Blick auf den Kursverlauf zeigt:

Erholung sorgt für Rettung in letzter Sekunde ...
Ende April, Anfang Mai konnte Siemens Energy nach einer Zwischenkorrektur noch auf neue Allzeithochs ansteigen, diese waren jedoch nicht durch die technischen Indikatoren RSI und MACD bestätigt, in den gegenüber dem Verlaufshoch aus dem Februar niedrigere Hochs und damit bearishe Divergenzen vorgelegen hatten. Schon der branchenweiten Korrektur kam es daher zu einem Abwärtstrend der Aktie. Dieser verlief in einem Trendkanal mit einer Breite von rund 20 Euro und wurde mit zwei Ausnahmen sowohl von den Bären als auch den Bullen respektiert.
Am Dienstag und Mittwoch kam es nach dem Unterschreiten der 200-Tage-Linie und dem Aufsetzen auf dem Unterstützungsbereich zwischen 135 und 140 Euro jedoch zu einem der beiden Ausbruchsversuche zur Unterseite. Wären 135 Euro nachhaltig unterschritten worden, hätte das Abwärtspotenzial bis mindestens 120 Euro freigesetzt. Dier Erholung der vergangenen zwei Tage kam daher keinen Moment zu spät. Sie wurde durch erste bullishe Divergenzen in den technischen Indikatoren unterstützt, die sich aber weiterhin in Abwärtstrends befinden.
... doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen!
Genau diese Kombination aus einem weiterhin intakten Abwärtstrend der Aktie und anhaltenden Abwärtstrends der technischen Indikatoren birgt die Gefahr, dass es sich bei der jüngsten Erholung wie schon zuvor nur um eine kurze Gegenreaktion handeln könnte. Trotz kräftiger Kursgewinne in den vergangenen 2 Tagen liegt der Relative-Stärke-Index (RSI) "nur" im neutralen Bereich, während der Trendstärkeindikator MACD noch immer deutlich unter der Nulllinie handelt und damit die Verkaufsbewegung der Aktie bestätigt.
Mit Ausnahme der Rückeroberung der 200-Tage-Linie ist den Bullen bislang auch noch kein Kaufsignal gelungen. Hierfür muss mindestens die 50-Tage-Linie beziehungsweise die Oberkante des Abwärtstrends bei rund 160 Euro überwunden und anschließend verteidigt werden. Gegenwärtig liefern die technischen Indikatoren hierfür aber nicht den benötigten Gegenwind, auch wenn die Aktie zur Unterseite gut abgesichert ist.
Erst bei einem nachhaltigen (also mindestens auf Wochenschlusskursbasis erfolgten) Ausbruch aus dem Trendkanal würde sich die charttechnische Ausgangslage für Siemens Energy wieder aufhellen. Für Kurse darunter bleibt ein Unterschreiten der 200-Tage-Linie beziehungsweise von 135 Euro sowie ein Ausbruch zur Unterseite ein ernstzunehmendes Bedrohungsszenario, das angesichts der im Chart zunehmend abzeichnenden SKS-Formation zu einer dauerhaften Trendwende der Aktie führen könnte.
Fazit: Die Lage dürfte angespannt bleiben
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung steht für 2026 ein KGVe von 34,2 zu Buche, das EV/EBITDA-Verhältnis liegt bei 17,5. Das sind zwar Werte unter denen von Mitbewerber GE Vernova, macht Siemens Energy deswegen aber noch nicht zu einer günstigen Aktie, im Gegenteil. Etwas besser sieht es für 2027 mit einem KGVe von 24,3 aus. Allerdings basieren die gegenwärtigen Gewinnschätzungen darauf, dass der KI-Boom anhält. Genau daran sind in den vergangenen Tagen wachsende Zweifel aufgekommen. Platz die KI-Blase, dürfte es zu erheblichen Revisionen der Schätzungen kommen.
Anlegerinnen und Anleger sollten sich daher nicht zu früh in Sicherheit wiegen. Zwar hat sich die Aktie noch einmal aus einer schwierigen Situation herauswinden können, der Abwärtstrend ist aber unverändert intakt und könnte jederzeit für neuen Ärger sorgen. Während für prozyklische Käufe ein Anstieg über 160 Euro abgewartet werden sollte, sollten bestehende Positionen mit einem Stopp um 135 Euro abgesichert werden.
Gastautor: Max Gross
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