DJ MARKT-AUSBLICK/Nach Nvidia voller Fokus auf Konjunktur und Preise
DOW JONES--Eine weitere Woche des Abwartens könnte den Börsen in Europa bevorstehen. Mit dem monatlichen US-Arbeitsmarkt-Bericht steht das Highlight der Woche erst am Freitag an. Er wird als noch fehlender Mosaikstein für die künftige Zinspolitik der US-Notenbank gesehen. Denn bei den US-Inflationsdaten spricht nur Präsident Trump von "fallenden" Raten. Da eine 3 vor dem Komma aber immer noch höher ist als eine 2 davor, müssen sich die Märkte mit einer deutlich steigenden US-Inflation auseinandersetzen. Dieses Argument fällt also für Zinssenkungen aus.
Ein schwacher US-Arbeitsmarkt würde indes geldpolitische Lockerungen erlauben. Schließlich soll das Doppelmandat der US-Notenbank nicht nur die Inflation bekämpfen, sondern auch den Arbeitsmarkt stabil halten. Fed-Gouverneur Waller unterstrich daher im Wochenverlauf schon seine Forderung nach einer Senkung auf der September-Sitzung.
Nach Nvidia voller Fokus auf Konjunktur
Die guten Quartalszahlen von Nvidia haben bei Investoren Zweifel und Sorgen um das Thema KI ausgeräumt. In der kommenden Woche dürfte sich der Fokus daher schon vor den "Payroll"-Daten am Freitag voll auf Informationen zur globalen Konjunktur- und Inflationslage richten. Und hier steht eine Flut von Daten an: So die wichtigen Revisionen der Einkaufsmanager-Indizes (PMI) rund um den Globus. Vor allem die US- und China-PMIs stehen im Fokus, ebenso der ISM-Index. Die US-Handelsbilanz und der ADP-Arbeitsmarktbericht am Donnerstag dürften als erste Indikationen für die Beschäftigungslage gelesen werden.
In Deutschland stehen besonders Prognosen von Branchenverbänden im Blick. So berichtet der VDMA für den Maschinenbau und der VCI für die Chemie. Vom Ifo-Institut kommt die neue Konjunkturprognose für die Gesamtwirtschaft.
Dazu gibt es eine Fülle von neuen Preisdaten. So die Inflation aus der Eurozone sowohl bei Verbraucher- (CPI) als auch bei den Erzeugerpreisen (PPI). Gerade die PPI-Daten dürften zeitnäher als die Verbraucherpreise die Schäden durch die Trump-Zölle zeigen. Beim China-CPI wird umgekehrt mit nachlassendem Preisdruck gerechnet, da die Exporte in die USA deutlich gefallen sind.
EU-Kommission muss Parlament für US-Deal gewinnen
Das größte Überraschungspotenzial liegt indes in Europa. Hier wird erwartet, dass die Niederlage der EU-Kommission bei den US-Zollverhandlungen vom EU-Parlament gebilligt wird. So ganz sicher ist das indessen nicht. Denn die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat den Deal bereits kritisiert und sieht die EU danach "zur geopolitischen Bedeutungslosigkeit" verdammt. Vor allem stößt auf, dass es ein assymetrischer Deal zum Nachteil Europas ist.
So sagte selbst der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD), dem Handelsblatt: "Für mich steht außer Frage, dass diejenigen Industriegüter, die die USA nun mit Zusatzzöllen von bis zu 50 Prozent belegen, nicht auch noch zollfrei in die EU importiert werden dürfen."
Mit neuen Überraschungen von Trump rechnen
Als noch schwerwiegender werten Marktteilnehmer indes, dass Donald Trump nicht vertraut werden kann. Schon kurz nach dem Zoll-"Deal" stockte er nämlich die Forderungen auf: Die EU soll zugunsten der US-Technologiebranche auch noch auf Digital-Gesetze verzichten. Rechnen müssen Börsianer daher mit allem. Gerade am Montag sollten Anleger wachsam sein: Denn der US-Feiertag "Labor Day" könnte als passende Bühne für neue Eingebungen Trumps dienen.
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August 29, 2025 06:30 ET (10:30 GMT)
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