
© Foto: thyssenkrupp Materials Services
Der Industrieriese ThyssenKrupp beendet das Jahr 2025 mit einer spektakulären Kursrally von deutlich über 200 Prozent - doch die Euphorie hat ihre Grenzen.
Während die Marine-Tochter TKMS mit Großaufträgen glänzt und für Stabilität sorgt, schwebt über dem Konzern ein gewaltiges Damoklesschwert: Eine Schiedsklage der Salzgitter AG droht mit Forderungen von bis zu 1,6 Milliarden Euro. Analysten bleiben skeptisch, die meisten raten zum Abwarten. Gleichzeitig laufen im Hintergrund intensive Verhandlungen über die Zukunft der kriselnden Stahlsparte mit dem indischen Interessenten Jindal Steel. Die Aktie steht aktuell bei 9,27 Euro - und damit vor einer Entscheidung. Kann die Erfolgsgeschichte der Marinesparte den Konzern tragen, oder holt die Last des Stahlgeschäfts den Kurs wieder ein? Die nächsten Wochen werden zeigen, ob ThyssenKrupp den eingeschlagenen Weg fortsetzen kann.
Marine-Sparte als Lichtblick
Das Jahr 2025 brachte ThyssenKrupp eine beeindruckende Wende. Mit einem Kursplus von über 200 Prozent, fast sogar 250 Prozent, sicherte sich das Unternehmen einen Spitzenplatz im MDAX, weit vor anderen Gewinnern. Der Kurs zuletzt markiert einen Kurs, unweit der höchsten Notierungen seit fast fünf Jahren. Noch zwölf Monate zuvor hatte die Aktie neue Tiefststände erreicht, die Stimmung war am Boden. Die Rettung kam durch mehrere Faktoren, allen voran der erfolgreiche Börsengang der Marine-Tochter TKMS. Die Marinetochter entwickelte sich zum Stabilitätsanker des Konzerns. Der Andrang bei der Emission war groß, und da ThyssenKrupp noch einen bedeutenden Anteil hält, wirken sich Kursgewinne der Tochter direkt positiv auf die Bilanz aus. Kurz vor Heiligabend kam dann der nächste Hammer. TKMS unterzeichnete einen Rahmenvertrag mit dem Bundesamt für Ausrüstung über die Lieferung von Schwergewichtstorpedos. Dieser Deal ist einer der größten in der Geschichte der Sparte und sichert die Auslastung der Kieler Werft über Jahre hinweg. Die geopolitische Zeitenwende spielt ThyssenKrupp dabei in die Karten. Steigende Rüstungsinvestitionen machen TKMS widerstandsfähiger als das konjunkturabhängige Stahlgeschäft. Parallel laufen Gespräche mit Jindal Steel über einen möglichen Verkauf der Stahlsparte. Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky hatte sich zurückgezogen, nachdem der indische Konzern ein Angebot vorlegte. Die Verhandlungen dauern noch an.

Charttechnik
Aus charttechnischer Sicht präsentiert sich die ThyssenKrupp-Aktie zum Jahreswechsel in einer spannenden Phase. Der aktuelle Kurs von 9,27 Euro liegt nur knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,17 Euro. Gleichzeitig notiert das Papier deutlich über dem 200er SMA von 7,85 Euro. Diese Konstellation deutet auf eine Fortsetzung nach der starken Jahresrally hin. Die Spanne zwischen 52-Wochen-Tief und -Hoch ist enorm. Vom Tief in 2024 bei 2,07 Euro hat sich die Aktie vervielfacht, zum Jahreshoch 2025 von 10,68 Euro fehlen allerdings noch einige Prozente. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 57 und nähert sich damit langsam der Überkauft-Zone - lässt aber noch genügend Platz für Kurssteigerungen über. Entscheidend werden nun zwei Marken. Steigt der Kurs auf Tagesschlusskursbasis über 10,50 Euro, öffnet sich der Weg in Richtung 13 bis 14 Euro. Ein Rutsch unter 8,50 Euro würde dagegen eine Korrektur bis etwa 6 Euro auslösen können. Die Verteidigung der 9-Euro-Marke zum Jahreswechsel gilt als positives Signal, auch wenn Gewinnmitnahmen jederzeit möglich bleiben.
Was tun?
Die Analystenmeinungen zum Jahresende fallen verhalten aus. Von der Mehrheit der erfassten Experten raten die meisten zum Halten, einer stuft die Aktie sogar mit Verkaufen ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 9,35 Euro und damit nahe am aktuellen Niveau. Die Ratingagentur Moody's bestätigte zwar das Rating, senkte aber den Ausblick auf stabil. Die Kreditwürdigkeit wird als gesichert eingeschätzt, kurzfristig sieht Moody's jedoch kein Aufwärtspotenzial bei der Bonität. Das großes Risiko bleibt der Rechtsstreit mit Salzgitter rund um das Joint Venture Hüttenwerke Krupp Mannesmann. Die Forderung von bis zu 1,6 Milliarden Euro belastet das Sentiment erheblich und begrenzt das kurzfristige Aufwärtspotenzial. Gleichzeitig sorgt die Unsicherheit um die Zukunft der Stahlsparte für Zurückhaltung. Die Hauptversammlung am 30. Januar 2026 in Bochum wird mehr Klarheit über die strategische Ausrichtung bringen müssen. Positiv zu werten sind die Fortschritte bei der Dekarbonisierung des Stahlgeschäfts und die langfristige Absicherung der Rohstoffbasis für CO2-reduzierten Stahl. Die operative Stärke von TKMS ist unbestritten, doch erst wenn die Belastungen aus dem Stahlbereich klar eingegrenzt sind, kann diese Stärke voll durchschlagen. Für risikofreudige Anleger bietet die Aktie Chancen, wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte die Klärung der offenen Fragen abwarten. Die Volatilität bleibt hoch, schnelle Kursbewegungen in beide Richtungen sind möglich.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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