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Die BMW-Aktie stand zuletzt unter Druck. China schwächelt massiv, die Elektromobilität kommt ins Stocken und Analysten werden nervös.
Barclays hat das Rating auf "Underweight" gesenkt, das Kursziel liegt bei 82,50 Euro. Aktuell notiert das Papier bei rund 91 Euro. Doch es gibt einen Lichtblick, der Anleger aufhorchen lässt: Die Dividendenrendite von (je nach Kurs von 4,5 - 5,0 Prozent) bleibt trotz aller Turbulenzen attraktiv. Für das Jahr 2024 gab es 4,30 Euro je Aktie, für 2025 werden rund 3,95 Euro erwartet. Während die operativen Zahlen durchwachsen ausfallen und der wichtigste Markt China wegbricht, hält BMW an seiner Ausschüttungspolitik fest. Die neue Modelloffensive "Neue Klasse" soll ab 2026 frischen Wind bringen. Ob das reicht, um die strukturellen Probleme zu lösen, ist offen. Die Bewertung wirkt moderat, doch es gibt auch Risiken, aber diese werden, solange Dividende gezahlt wird, durch die hohe Dividendenrendite abgefedert.
Absatzzahlen enttäuschen
Die Verkaufszahlen des vierten Quartals 2025 zeigen deutlich, dass BMW in einem schwierigen Umfeld kämpft. Der Absatz sank um 4,1 Prozent auf knapp 668.000 Fahrzeuge. Die Kernmarke BMW allein büßte 5,2 Prozent ein. Im Gesamtjahr 2025 schaffte der Konzern mit 2,46 Millionen ausgelieferten Autos nur ein Plus von 0,5 Prozent. Das klingt nach Wachstum, ist aber bestenfalls Stagnation. Besonders schmerzhaft fällt die Entwicklung in China aus. Dort brachen die Verkäufe im Schlussquartal um fast 16 Prozent ein. Über das gesamte Jahr summiert sich das Minus auf 12,5 Prozent. Der wichtigste Einzelmarkt für BMW schwächelt damit das zweite Jahr in Folge massiv. Eine aggressive Rabattschlacht zu Jahresbeginn 2026 zeigt, wie hart der Wettbewerb dort geworden ist. Lokale Hersteller wie BYD setzen mit günstigen Elektroautos und innovativen Technologien die Premium-Marken unter Druck. Auch bei den Elektroautos läuft es nicht rund. Im vierten Quartal gingen die BEV-Verkäufe um 10,5 Prozent zurück. Zwar stieg der E-Auto-Absatz im Gesamtjahr 2025 noch um 3,6 Prozent auf gut 442.000 Einheiten, doch die Dynamik flacht deutlich ab. 2024 hatte das Wachstum noch bei 13,5 Prozent gelegen. Der Anteil der vollelektrischen Modelle am Gesamtabsatz erreichte lediglich 18 Prozent. Europa zeigt sich mit einem Plus von 28,2 Prozent bei den Stromern zwar robust, doch das reicht nicht aus, um die Schwäche in anderen Regionen wettzumachen. In den USA ging der Absatz im vierten Quartal um 4,6 Prozent zurück. Einzig die Kleinwagenmarke Mini liefert positive Nachrichten mit einem Jahresplus von 17,7 Prozent.
Hoffnung liegt auf der "Neuen Klasse"
BMW setzt große Hoffnungen auf die Modelloffensive "Neue Klasse", die 2026 in Fahrt kommt. Die neue Plattform verspricht 30 Prozent mehr Reichweite und schnelleres Laden bei den Elektromodellen. Gleichzeitig sollen die Produktionskosten sinken. Der iX3 als erstes Modell der neuen Generation wurde auf der CES 2026 präsentiert. Die Serienproduktion im ungarischen Werk Debrecen läuft bereits seit Ende 2025. Im Sommer 2026 soll die Fertigung einer Limousine im Münchner Stammwerk starten. Bis 2027 will BMW acht neue Modelle auf dieser Basis ausrollen. Bis Ende 2027 sollen insgesamt über 40 neue oder überarbeitete Modelle auf den Markt kommen. Die Palette reicht von Verbrennern über Hybride bis zu reinen Elektroautos. Analysten sind gespalten, ob diese Offensive ausreicht. J.P. Morgan bleibt optimistisch und bestätigt das Rating "Overweight" mit Kursziel 89 Euro. Die US-Bank sieht erste Anzeichen einer Stabilisierung in China und hält die Neue Klasse für einen echten Fortschritt. Barclays dagegen warnt vor strukturellen Risiken. Die britische Bank sieht BMW anfällig für Zölle zwischen EU und USA, die die Marge stärker treffen könnten als bei Wettbewerbern. Auch die hohe Abhängigkeit vom chinesischen Markt bereitet Sorgen. Dort erwirtschaftet BMW rund 30 Prozent von Volumen und Gewinn. Jefferies hat das Kursziel kürzlich von 88 auf 100 Euro angehoben und sieht Potenzial. Die Deutsche Bank lobt die starke Produktdynamik und die Kostendisziplin. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt im niedrigen einstelligen Bereich bei ca. 8.

Charttechnik
Charttechnisch befindet sich die BMW-Aktie in einer Phase der Orientierung. Nach einem Aufbäumen Anfang Dezember bei knapp über 97 Euro ist das Papier wieder auf etwa 90,50 Euro zurückgefallen. Seit Jahresanfang 2026 steht ein Minus zu Buche. Der 50er SMA bei 89,58 Euro könnte bald getestet werden. Ein Bruch dieser Marke wäre ein erstes negatives Signal, aber gleichzeitig auch ein gutes für antizyklische Käufer. Das 52-Wochen-Tief lag im April 2025 bei 62,96 Euro, was zeigt, wie volatil das Papier in den vergangenen Monaten war. Der übergeordnete Aufwärtstrend ist noch intakt, doch kurzfristig fehlt der Aktie die Kraft für neue Hochs. Handelsvolumen und Momentum deuten auf Zurückhaltung der Anleger hin. Erst wenn die Marke von 95 Euro nachhaltig überschritten wird, dürfte neues Kaufinteresse entstehen.
Was tun?
BMW bietet für Dividendenjäger einen interessanten Einstieg. Die Ausschüttungsrendite von über 4,5 Prozent - wenn der Kurs fällt, auch mehr, ist im aktuellen Marktumfeld attraktiv. Das Unternehmen zahlt seit Jahren verlässlich und großzügig. Die Bewertung wirkt mit einem einstelligen KGV moderat bis günstig. Doch die operativen Herausforderungen sind nicht zu leugnen. China bleibt ein Problemmarkt, die Elektromobilität läuft schleppender als erhofft und die Konkurrenz schläft nicht. Die neue Modelloffensive könnte eine Wende bringen, doch das ist Zukunftsmusik. Bis dahin müssen Anleger mit Gegenwind rechnen. Strukturell kämpft die gesamte Autobranche mit Überkapazitäten, verschärften Regulierungen und geopolitischen Unsicherheiten. Die Charttechnik zeigt keine klaren Kaufsignale, das Momentum fehlt. Wer auf stabile Dividenden setzt und einen längeren Atem hat, kann bei BMW zugreifen. Vor allem wenn der Kurs noch einmal nachgeben sollte.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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