
© Foto: Bayer AG
Die Bayer-Aktie hat in wenigen Wochen eine beeindruckende Rally hingelegt und den Kurs von rund 20 Euro auf fast 40 Euro verdoppelt. Auch das Gap zu November 2023 ist geschlossen. Doch genau jetzt, wo viele Anleger auf eine Fortsetzung der Erholung hoffen, könnten die ersten Gewinnmitnahmen einsetzen. Die Luft wird dünner, die Widerstände werden stärker. Wer jetzt nicht aufpasst, könnte schon bald mit einem Rücksetzer bis 30 oder gar 32 Euro konfrontiert werden. Die Frage ist nicht mehr, ob Bayer weiter steigt, sondern wann die Korrektur kommt. Denn nach so einer steilen Rally ist eine Verschnaufpause fast schon überfällig. Die ersten Anzeichen für eine Trendwende sind da.
Rechtliche Unsicherheiten bleiben bestehen
Ja, die Nachrichten rund um Glyphosat klingen besser. Der US Supreme Court könnte tatsächlich zugunsten von Bayer entscheiden. Doch selbst wenn das Gericht die Klagen eindämmt, bleiben Tausende Verfahren bestehen. Die rechtliche Unsicherheit wird Bayer noch Jahre begleiten. Die mRNA-Klage gegen BioNTech und Pfizer klingt spektakulär, doch ob daraus wirklich Geld fließt, ist völlig offen. Solche Patentklagen ziehen sich oft über Jahre hin und enden nicht selten im Nichts. Auch die EU-Lockerung bei Gentechnik-Regeln mag für Monsanto hilfreich sein, doch die Übernahme bleibt ein Milliardengrab. Die erhoffte Wende im Agrarbereich lässt weiter auf sich warten. Zudem hat der US-Kongress eine Klausel gestrichen, die Bayer vor bestimmten Pestizid-Klagen geschützt hätte. Das Rechtsrisiko bleibt also hoch. Die Pharma-Pipeline zeigt zwar Fortschritte mit Nubeqa und Kerendia, doch der Umsatzverlust durch das auslaufende Xarelto-Patent wird bis zu 1,5 Milliarden Euro kosten. Die Übernahme der Radiotracer von Attralus mag strategisch sinnvoll sein, doch der Preis wurde nicht genannt und die Wirkung auf den Gesamtumsatz bleibt marginal. Die Zusammenarbeit mit Soufflé Therapeutics ist ein nettes Detail, mehr aber auch nicht. Bayer muss zeigen, dass die neuen Medikamente tatsächlich die Lücken füllen können. Die Geschäftszahlen am 25. Februar werden entscheidend sein. Bis dahin bleibt viel Unsicherheit.

Charttechnik
Die Bayer-Aktie hat sich von knapp 18 Euro im Frühjahr 2025 bis auf 40 Euro hochgearbeitet. Das ist eine Verdopplung in Rekordzeit. Die runde Marke von 40 Euro wurde bereits getestet, ebenso das Gap zu November 2023. Genau hier liegt jetzt der erste massive Widerstand. Der horizontale Widerstand bei 40-42 Euro und das 2020er-Tief bei knapp 40 Euro bilden eine dicke Barriere. Wer technisch denkt, sieht hier eine klassische Widerstandszone. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass viele Anleger genau hier ihre Gewinne realisieren. Nach einem Plus von knapp 100 Prozent in den letzten Monaten ist eine Korrektur überfällig. Die nächste Unterstützung liegt im Bereich von 32 bis 30 Euro. Ein Rückfall in diese Zone würde technisch absolut Sinn machen. Die Abwärtstrendlinie seit 2015 verläuft aktuell bei ca. 50 Euro. Bis dahin ist es noch weit. Ohne weiteren fundamentalen Treiber fehlt der Aktie die Kraft für den nächsten Sprung. Die Rally war steil, zu steil vielleicht.
Was tun?
Wer in den letzten Monaten auf Bayer gesetzt hat, sollte jetzt daran denken, seine Gewinne zu sichern. Die Verdopplung des Kurses ist gelungen, das Gap ist geschlossen. Doch die fundamentalen Probleme sind nicht gelöst. Die Glyphosat-Klagen bleiben ein Risiko, die Monsanto-Übernahme eine Belastung, und der Umsatzverlust durch Xarelto steht erst noch bevor. Die Charttechnik zeigt klare Widerstände bei 40 Euro. Ein Rücksetzer bis 30 oder 32 Euro scheint aktuell wahrscheinlicher als ein weiterer Anstieg. Die Geschäftszahlen am 25. Februar werden zeigen, ob Bayer die hochgesteckten Erwartungen erfüllen kann. Bis dahin ist Vorsicht geboten. Anleger sollten in Erwägung ziehen und die Gewinne mitnehmen. Wer unbedingt dabei bleiben will, könnte zumindest Teilverkäufe vornehmen und einen Stop-Loss setzen. Die Euphorie ist groß, doch genau das macht die Situation gefährlich. Bayer bleibt eine Aktie für starke Nerven, und die Nervenstärke sollte man nicht überstrapazieren.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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