
© Foto: Symbolbild KI-Illustration
Die Rheinmetall-Aktie hat in den ersten Wochen des Jahres 2026 eine beeindruckende Rally hingelegt. Von knapp unter 1.500 Euro Ende Dezember kletterte der Kurs bis auf über 1.900 Euro. Analysten überschlagen sich mit Kaufempfehlungen, Insider greifen zu, und die Medien feiern das Düsseldorfer Unternehmen als Profiteur der globalen Aufrüstung.
Doch unter der glänzenden Oberfläche mehren sich die Warnsignale. Die Charttechnik zeigt gleich mehrere bedrohliche Muster, die auf eine massive Korrektur hindeuten könnten. Ein gefährliches Todeskreuz hat sich gebildet, der Relative-Stärke-Index nähert sich der kritischen Überhitzungsmarke, und eine mögliche Schulter-Kopf-Schulter-Formation deutet auf dramatische Kursverluste hin. Wer jetzt noch auf den fahrenden Zug aufspringt, könnte sich die Finger verbrennen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann die Korrektur einsetzt.

Charttechnik
Die charttechnische Lage bei Rheinmetall sieht auf den ersten Blick solide aus, doch die Bombe tickt. Der Kurs bewegt sich zwar weiterhin in einem Aufwärtstrend. Doch wer genauer hinschaut, erkennt die Risse im Fundament. Das erste und vielleicht gravierendste Warnsignal ist das sogenannte Todeskreuz. Der 50-Tage-Durchschnitt hat den 200-Tage-Durchschnitt von oben nach unten durchstoßen. In der technischen Analyse gilt dies als klassisches Warn- und Verkaufssignal. Historisch betrachtet folgen auf solche Formationen oft längere Abwärtsbewegungen. Der zweite Indikator verstärkt die Sorge. Der RSI liegt aktuell bei knapp 69 Punkten. Werte über 70 gelten als überkauft. Bei Rheinmetall ist die Überhitzung extrem ausgeprägt. Ein solches Niveau lässt sich selten lange halten. Die Wahrscheinlichkeit einer Gegenbewegung steigt mit jedem Tag. Das dritte und vielleicht gefährlichste Signal ist eine sich abzeichnende Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Diese Chartformation gehört zu den zuverlässigsten Umkehrmustern in der technischen Analyse. Sollte sich das Muster vollenden, würde das rechnerische Kursziel bei etwa 1.000 Euro liegen. Das entspricht einem Abwärtspotenzial von fast 50 Prozent vom aktuellen Niveau. Anleger, die jetzt einsteigen, riskieren damit die Hälfte ihres Kapitals. Die jüngste Kursentwicklung zeigt bereits erste Ermüdungserscheinungen. Nach dem Sprint auf über 1.900 Euro konsolidiert die Aktie im Bereich von 1.880 bis 1.900 Euro. Die Volatilität hat merklich abgenommen. Gewinnmitnahmen setzen ein. Der Schwung der Rally lässt spürbar nach. Was Analysten als gesunde Verschnaufpause bezeichnen, könnte der Beginn einer längeren Korrekturphase sein.
Fundamentale Zweifel trotz Auftragsflut
Die fundamentale Seite liefert auf den ersten Blick Argumente für steigende Kurse. Rheinmetall meldet regelmäßig neue Aufträge. Die EU hat ein 90-Milliarden-Paket für die Ukraine angekündigt. Das Unternehmen will seinen Umsatz bis 2030 verfünffachen. Die politische Großwetterlage mit steigenden Verteidigungsausgaben scheint perfekt. Doch dieser Optimismus übersieht wichtige Risiken. Die aktuelle Bewertung der Aktie ist sportlich. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt deutlich über dem historischen Durchschnitt. Die Marktkapitalisierung von 87 Milliarden Euro erscheint ambitioniert für einen Konzern, der noch beweisen muss, dass er die hochgesteckten Wachstumsziele erreichen kann. Die Abhängigkeit von politischen Entwicklungen ist enorm. Jede Entspannung in geopolitischen Konflikten würde den Kurs belasten. Die Ankündigung von Donald Trump, Friedensgespräche in der Ukraine voranzutreiben, hat die Aktie bereits im Dezember unter Druck gesetzt. Von 1.900 Euro ging es zeitweise auf unter 1500 Euro runter. Das zeigt die Nervosität des Marktes. Die Konkurrenz schläft nicht. CSG bereitet den Börsengang vor und will Rheinmetall Marktanteile abnehmen. Zwar spielen Analysten diese Bedrohung herunter. Doch die bloße Existenz eines aggressiven Wettbewerbers sollte Anleger vorsichtig stimmen. Die strukturellen Lücken von CSG könnten schneller geschlossen werden als erwartet. Die jüngsten Insiderkäufe werden als positives Signal gewertet. Aufsichtsräte haben Aktien für insgesamt rund 85.000 Euro gekauft. Diese Summe ist für einen DAX-Konzern lächerlich gering. Sie sagt wenig über die wahre Überzeugung des Managements aus. Möglicherweise handelt es sich um reine PR-Maßnahmen, um die Stimmung zu stützen.
Was tun?
Die Rheinmetall-Aktie steht an einem kritischen Punkt. Die charttechnischen Warnsignale sind deutlich und lassen sich nicht ignorieren. Das Todeskreuz, der überhitzte RSI und die mögliche Schulter-Kopf-Schulter-Formation deuten auf erhebliches Abwärtspotenzial hin. Ein Rückfall auf 1.000 Euro erscheint im Rahmen des Möglichen. Das wäre ein Verlust von rund 50 Prozent. Fundamental mag das Geschäftsmodell intakt sein. Die Auftragslage ist gut, die politischen Rahmenbedingungen stimmen weitgehend. Doch die Bewertung hat diese positiven Faktoren bereits mehr als eingepreist. Die Aktie handelt auf Basis von Erwartungen, die noch erfüllt werden müssen. Jede Enttäuschung wird hart bestraft. Für risikobewusste Anleger lautet die Empfehlung daher klar: Vorsicht! Wer noch keine Position aufgebaut hat, könnte auf niedrigere Einstiegskurse warten. Die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur überwiegt derzeit das weitere Aufwärtspotenzial. Die technischen Indikatoren sprechen eine zu deutliche Sprache, um sie zu ignorieren. Manchmal ist der beste Long-Trade der, den man nicht macht.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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