PARIS (dpa-AFX) - Der Pharmakonzern Sanofi hat im vergangenen Jahr vom Teilverkauf seines Konsumentengeschäfts profitiert und einen Gewinnsprung hingelegt. Aber auch im Tagesgeschäft lief es rund, und im Schlussquartal verdienten die Franzosen überraschend viel. Für Schub sorgte einmal mehr der Kassenschlager Dupixent. Für 2026 und die Folgejahre hat sich Konzernchef Paul Hudson weiteres profitables Wachstum vorgenommen. Zudem kündigte er einen weiteren Aktienrückkauf über eine Milliarde Euro an. Der Börse reichten die Nachrichten vom Donnerstag jedoch nicht für nachhaltige Kursgewinne.
Nach einem zunächst positiven Handelsauftakt drehte das Papier am Vormittag ins Minus und notierte zuletzt 0,7 Prozent tiefer bei 77 Euro. Damit setzte die Aktie ihren Abwärtstrend fort. Ohnehin steht das Papier tendenziell seit Monaten unter Druck - im März hatte der Kurs noch ein Hoch bei 110 Euro erreicht.
Analysten äußerten sich unterdessen in ersten Kommentaren durchaus wohlwollend zu Sanofis Zahlenwerk. Im Schlussquartal habe der Konzern die Erwartungen an Umsatz und Ergebnis getoppt, schrieb Jefferies-Analyst Michael Leuchten. Dies sei vor allem der überraschend starken Entwicklung von Dupixent zu verdanken, wohingegen das Impfgeschäft sich etwas schwächer als gedacht entwickelt habe. Den Ausblick auf 2026 bezeichnete er als "erwartungsgemäß". Für Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan sind die währungsbereinigten Gewinnziele zwar besser als gedacht ausgefallen, allerdings dürften die Markterwartungen auf Basis der aktuellen Kurse etwas sinken, glaubt er.
Sanofi peilt für 2026 ein Umsatzanstieg zu konstanten Wechselkursen im hohen einstelligen Prozentbereich an, wie der Konzern in Paris mitteilte. Der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) soll währungsbereinigt im Vergleich zum Umsatz noch etwas stärker zulegen - herausgerechnet seien dabei auch die Aktienrückkäufe. Dieses profitable Wachstum dürfte für mindestens fünf Jahre anhalten, sagte Konzernchef Hudson laut Mitteilung.
2025 hatten die Franzosen dank der Transaktion mit dem Konsumentengeschäft Opella unter dem Strich mit 7,8 Milliarden Euro nominal gut 40 Prozent mehr verdient als ein Jahr zuvor. Der Verkauf war bereits im April über die Bühne gegangen, der Konzern hatte eine Kontrollmehrheit von 50 Prozent am Consumer-Health-Anbieter an den US-Finanzinvestor Clayton, Dubilier & Rice (CD&R) verkauft und rund zehn Milliarden Euro eingenommen. Bei Sanofi verblieb noch ein Anteil von rund 48 Prozent am Hersteller von frei verkäuflichen Mitteln wie Thomapyrin-Schmerztabletten und Mucosolvan-Hustensaft.
Das bereinigte operative Ergebnis kletterte derweil in den zwölf Monaten um gut 7 Prozent auf 12,15 Milliarden Euro. Das um Sonderfaktoren bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) wuchs um 10 Prozent auf 7,83 Euro - im Schlussquartal schlug die Kennziffer mit 1,53 Euro die durchschnittliche Analystenerwartung von 1,45 Euro.
Der Jahresumsatz des Konzerns stieg im Vergleich um gut 6 Prozent auf 43,6 Milliarden Euro, dabei belastete allerdings der starke Euro. Währungsbereinigt lag das Plus bei knapp 10 Prozent. Auch Sanofis Aushängeschild Dupixent unter anderem gegen Asthma und Neurodermitis entwickelte sich im Schlussquartal besser als gedacht - im Gesamtjahr spülte das Mittel dem Konzern mehr als 15,7 Milliarden Euro ein. Dagegen litt Sanofi zuletzt unter einem schwächeren Impfstoffgeschäft.
Sanofi geht derzeit davon aus, dass der Impfstoffumsatz auch 2026 "leicht rückläufig sein könnte", es sei aber noch zu früh, um dies zu sagen, wie Finanzvorstand Francois-Xavier Roger erklärte. In den USA stellt Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. die seit langem geltenden Impfempfehlungen auf den Kopf.
Unterdessen steht Sanofi vor der Aufgabe, mit der Zeit die hohen Einnahmen von Dupixent ersetzen zu können, wenn der Patentschutz für das Mittel in einigen Jahren ausläuft. Hudson setzt dafür auch auf neue Medikamente, doch in den letzten zwölf Monaten war eine Reihe von Studien mit Hoffnungsträgern wie Amlitelimab bei atopischer Dermatitis gemischt ausgefallen. Auch scheiterte Sanofi mit dem Multiple-Sklerose-Medikament Tolebrutinib in einer späten Phase der klinischen Studie zur primär progredienten MS, zudem lehnte die US-Aufsichtsbehörde die Zulassung des Mittels in einer anderen Indikation ab. Laut dem Konzern wird nun eine milliardenschwere Abschreibung fällig, größtenteils im Zusammenhang mit diesem Medikament./tav/err/jha/




