
© Foto: thyssenkrupp Materials Services
Der deutsche Industriekonzern ThyssenKrupp erlebt derzeit eine bemerkenswerte Renaissance an der Börse.
Die Aktie hat sich innerhalb weniger Monate vervielfacht und markiert neue Mehrjahreshochs. Was steckt hinter dieser Kursrally? Steigende Metallpreise, positive Signale aus China und ein lukrativer Marine-Auftrag sorgen für Rückenwind. Zudem scheint eine Lösung für die kriselnde Stahlsparte in greifbarer Nähe. Offizielle Gespräche mit dem indischen Konzern Jindal Steel könnten den Weg für eine strategische Neuausrichtung ebnen. Die Marinesparte TKMS hat bereits vorgemacht, wie verborgene Werte durch Verselbstständigung gehoben werden können. Doch bei aller Euphorie bleibt die Frage: Wie nachhaltig ist dieser Höhenflug wirklich? Die Quartalszahlen Mitte Februar dürften zeigen, ob die operativen Margen mit den hohen Erwartungen Schritt halten können. Für Anleger könnten sich interessante Einstiegschancen ergeben, allerdings nur bei kluger Positionierung. Ein genauer Blick auf Charttechnik und fundamentale Lage lohnt sich.
Positive Impulse aus mehreren Richtungen
ThyssenKrupp profitiert aktuell von einem günstigen Marktumfeld. Die Metallpreise ziehen an, während Chinas Lagerbestände auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren gefallen sind. Das signalisiert eine robuste Nachfrage im Stahlsektor. Die gesamte Branche, einschließlich Wettbewerber wie Salzgitter, hat davon profitiert. Die ThyssenKrupp-Aktie legte binnen Jahresfrist um beeindruckende um deutlich mehr als 100 Prozent zu und notiert derzeit bei rund 11,35 Euro. Die Marine-Sparte entwickelt sich damit immer mehr zum stabilen Umsatztreiber, während das traditionelle Stahlgeschäft unter globalem Preisdruck leidet. Strategisch bedeutsam sind auch die offiziell bestätigten Verhandlungen mit Jindal Steel. CEO Miguel Lopez hat deutlich gemacht, dass ein indischer Partner die kostenintensive grüne Transformation der Stahlproduktion erleichtern könnte. Der erfolgreiche Börsengang von TKMS im Herbst 2025 gilt dabei als Blaupause. Investoren hoffen, dass eine ähnliche Lösung für die Stahlsparte den Konzernumbau entscheidend voranbringt. Die Dividende von 0,15 Euro wurde stabil gehalten, der Ex-Tag war am 2. Februar.

Charttechnik
Aus technischer Sicht befindet sich die ThyssenKrupp-Aktie in einem intakten Aufwärtstrend. Alle relevanten gleitenden Durchschnitte wurden nach oben durchbrochen. Der Abstand zur 200-Tage-Linie ist mehr als nur deutlich. Der Titel hat zuletzt mit 12,11 Euro ein neues Mehrjahreshoch markiert. Der RSI liegt allerdings bei 80, was auf eine mögliche Überhitzung hindeutet. Für taktisch denkende Anleger bietet sich eine Kaufgelegenheit bei einer Konsolidierung im Bereich von 10 Euro an. Dort verläuft in etwa der 50-Tage-Durchschnitt, der als natürliche Unterstützung dienen könnte. Noch attraktiver wäre ein Rücksetzer bis zur 200-Tage-Linie bei etwa 8 Euro. An diesem Niveau hätte die Aktie dann genug Luft geholt, um die nächste Aufwärtsbewegung anzugehen. Das Kursziel liegt bei 14 bis 15 Euro, sofern die fundamentalen Daten mitspielen. Ein Stopp sollte entsprechend der gewählten Einstiegsmarke gesetzt werden, um das Risiko zu begrenzen.
Was tun?
Die ThyssenKrupp-Aktie präsentiert sich derzeit von ihrer besten Seite. Die Kombination aus steigenden Metallpreisen, niedrigen chinesischen Lagerbeständen und strategischen Fortschritten beim Konzernumbau wirkt positiv. Der Marine-Auftrag untermauert die Stärke von TKMS, während die Gespräche mit Jindal Steel Hoffnung auf eine nachhaltige Lösung für die Stahlsparte wecken. Die Charttechnik zeigt einen klar definierten Aufwärtstrend, allerdings ist kurzfristig Vorsicht geboten, da der RSI überhitzt ist. Die Quartalszahlen Mitte Februar werden zeigen, ob die operative Entwicklung die hohen Bewertungen rechtfertigt. Anleger sollten die Margen und den Cashflow genau im Auge behalten. Ein direkter Einstieg zum aktuellen Kurs erscheint angesichts des hohen RSI-Wertes riskant. Besser ist es, auf eine technische Konsolidierung zu warten. Bei Rücksetzern auf 10 oder sogar 8 Euro ergibt sich ein günstigeres Chance-Risiko-Verhältnis. Mit einem Kursziel von 14 bis 15 Euro bleibt die Aktie mittelfristig interessant, sofern das Management die Transformation weiter vorantreibt und die nächsten Zahlen überzeugen. Wer geduldig bleibt und selektiv vorgeht, könnte von der weiteren Entwicklung profitieren.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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