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Die Euphorie ist verflogen. Nach dem jüngsten Kursrutsch mehren sich die Warnzeichen bei Rheinmetall. Was zunächst wie eine kurze Korrektur aussah, könnte sich als Beginn einer längeren Talfahrt entpuppen. Die Umsatzprognose für 2026 liegt deutlich unter den Erwartungen, Insider verkaufen ihre Anteile und sogar die BaFin ermittelt. Analysten senken reihenweise ihre Kursziele, auch wenn sie noch an der Kaufempfehlung festhalten. Doch wie lange noch?
Die charttechnische Situation verschärft sich zusehends. Eine gefährliche SKS-Formation deutet auf weitere Verluste hin. Anleger könnten versucht sein, jetzt die Reißleine zu ziehen, bevor es zu spät ist. Ein Kursziel von 1.000 Euro rückt vielleicht näher als gedacht.
Ernüchternde Zahlen schocken den Markt
Der Schock kam am zuletzt. Im Pre-Close-Call nannte Rheinmetall einen Umsatzausblick von nur 13,6 Milliarden Euro für 2026. Das Problem: Die Analysten hatten mindestens 12 Prozent mehr erwartet. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Danach brach die Aktie um über 9 Prozent ein und fiel zeitweise deutlich Richtung 1.500 Euro. Die Erholung der letzten Tage wirkt recht zaghaft und wenig überzeugend. Die Notierungen dümpeln bei um die 1.650 Euro vor sich hin, während die wichtigen gleitenden Durchschnitte noch in weiter Ferne liegen. Die Situation wird noch brisanter durch das Verhalten der Insider. Kurz vor dem Kursrutsch haben Führungskräfte Aktien verkauft. Das hat die BaFin auf den Plan gerufen. Die Finanzaufsicht prüft nun, ob die Informationsweitergabe sauber gelaufen ist. Der Termin für den Pre-Close-Call wurde ohne konkrete Uhrzeit angekündigt. Das wirft ebenfalls Fragen auf. Zwar kaufte CEO Papperger nach dem Absturz persönlich Aktien für knapp 300.000 Euro. Doch das wirkt eher wie Schadensbegrenzung als echte Überzeugung. Die Analysten reagieren nervös. Zahlreiche Banken und Analysten senkten ihre Kursziele. Die Begründung ist immer ähnlich. Der Produktionshochlauf läuft komplexer als gedacht. Das Volumenwachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Margen sollen zwar stabil bei 18 bis 20 Prozent bleiben, aber das beruhigt niemanden mehr.

Charttechnik
Die charttechnische Lage verschlechtert sich dramatisch. Es hat sich, beim Anblick des Charts, eine mögliche klassische Schulter-Kopf-Schulter-Formation ausgebildet. Die linke Schulter formte sich im Sommer vergangenen Jahr bereits, der Kopf im September 2025 bei etwa 2.000 Euro. Die rechte Schulter entstand zuletzt. Die Nackenlinie verläuft bei rund 1.500 Euro. Fällt die Aktie unter diese Marke, droht ein massiver Einbruch. Das rechnerische Kursziel dieser Formation liegt bei 1.000 Euro. Das klingt dramatisch, ist aber mathematisch ableitbar. Die gleitenden Durchschnitte zeigen alle nach unten. Der SMA50 wurde bereits unterschritten. Der SMA200 ebenfalls. Beide Linien müssten überwunden werden, um wieder von einem intakten Aufwärtstrend sprechen zu können. Davon ist Rheinmetall derzeit schon ein ganzes Stück weit entfernt. Die Erholung auf 1.650 Euro wirkt wie ein technischer Rücklauf. Solche Bewegungen sind typisch, bevor es weiter abwärts geht. Das Handelsvolumen gibt zusätzlich Anlass zur Sorge. Am Tag des Absturzes wechselten die Aktien in großer Zahl den Besitzer. Das deutet auf Panikverkäufe hin. Die folgenden Tage zeigten deutlich weniger Umsatz. Das spricht gegen eine nachhaltige Erholung. Es fehlt schlicht die Überzeugung der Käufer. Die Verkäufer hingegen warten nur auf eine günstige Gelegenheit, um erneut auszusteigen. Jede Erholung wird, so scheint es derzeit, zum Ausstieg genutzt. Das drückt die Kurse weiter.
Was tun?
Die Lage bei Rheinmetall hat sich grundlegend verschlechtert. Die Umsatzprognose liegt unter den Erwartungen. Die geplanten 13,6 Milliarden Euro für 2026 enttäuschen auf ganzer Linie. Analysten hatten mit über 15 Milliarden gerechnet. Diese Lücke ist nicht wegzudiskutieren. Auch die Geschichte mit dem Drohnenauftrag über 300 Millionen Euro ändert nichts am Gesamtbild. Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die charttechnische Situation verschärft die Lage zusätzlich. Die SKS-Formation ist nahezu lehrbuchmäßig ausgebildet. Ein Bruch der Nackenlinie bei 1.500 Euro würde massiven Verkaufsdruck auslösen. Das Kursziel von 1.000 Euro ist dann schnell erreicht. Die gleitenden Durchschnitte bieten keinen Halt mehr. Alle wichtigen Unterstützungen sind gebrochen. Die Erholung der letzten Tage wirkt kraftlos und wenig nachhaltig. Hinzu kommen die Ermittlungen der BaFin. Auch wenn diese routinemäßig sind, hinterlassen sie einen schalen Beigeschmack. Insider haben vor dem Absturz verkauft. Das sendet ein verheerendes Signal an den Markt. Selbst der Nachkauf von CEO Papperger kann das nicht wettmachen. Der vollständige Geschäftsbericht kommt erst am 11. März. Bis dahin bleibt Unsicherheit. Die Anleger werden nervös bleiben. Unter diesen Umständen sollten Anleger ihre Position überdenken. Ein Verkauf ist derzeit sicherlich eine Option oder eine entsprechende Absicherung mit einem passenden Stopp. Wer wartet oder zögert, riskiert deutlich mehr.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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