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Binnen weniger Wochen hat die ThyssenKrupp-Aktie gut 30 Prozent an Wert verloren. Was heftig klingt, könnte für mutige Anleger genau der richtige Moment sein. Denn an der Börse gilt: Wenn Blut fließt, kaufen die Klugen. Und tatsächlich gibt es gerade bei ThyssenKrupp einiges, das positiv stimmt. Der RSI ist bei der Marke von 30 angekommen, historisch ein Zeichen dafür, dass eine Aktie überverkauft ist. Jefferies hat die Kaufempfehlung bekräftigt und sieht das Kursziel unverändert bei 13 Euro. Das wäre gegenüber dem aktuellen Niveau eine heftige Chance. Gleichzeitig tut sich beim umstrittenen Stahlgeschäft endlich etwas. Die Frage ist: Ist der Schmerz vielleicht schon eingepreist? Dieser Artikel zeigt Ihnen, was hinter dem Kurssturz steckt, wie der Chart aussieht, und was Anleger für eine Möglichkeit haben.
Ein indischer Bieter macht Hoffnung
ThyssenKrupp steckt seit Jahren in einem schwierigen Umbau. Das Herzstück des Problems: die Stahlsparte. Sie frisst Geld, bindet Ressourcen und steht seit Langem für sich alleine nicht auf eigenen Beinen. Genau deshalb war die Nachricht, dass der indische Stahlgigant Jindal Steel & Power an einer Übernahme interessiert ist, für viele Investoren wie ein Befreiungsschlag. Seit Herbst 2025 laufen entsprechende Gespräche offiziell. Das Modell, das sich abzeichnet: Jindal könnte mit 60 Prozent Mehrheitseigentümer werden, während ThyssenKrupp zunächst 40 Prozent behält. Das hätte den Vorteil, dass der Konzern bei den rund 2,5 Milliarden Euro schweren Pensionsverpflichtungen flexibler bleibt. Zuletzt gab es jedoch Gegenwind. Die geopolitische Lage im Nahen Osten belastet die Märkte, die Energiepreise steigen und die Verhandlungen mit Jindal kommen nicht so zügig voran wie erhofft. ThyssenKrupp-Chef Miguel Lopez hielt sich zuletzt bedeckt und sprach lediglich von einem "konstruktiven Austausch". Das reicht der Börse nicht, sie reagierte mit einem Kursrutsch, teilweise von rund zehn Prozent an einem einzigen Tag. Für das erste Geschäftsquartal meldete der Konzern außerdem einen deutlich höheren Verlust als im Vorjahreszeitraum, vor allem wegen hoher Restrukturierungskosten in der Stahlsparte. Aber: Es gibt auch Bewegung nach vorne. Der Austritt aus dem Duisburger Stahlhersteller HKM ist vollzogen, ein Tarifabschluss mit den Gewerkschaften steht, und mit der Flacks Group zeigt sich möglicherweise ein weiterer potenzieller Käufer für die Stahlsparte. Zudem bereitet ThyssenKrupp die Lieferung von CO2-reduziertem Stahl an die BMW Group vor. Ab 2026 soll das sogenannte bluemint-Material im Modell iX3 zum Einsatz kommen. Das zeigt: Thyssenkrupp denkt nicht nur an den Verkauf, sondern auch an die Zukunft des eigenen Produkts.
Charttechnik
Von seinem Hoch Mitte Februar bei 12,47 Euro ist der Kurs auf zuletzt 7,80 Euro gefallen. Das entspricht einem Verlust von über 30 Prozent in wenigen Wochen. Die Aktie hat dabei nicht nur eine wichtige Aufwärtstrendlinie nach unten durchbrochen, sondern liegt auch unter beiden wichtigen SMAs (50er und 200er). Ebenfalls steuert der Kurs nun auf eine markante Unterstützungszone zwischen 7,20 und 7,70 Euro zu. Genau an der oberen Grenze dieser Zone ist der Kurs zuletzt nach oben abgeprallt, ein erstes, wenn auch noch schwaches Zeichen.

Was technisch zuversichtlich stimmt: Der RSI ist bei der 30er-Marke. Werte in diesem Bereich signalisieren eine überverkaufte Aktie und gehen historisch oft einem Stabilisierungs- oder Erholungsversuch voraus. Konkrete Kaufsignale sind aber noch nicht ausgelöst, kann aber noch kommen. Dazu muss die Aktie wieder über 8,60 Euro. Dann könnten Kurse sogar im Bereich um 11-12 Euro wieder möglich werden.
Was tun?
Für Anleger, die Nerven und einen langen Atem mitbringen, könnte die aktuelle Lage durchaus interessant sein. Das Analysehaus Jefferies sieht das klar so: Kaufempfehlung, Kursziel 13 Euro, und daran hat sich trotz des starken Kursrückgangs zuletzt nichts geändert. Das Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kursniveau ist damit erheblich. Fundamental ist ThyssenKrupp ein Konzern im Umbruch. Das Stahlgeschäft ist eine Belastung, aber gleichzeitig arbeitet man aktiv an Lösungen, ob über einen Verkauf an Jindal, einen neuen Bieter oder strukturelle Maßnahmen wie eine mögliche KGaA-Lösung für die Sparte Materials Services. Wer auf den ersten charttechnischen Befreiungsschlag wartet, sollte ein stabiles Überschreiten der 8,60-Euro-Marke abwarten. Ebenso wäre ein gestaffelter Einstieg mit engem Stopp-Loss unterhalb von 7,15 Euro wäre eine Möglichkeit, das Risiko zu begrenzen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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