
© Foto: von Sylvester Böhle auf Pixabay (Symbolbild)
Die Deutsche Bank steckt gerade in einer echten Zwickmühle. Auf der einen Seite bricht der Kurs seit Wochen ein, auf der anderen Seite zeigen die Geschäftszahlen, dass das Unternehmen fundamental kerngesund ist. Wie passt das zusammen? Ganz einfach gesprochen: Der Markt könnte mal wieder übertreiben. Wer jetzt genau hinschaut, entdeckt eine Aktie, die aus einer handfesten Übertreibung nach unten heraus möglicherweise kurz vor einem Rebound steht. Dazu kommt die Commerzbank-Geschichte, und die könnte für die Deutsche Bank ein echter Wendepunkt werden. Ob neues Klientel, abgewanderte Investmentbanker oder schlichtweg das Wegfallen des wichtigsten deutschen Konkurrenten. Die Chancen werden größer. Was steckt wirklich dahinter? Und lohnt sich jetzt der Einstieg?
Starkes Fundament, fallender Kurs
Wer die Deutsche Bank nur nach ihrem Aktienkurs beurteilt, liegt gerade ziemlich daneben. Seit Anfang Februar hat die Aktie deutlich an Wert verloren, und das, obwohl die Zahlen für 2025 richtig stark ausgefallen sind. Die Bank ist zurück auf der Ertragsspur, das Geschäft läuft rund. Dennoch zieht der Iran-Krieg als makroökonomischer Schatten über die europäische Bankenlandschaft. Die Konjunkturerwartungen sind eingebrochen, der ZEW-Index rutschte überraschend ins Minus. Bankenchef Christian Sewing sprach offen an, dass der Nahost-Konflikt die deutsche Wirtschaft belasten könnte. Gleichzeitig betonte er aber, dass man für 2026 und 2027 bereits konservativ geplant habe und an den Zielen werde man festhalten. Das Bild, das sich daraus ergibt, ist eigentlich positiv. Die Bank hat ihre Hausaufgaben gemacht. Sie steht stabil da, verdient Geld und zahlt eine ordentliche Dividende. Analysten sehen den fairen Wert der Aktie zwischen 33 und 39 Euro, im Mittel bei rund 35,90 Euro. Aktuell notiert das Papier bei etwa 25,50 Euro. Hinzu kommt der Commerzbank-Faktor. Die italienische UniCredit bereitet ein Übernahmeangebot vor. Der Deal soll über einen Aktientausch laufen, 0,485 neue UniCredit-Aktien für eine Commerzbank-Aktie, offiziell geplant für Anfang Mai. Geht die Übernahme durch, würde die Commerzbank mit der Hypo-Vereinsbank verschmelzen, einer Tochter der UniCredit. Was das bedeutet: Die Deutsche Bank bliebe als einzige eigenständige große deutsche Privatbank übrig. Eine Stellung, die sich in echten Wettbewerbsvorteilen niederschlagen dürfte. Sewing selbst sagte es klar: Man sei bereit, neue Kunden an Bord zu nehmen. Und das ist keine leere Floskel. Viele Firmenkunden der Commerzbank lehnen eine Übernahme ab. Wenn die eigenständige Commerzbank wegfällt, werden sie sich umorientieren müssen. Die Deutsche Bank ist international aufgestellt, im Heimatmarkt stark präsent, kurz gesagt, sie ist die naheliegendste Anlaufstelle. Dazu dürfte ein Teil der erfahrenen Investmentbanker die neue Konstellation zum Anlass nehmen, den Arbeitgeber zu wechseln. Wer zur Deutschen Bank wechselt, bringt Geschäft mit. Das ist ein doppelter Gewinn.
Charttechnik
Auf der einen Seite hat die Aktie seit Februar rund 25 Prozent verloren und notiert charttechnisch weiterhin in einem Abwärtstrend. Der RSI, ein wichtiger Indikator für überkaufte oder überverkaufte Werte, steht bei ungefähr 26. Das ist im überverkauften Bereich. Solche Niveaus markieren häufig zumindest kurzfristige Böden, weil kaum noch Verkaufsdruck von panikgesteuerten Anlegern ausgeht. Auf der anderen Seite droht ein sogenanntes Todeskreuz. Das entsteht, wenn der 50-Tage-Durchschnitt den 200-Tage-Durchschnitt von oben nach unten schneidet, ein klassisches Warnsignal in der technischen Analyse. Noch ist es nicht so weit. Ein schneller Rebound könnte dieses Signal noch abwenden und das Chartbild deutlich aufhellen. Der Schlüssel liegt bei rund 26,50 - 28,00 Euro. Wird diese Widerstandszone nachhaltig zurückerobert, gibt das dem Papier wieder Auftrieb. Nach oben bleibt der faire Wert - lt. der Analysten - um die 34 bis 36 Euro das mittelfristige Ziel.

Was tun?
Wer die Fundamentaldaten anschaut, sieht eine möglicherweise unterbewertete Aktie mit solider Dividende und echtem Wachstumspotenzial durch die Commerzbank-Konstellation. Wer den Chart anschaut, sieht einen RSI im Keller, und damit ein mögliches Rebound-Signal. Gleichzeitig hängt das Damoklesschwert des Todeskreuzes über dem Papier, und das makroökonomische Umfeld bleibt ungemütlich. Für risikobewusste Anleger bietet das aktuelle Kursniveau um die 25 Euro sicherlich eine interessante Einstiegsgelegenheit. Die Analysten sind sich ungewöhnlich einig. In jedem Fall gilt: Die Deutsche Bank ist keine Aktie, die man gerade aus den Augen verlieren sollte.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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