
© Foto: fn Symbolbild
Evotec galt einmal als eines der spannendsten Biotechs aus Deutschland. Forscher, Partner, Potenzial, das Unternehmen schien auf dem richtigen Weg. Doch heute sieht die Realität brutal anders aus. Der Kurs hat sich von seinen Hochs deutlich entfernt, der Konzern baut hunderte Stellen ab, und die Gewinnprognose liegt meilenweit unter dem, was Analysten erwartet hatten. Selbst eine Millionenzahlung von Bristol Myers Squibb hat die Börse kalt gelassen, der Kurs fiel trotzdem. Was ist da bloß schiefgelaufen? Und vor allem: War das alles, oder kommt da noch mehr? Wer Evotec im Depot hat, sollte jetzt sehr genau hinschauen. Die nächsten Monate werden entscheidend sein.
Eigentlich hätte es ein Grund zum Feiern sein können. Bristol Myers Squibb überweist Evotec 10 Millionen US-Dollar, und zwar weil eine gemeinsam entwickelte Substanz zur Behandlung von Nierenkrebs jetzt in die erste klinische Studienphase eingetreten ist. Der Wirkstoff BMS-986506 gehört zur Klasse der sogenannten Molecular Glue Degrader, also Moleküle, die gezielt Proteine abbauen, die mit klassischen Medikamenten kaum zu treffen sind. Klingt gut. Ist wissenschaftlich auch gut. Aber die Börse hat die Schultern gezuckt, und die Aktie trotzdem ins Minus gedrückt. Das sagt eigentlich alles über die aktuelle Lage bei Evotec. Das Vertrauen der Investoren ist tief erschüttert. Einzelne Erfolgsmeldungen reichen längst nicht mehr aus, um den Abwärtstrend zu stoppen. Der Markt schaut auf das große Bild, und das ist alles andere als schön. Denn parallel zu solchen positiven Nachrichten läuft ein massiver Konzernumbau, der viele Anleger zutiefst verunsichert. Das Restrukturierungsprogramm mit dem Namen "Horizon" ist keine kleine Korrektur. Evotec will seine weltweiten Standorte auf gerade mal zehn reduzieren und bis zu 800 Stellen streichen. Das ist ein harter Einschnitt. Bis Ende 2027 sollen die Maßnahmen jährliche Einsparungen von 75 Millionen Euro bringen. Klingt gut, aber bis dahin ist es ein langer, steiniger Weg. Dazu kommt der Ausblick für das laufende Jahr, der viele Anleger regelrecht schockiert hat. Für 2026 erwartet das Management ein bereinigtes EBITDA von 0 bis 40 Millionen Euro. Analysten hatten im Vorfeld mit mehr als 80 Millionen Euro gerechnet. Diese Lücke ist groß, und sie hat die Aktie auf ein neues Jahrestief gedrückt. Das Kerngeschäft, also die eigentliche Wirkstoffforschung, schreibt Verluste. Einzig die Biologics-Sparte zeigt mit einem Umsatzplus von 40 Prozent, dass es auch Lichtblicke gibt. Aber ein Bereich allein reicht nicht für die große Wende aus.
Charttechnik
Ein Blick auf den Chart macht die Sache nicht besser. Evotec notiert aktuell bei rund 4,30 Euro, das ist deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von ca. 8,30 Euro. Die Aktie hat in letzter Zeit beschleunigt an Wert verloren. Allein in den vergangenen sieben Handelstagen verlor die Aktie nochmals über 20 Prozent seines Wertes. Ein klarer Abwärtstrend, und von einer Bodenbildung ist bisher wenig zu sehen. Der RSI hat sich zwar zuletzt leicht nach oben bewegt, liegt aber immer noch im überverkauften Bereich, das ist aber kein Kaufsignal, das ist höchstens ein erstes kleines Atemholen. Der nächste wichtige Termin ist der 8. April 2026, dann legt Evotec die finalen Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vor. Bis dahin bleibt die Aktie ein Spielball für kurzfristige Trader, nicht für langfristig orientierte Anleger. Der Kurs braucht dringend einen starken Impuls. Momentan fehlt der vollständig.

Was tun?
Evotec ist kein einfacher Fall. Das Unternehmen hat Substanz, starke Partnerschaften, eine interessante Pipeline und eine wachsende Biologics-Sparte, aber die Probleme sind echt und sie sind groß. Der Gewinnausblick liegt weit unter den Erwartungen, der Umbau kostet Zeit und Geld, das Vertrauen am Kapitalmarkt ist schwer beschädigt, und der Chart zeigt noch keinen belastbaren Boden. Dazu kommen Berichte über Insider-Verkäufe, die zusätzlich für Unruhe sorgen. Wer die Aktie bereits im Depot hat, sollte die Reißleine zumindest ernsthaft in Betracht ziehen, zumindest eine Teilgewinnmitnahme oder Positionsreduzierung könnte durchaus Sinn machen, um das Risiko zu begrenzen. Ein Neueinstieg ist derzeit nicht zu empfehlen. Zu groß ist die Unsicherheit, zu unklar der Zeithorizont bis zur Erholung. Wer dennoch spekulativ dabei bleiben will, kennt das hohe Risiko offensichtlich. Es gilt: Finger weg, oder zumindest sehr vorsichtig bleiben.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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