
© Foto: fn Symbolbild
Wann immer ein Unternehmen operativ liefert, der Kurs aber trotzdem fällt, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Bei TKMS ist das gerade der Fall. Der Kieler Marineschiffbauer hat in den vergangenen Wochen quasi einen Auftrag nach dem anderen eingesammelt, die Jahresprognose angehoben und eine neue Strategie ausgegeben, und trotzdem hat die Aktie seit Januar deutlich verloren. Für so manchen Anleger könnte das eine seltene Gelegenheit sein. Denn auf dem aktuellen Kursniveau treffen technische Kaufsignale auf eine fundamental starke Unternehmensstory. Wer jetzt aufmerksam liest, könnte früh dabei sein, bevor der Markt das bemerkt, was in den Zahlen längst steht.
Strategisch in Position
TKMS ist gerade dabei, sein Geschäftsmodell grundlegend weiterzuentwickeln. Lange war der Konzern vor allem eines: ein Hersteller von U-Booten und Fregatten, der auf große Rüstungsaufträge angewiesen war. Diese kommen unregelmäßig, kosten jahrelange Verhandlungen und bringen erhebliche Planungsunsicherheit mit sich. Jetzt kommt eine zweite Erlössäule dazu: Das Servicegeschäft. Ende März unterzeichnete TKMS gemeinsam mit dem singaporischen Partner ST Engineering eine Absichtserklärung für ein gemeinsames U-Boot-Wartungszentrum in Singapur. In Anwesenheit von Bundesverteidigungsminister Pistorius und seinem singaporischen Amtskollegen. Das zeigt, wie ernst beide Seiten das Vorhaben nehmen. Die Republic of Singapore Navy betreibt bereits drei von sechs bestellten U-Booten der Invincible-Klasse. Zwei weitere kommen bis 2028. Damit ist der Kundenstamm für das neue Servicezentrum gesichert, bevor das erste Wartungsgeschäft überhaupt beginnt. Wiederkehrende Einnahmen aus Überholungen, Ersatzteilen und Schulungen, das ist die Art von Cashflow, die Investoren gerne haben und mögen. Gleichzeitig sitzt TKMS als einziger Bieter für das F127-Fregatten-Programm der Deutschen Marine am Tisch. Acht Schiffe, zweistelliger Milliardenbetrag, erste Auslieferung 2034 geplant. Dazu ein Vorvertrag für vier MEKO-A-200-Fregatten und ein Folgeauftrag aus Norwegen für zwei weitere U-Boote. Der Auftragsbestand übersprang damit die Marke von 20 Milliarden Euro. In Kanada ist TKMS einer von zwei verbliebenen Finalisten für ein U-Boot-Programm, das Ottawa selbst als größte Militärbeschaffung in der Landesgeschichte bezeichnet, Volumen: über 24 Milliarden kanadische Dollar. Eine Entscheidung wird für Sommer 2026 erwartet.
Charttechnik
Die Aktie hat ihren Anstieg über die 100-Euro-Marke, das Allzeithoch bei 107 Euro vom 22. Januar, seitdem konsolidiert. Danach gab es nochmals einen Anlauf auf die 100 Euro, sogar knapp darüber. Seitdem wieder eine ausgedehnte Konsolidierungsphase. Im Chart sind zwei markante Kursmarken erkennbar, die charttechnisch als Unterstützung wirken könnten: eine bei etwas unter 70 Euro und eine weitere bei ca. 60 Euro. Beide Bereiche weisen auf offene Kurslücken hin, sogenannte Gaps, die der Kurs auf seinem Weg nach oben hinterlassen hat. Dies erkennen Sie schön im Chartbild. Solche Gaps werden häufig irgendwann geschlossen. Sollte der Kurs dort ankommen, wäre das aus technischer Sicht ein klassischer Rücklauf in eine Unterstützungszone, und damit ein möglicher Startpunkt für einen Rebound. Das Signal dafür kommt auch aus dem RSI. Der Relative-Stärke-Index liegt mit einem Wert von rund 18 tief im überverkauften Bereich. Werte unter 30 gelten gemeinhin als Warnsignal für übertriebene Kursrückgänge, 18 schreit regelrecht nach Gegenbewegung. Wer den Rebound mit Kursziel 100 Euro ins Kalkül zieht, hat somit ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.

Was tun?
TKMS liefert gut. Die Quartalszahlen für das erste Quartal 2026 zeigen 545 Millionen Euro Umsatz, eine Bruttomarge von 17 Prozent und einen positiven freien Cashflow von 33 Millionen Euro. Das Management hat die Jahresprognose auf 2 bis 5 Prozent Umsatzwachstum angehoben. Die Auftragsbücher sind voll. Strategisch geht das Unternehmen den richtigen Weg für die Aktionäre, weg von der reinen Projektabhängigkeit, hin zu stabilen Serviceeinnahmen. So ähnlich hat es auch Nordex gemacht. Und der Windanlagenbauer hat danach einen tollen Kurs-Anstieg hingelegt. Der nächste Quartalsbericht für TKMS kommt am 11. Mai, kurz vor der Kanada-Entscheidung. Das ist ein engerer Zeitplan mit viel Potenzial nach oben. Wer mit einem Einstieg in der Zone zwischen 60 und 70 Euro plant und das Kursziel bei 100 Euro ansetzt, hat ein solides Fundament. Starke Fundamentaldaten, klare charttechnische Unterstützung und ein RSI, der auf Erholung drängt. Ein erster Einstieg ist auch in Tranchen denkbar, z. B. mit Stopp im Bereich bei 55 - 58 Euro.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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