FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Einigung auf eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg hat bei den Anlegern am Mittwoch weltweit für enorme Erleichterung gesorgt - vor allem dank des massiven Einbruchs der Ölpreise. Börsianer sprachen von einem "Geschenk von Pakistan". Das Nachbarland des Iran hatte eine sofortige Waffenruhe vermittelt.
Daraufhin sackten die Ölpreise prozentual zweistellig ab. Sie sind derzeit der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni fiel zeitweise unter 91 US-Dollar und damit auf das tiefste Niveau seit Mitte März.
Wichtig für die globalen Märkte ist vor allem, dass der Iran die Straße von Hormus nun wieder für den Schiffsverkehr öffnen will. Allerdings erwägt das Land nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars zufolge, aus der vereinbarten zweiwöchige Feuerpause mit den USA auszusteigen. Hintergrund seien die anhaltenden israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Libanon.
Der Dax schnellte um 5,06 Prozent auf 24.080,63 Punkte hoch. Es war der größte Tagesgewinn seit 2022. Gemessen am bisherigen Jahrestief von Ende März hat der deutsche Leitindex damit knapp zwei Drittel seines Kursrutsches wegen des Iran-Kriegs wieder wettgemacht. Der MDax zog um 5,43 Prozent auf 30.295,08 Zähler an.
"An den Finanzmärkten ist Aufatmen angesagt", schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Mit dem Waffenstillstand bleibe vorerst eine weitere Eskalation aus. Vor allem die deutlich gefallenen Ölpreise lassen dem Experten zufolge Hoffnungen keimen, dass der Anstieg der Inflationsraten eine kurze Episode bleiben wird. Die Notenbanken könnten im Falle einer nachhaltigen Entspannung der Ölpreise auch von bereits befürchteten Zinsanhebungen absehen.
Der EuroStoxx stieg am Dienstag um 4,97 Prozent auf 5.913,37 Punkte. In Zürich zogen der SMI und in London der FTSE 100 um jeweils 2,5 Prozent an. In den USA lag der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss mit 2,3 Prozent im Plus.
Am deutschen Aktienmarkt waren die Papiere solcher Unternehmen gefragt, die stark von der Konjunktur abhängen. So gewannen im Dax die Titel des Industriekonzerns Siemens, des Chipherstellers Infineon und des Energietechnikkonzerns Siemens Energy zehn bis knapp zwölf Prozent.
Die Anteilscheine des Stahlkonzerns Salzgitter schnellten um gut 15 Prozent nach oben. Sie haben gleichwohl ihre Verluste seit Kriegsbeginn Ende Februar noch nicht aufgeholt.
Die Kurse der Bioethanol-Produzenten Verbio und Südzucker büßten 16,2 respektive 4,2 Prozent ein. Sie hatten zuletzt stark vom hohen Ölpreis profitiert, der alternative Treibstoffe wie Biodiesel in den Fokus gerückt hatte.
Aktien von Redcare Pharmacy stiegen im MDax nach der Vorlage von Geschäftszahlen um fast 9 Prozent. Der Experte Martin Comtesse vom Analysehaus Jefferies sprach von einem insgesamt "konstruktiven Start" ins Jahr für die Online-Apotheke./bek/he
--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---
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