
© Foto: fn Symbolbild
Bayer hat in den letzten Monaten sogar in der Spitze mehr als 100 Prozent zugelegt, ein Comeback, das kaum jemand so erwartet hatte. Doch genau jetzt, an einem charttechnisch entscheidenden Punkt, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Ende April verhandelt der US Supreme Court über die milliardenschweren Glyphosat-Klagen, ein Urteil, das Bayer entweder befreien oder weiter belasten könnte. Gleichzeitig läuft das Pharmageschäft besser als erwartet, Analysten erhöhen ihre Kursziele, und die DZ Bank hat gerade ihre Verkaufsempfehlung aufgegeben. Aber der Chart erzählt noch eine etwas andere Geschichte. Wer jetzt einsteigt, ohne hinzuschauen, könnte zu früh dran sein. Wer wartet, verpasst vielleicht die Chance seines Lebens. Was also tun?
Die Wahrheit hinter der 100-Prozent-Rally
Bayer hat turbulente Jahre nach der Monsanto-Übernahme 2018 hinter sich. Diese brachte nicht nur ein Agrargeschäft, sondern auch eine gewaltige Klagewelle mit. Tausende Klagen wegen des Unkrautvernichters Roundup, Rückstellungen in zweistelliger Milliardenhöhe und ein Aktienkurs, der jahrelang im Keller feststeckte. Doch das Blatt hat sich gedreht. Der Leverkusener Konzern hat deutlich zugelegt, aus einem Tief von unter 20 Euro hat sich die Aktie auf weit über 40 Euro im Hoch vorgearbeitet. Was steckt dahinter? Zum einen läuft das Pharmageschäft richtig gut. Das Medikament Kerendia wuchs zuletzt währungsbereinigt um 88 Prozent. Hinzu kommt eine neue EU-Zulassung für Herzinsuffizienz, die Kerendia einen neuen, riesigen Patientenmarkt öffnet. Langfristig peilt das Management Umsätze von über drei Milliarden Euro allein mit diesem Produkt an. Auch Nubeqa, Asundexian und Lynkuet warten als weitere Wachstumstreiber in der Pipeline. Für das Gesamtjahr 2026 plant Bayer Umsätze zwischen 45 und 47 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes EBITDA von 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro. US-Pharmazölle? Laut COO Sebastian Guth bereits eingepreist. Die Analysten glauben daran. Die UBS hat ihr Kursziel auf 52 Euro angehoben, Goldman Sachs sieht 54,50 Euro, J.P. Morgan bleibt bei 50 Euro mit einer Kaufempfehlung. Selbst die DZ Bank, die zuletzt noch zum Verkauf riet, stufte die Aktie jetzt auf "Halten" hoch und erhöhte den fairen Wert auf 44 Euro.
Charttechnik
Die Rally der letzten Monate ist intakt, der 200-Tage-Durchschnitt zeigt noch nach oben, die langfristige Aufwärtsbewegung ist ungebrochen. Aber es gibt einen Haken, denn der 50er SMA hat zuletzt nach unten gedreht. Das ist zwar kein Alarmsignal, aber ein klares Warnsignal. Der Kurs pendelt gerade um die 40-Euro-Marke und kämpft um den 50-Tage-Schnitt, das klingt besser als es ist, denn solche Kämpfe enden nicht immer zugunsten der Käufer. Eine vollständige Konsolidierung könnte den Kurs nochmals bis an den 200er SMA drücken. Das wären Kurse im Bereich von 33 bis 34 Euro, unangenehm für Anleger, die jetzt einsteigen, aber eine attraktive Einstiegszone für alle, die geduldig warten können. Dort böte sich ein Positionsaufbau an, mit einem Kursziel von 50 Euro und einem Stopp bei rund 29 Euro. Das Chance-Risiko-Verhältnis wäre dann deutlich besser als heute.

Was tun?
Das Unternehmen kämpft gleichzeitig an drei Fronten: operativ, finanziell und juristisch. Die Pharmasparte läuft gut, die Zahlen für 2025 waren solide, und das Management hat klare Ziele für 2026. Doch der negative freie Cashflow und ein Schuldenberg von knapp 30 Milliarden Euro drücken auf die Bewertung. Das alles steht und fällt mit dem Supreme Court. Am 27. April verhandeln die US-Richter über die Glyphosat-Haftung, ein Urteil bis Ende Juni könnte Bayer juristisch grundlegend entlasten und den Weg für die Erholung freimachen. Fällt es günstig aus, wäre das der stärkste Kurstreiber seit Jahren. Fällt es ungünstig aus, droht Gegenwind. Die langfristige Perspektive bleibt positiv, aber Timing ist bei Bayer gerade alles.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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