
© Foto: SAP SE / Stephan Daub
Die SAP-Aktie hat in den vergangenen Monaten brutal gelitten. Über 40 Prozent Verlust, Pessimismus wohin man schaut, und trotzdem gibt es genau jetzt gute Gründe, genauer hinzusehen. Der RSI klettert aus der überverkauften Zone heraus, das Unternehmen liefert operative Stärke, und die KI-Strategie nimmt Fahrt auf. Wer sich fragt, ob der Tiefpunkt hinter uns liegt, findet hier starke Argumente dafür. Denn während der Markt noch zweifelt, arbeitet SAP längst an der nächsten Wachstumswelle. Vielleicht war die ganze Panik rund um KI und das angebliche Ende klassischer Unternehmenssoftware schlicht übertrieben. Die Zahlen jedenfalls erzählen eine andere Geschichte.
Harte Korrektur, aber das Fundament steht
SAP hat einen schweren Weg hinter sich. Von über 270 Euro im 52-Wochen-Hoch auf zeitweise unter 140 Euro, das ist kein normaler Rücksetzer, das war ein echter Ausverkauf. Die Sorgen? KI könnte klassische Unternehmenssoftware überflüssig machen. Neue Modelle wie das vieldiskutierte "Mythos"-Projekt haben Anleger aufgeschreckt und Fantasien geweckt, dass Firmen wie SAP bald überflüssig sein könnten. Doch wer genauer hinschaut, sieht: Das Geschäft läuft. SAP wächst im Cloud-Segment, die Nachfrage nach datengetriebenen Unternehmenslösungen steigt, und der Konzern ist mitten in einer tiefgreifenden Transformation. CEO Christian Klein hat das offen kommuniziert, und er vergleicht den Schmerz ganz bewusst mit der Cloud-Umstellung Anfang der 2020er-Jahre. Damals drückten die Umbaukosten auf die Marge und die Aktie. Am Ende wurde SAP zeitweise zum wertvollsten Unternehmen Europas. Neu ist das Preismodell: Künftig sollen KI-Dienste nutzungsabhängig abgerechnet werden. Kunden zahlen also für das, was sie wirklich nutzen, und SAP will damit höhere Durchschnittsumsätze pro Kunde erzielen. Die Übernahme von Reltio stärkt dabei die Datenbasis für KI-Anwendungen. Gleichzeitig liefert das SuccessFactors-Update für das erste Halbjahr 2026 konkrete KI-Agenten.

Charttechnik
Hier liegt vielleicht die interessanteste Nachricht: Der RSI-14 lugt mit einem Wert von rund 34 wieder aus der überverkauften Zone heraus. Das ist ein erstes technisches Kaufsignal. Der Kurs hat sich zuletzt von seinem Tief bei etwa 138 Euro gelöst und notiert wieder über 149 Euro. Die entscheidende Unterstützungszone liegt um 145 Euro, ein Niveau, das historisch bereits als Widerstand funktioniert hat und nun als Boden dienen könnte. Stabilisiert sich der Kurs hier darüber, wäre der erste Schritt in Richtung Bodenbildung getan. Das erste realistische Erholungsziel liegt bei 170 Euro. Darüber wartet die Zone zwischen 190 und 200 Euro, ein Niveau, das bei einer echten Trendwende durchaus erreichbar scheint. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt derzeit darüber und damit noch vom aktuellen Kurs weit entfernt. Aber der Weg dorthin beginnt immer mit dem ersten Schritt. Und der RSI deutet an: Dieser Schritt könnte bevorstehen.
Was tun?
Wer die SAP-Aktie jetzt bewertet, schaut auf ein Unternehmen mit klaren Stärken und einem übersichtlichen Risikobild. Die Quartalszahlen am 23. April werden zum ersten Härtetest. Starke Cloud-Umsätze könnten die Wende einleiten, schwache Zahlen dagegen würden den Druck kurzfristig erhöhen. Fundamental ist SAP mit einer Marktkapitalisierung von rund 167 Milliarden Euro und einer Dividendenrendite von knapp 1,7 Prozent "solide" bewertet, nicht billig, aber angesichts der Wachstumsperspektiven im KI- und Cloud-Bereich durchaus vertretbar. Analysten von BofA haben die Kaufempfehlung nach der Reltio-Übernahme bekräftigt. Die Charttechnik gibt grünes Licht für erste Einstiegsüberlegungen, wer einen langen Atem mitbringt. Der Bereich um 142 bis 148 Euro bietet eine interessante Einstiegszone für langfristig orientierte Anleger. Wer bereits investiert ist, kann die Position halten, mit dem Blick auf eine mögliche Erholung in Richtung 190 bis 200 Euro in den kommenden Monaten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




